Tuareg-Rebellen in Mali auf dem Vormarsch

23. Mai 2014, 19:15

“Wir sind 45 Kilometer von Gao entfernt” – Französische Armee verstärkte Präsenz in Region

Bamako/Paris – Tuareg-Rebellen haben nach eigenen Angaben den Nordosten Malis zurückerobert. “Wir haben Kidal, Menaka, Aguelhok, Anefis, Tessalit und Anderamboukane unter unserer Kontrolle und wir sind 45 Kilometer von Gao entfernt”, so ein Sprecher der sezessionistischen Bewegung MNLA am Freitag. In Gao stehen rund 1.000 französische Soldaten, die Malis Militär im Kampf gegen die Rebellen unterstützen sollen.

Die Tuareg fordern Autonomie für den Norden des westafrikanischen Staates, wo sie traditionell als Nomaden leben. Malis Verteidigungsminister Soumeylou Boubeye Maiga hatte zunächst bestritten, dass die Armee soviel Boden verloren habe. Später sprach er von einer nötigen “Neuorganisation unserer Streitkräfte”. Zwei Tage zuvor hatten malische Streitkräfte eine Schlacht um Kidal gegen die Rebellen verloren.

Soldaten gefangen

 

Der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Mohamed Ould Abdel Aziz, traf am Freitag in der besetzten Stadt ein, um mit den Tuareg zu sprechen. Nach Angaben der MNLA befinden sich 40 malische Soldaten in ihrer Gewalt. In Kidal, Timbuktu und Gao hatten Tuareg-Rebellen 2012 mithilfe von Al-Kaida-nahen Islamisten einen Militärputsch im Land für einen Aufstand genutzt.

 

Mali war durch einen Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Frankreich griff im Jänner vergangenen Jahres militärisch ein, um ein Vorrücken islamistischer und Tuareg-Rebellen zu stoppen. Zusammen mit Soldaten aus anderen afrikanischen Staaten vertrieb die französische Armee die Rebellen aus den großen Städten des von ihnen kontrollierten Nordens. Die Sicherheitslage ist aber nach wie vor angespannt.

 

Die französische Armee verstärkte nach den jüngsten Unruhen ihre Präsenz in der Region. Etwa 30 Soldaten wurden am Dienstag nach Kidal entsandt. Etwa hundert Einsatzkräfte sollen zudem in die Stadt Gao geschickt werden, wie die Armee am Mittwoch ankündigte. Rund 1.000 französische Soldaten sind bereits in der Stadt stationiert.

 

Die Regierung in Paris hatte am Dienstag angekündigt, wegen der angespannten Lage die neue Dislozierung der am Militäreinsatz “Serval” in Mali beteiligten Kräfte hin zu einem breiter angelegten Einsatz in mehreren Staaten der Sahelzone “um einige Wochen” zu verschieben.  (APA, 23.5.2014)

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