Déjà-vu in Mali

Kidal in der Hand von Rebellen

Markus M. Haefliger, Nairobi Heute, 24. Mai 2014, 10:00
Kidal ist wieder in der Hand von Rebellen (Archivbild).
Kidal ist wieder in der Hand von Rebellen (Archivbild). (Bild: Keystone / AP)

Fängt in Mali alles wieder von vorne an? Wie im Frühjahr 2012, als die Tuareg-Rebellen des Mouvement national pour la libération de l’Azawad (MNLA) innert drei Monaten den ganzen Norden Malis überrannten, fuhr die Regierungsarmee diese Woche eine peinliche Niederlage ein. Nachdem am Mittwoch in Kidal, der am weitesten im Nordosten gelegenen Regionalhauptstadt, Kämpfe ausgebrochen waren, überliessen die Soldaten tags darauf das Feld dem MNLA.

Reiche Beute für Rebellen

Laut der Agentur AFP wurden bei den Gefechten rund 20 Regierungssoldaten getötet und 30 verletzt. Das MNLA hält laut eigenen Angaben 14 Soldaten gefangen und erbeutete 50 nigelnagelneue Kleinlastwagen der Armee sowie tonnenweise Munition und Waffen. Zu Beginn des Aufstands vor zwei Jahren hatten die Rebellen in Aguelhok, 150 Kilometer nördlich von Kidal, 70 wehrlose Regierungssoldaten umgebracht. An dieses Massaker erinnern nun revanchistische Demonstranten in der Hauptstadt Bamako. Am Donnerstag forderten sie wütend die Rückeroberung Kidals und warfen der Uno und Frankreich vor, angesichts der Bedrohung durch die Rebellen untätig zu bleiben.

Der Konflikt war letzten Samstag neu aufgeflammt, als der frisch ernannte Premierminister Moussa Mara die Stadt Kidal besuchte. Beide Seiten werfen der jeweils anderen vor, als Erste angegriffen zu haben. Laut Diplomaten in Bamako wollte Mara mit seinem Auftritt in Kidal Macht demonstrieren, was angesichts des stockenden Friedensprozesses, den die Regierung mit den Bevölkerungen im Norden führt, riskant war. Am Samstag nahm das MNLA in Kidal 30 Behördenvertreter gefangen, liess sie aber kurz darauf wieder frei. Dann flammten die Kämpfe erneut auf. Inzwischen eroberten die Rebellen auch das weiter südlich gelegene Menaka.

Regierungsvertreter werfen dem MNLA vor, wie 2012 gemeinsame Sache mit Jihadisten zu machen. Er habe Männer mit über den Knöcheln abgeschnittenen Hosenbeinen gesehen, sagte einer der freigelassenen Beamten zum Beweis. Das MNLA hat allerdings mit den Gotteskriegern gebrochen und sie an der Seite der Franzosen bekämpft. Es ist möglich, dass einzelne Gruppen von Islamisten wieder zu den Tuareg-Rebellen gestossen sind, aber einen jihadistischen Feldzug wie vor zwei Jahren kann man ausschliessen.

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