Nigerianische Behörden ignorierten Warnung von Boko Haram

9. Mai 2014, 21:13

Ausländische Experten unterstützen Suche nach verschleppten Mädchen

Lagos – Im Fall der fast 300 entführten Schülerinnen in Nigeria wirft die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den Behörden vor, eine Warnung der radikalislamischen Gruppierung Boko Haram ignoriert zu haben. Es gebe “ausreichend Beweise” dafür, dass “die nigerianischen Sicherheitskräfte es versäumten, auf Warnungen von Boko Haram zu reagieren”, teilte Amnesty am Freitag mit.

Unterdessen reisten Militärexperten aus den USA und Großbritannien zur Unterstützung der Suchaktion nach Nigeria.

Militär wurde gewarnt

Nach Amnesty-Angaben erhielt das Militär vier Stunden vor dem Überfall auf die Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Bundesstaat Borno eine entsprechende Warnung. Der zuständige Kommandant sei aber nicht in der Lage gewesen, ausreichend Soldaten für einen Einsatz in der Stadt zu rekrutieren, berichtete die Menschenrechtsorganisation unter Berufung auf Aussagen hochrangiger Offiziere.

Amnestys Afrikadirektor Netsanet Belay sprach von einem “groben Verstoß Nigerias gegen seine Pflicht zum Schutz von Zivilisten”. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Chris Olukolade, wies die Anschuldigungen hingegen zurück. “Der Bericht ist nur eine Ansammlung von Gerüchten”, sagte er.

Kämpfer der extremistischen Sekte hatten die Schule am 14. April überfallen und 273 Mädchen verschleppt. Nur einem kleinen Teil der Schülerinnen gelang die Flucht. Am Sonntag entführte die Gruppe elf weitere Mädchen. In einem Video kündigte Sektenführer Abubakar Mohammed Shekau die Versklavung und Zwangsverheiratung der Schülerinnen an.

Die Regierung in Abuja hatte zunächst zögerlich auf die Entführung reagiert. Erst nach einer weltweiten Mobilisierung und wütenden Protesten der Familien erklärte Präsident Goodluck Joathan am Freitag den “totalen Einsatz” seines Landes bei der Suche nach den Mädchen.

Expertenteam vor Ort

Daran sollen sich auch Militärexperten aus den USA und Großbritannien beteiligen. Das Expertenteam sei vor Ort, sagte eine Sprecherin der US-Botschaft in Abuja. Sie äußerte sich nicht zu der Zusammensetzung der Gruppe, doch war zuvor aus Washington verlautet, es würden Militärexperten sowie Fachleute aus dem Justizministerium und vom FBI entsandt.

Das britische Außenministerium schickte Diplomaten und Spezialisten des Verteidigungsministeriums nach Abuja. Das Team werde sich auch für “langfristige Anti-Terror-Lösungen einsetzen, um derartige Angriffe zu verhindern und Boko Haram zu besiegen”.

Die Witwe des verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela, Graça Machel, appellierte an die Behörden in Nigeria sowie die internationale Gemeinschaft, die Suche nach den Mädchen zu verstärken. “Die nigerianische Regierung steht in der Pflicht, die Bürger zu schützen und ihre Sicherheit zu garantieren”, erklärte Machel.

IStGH erwägt Anklage

Derweil erwägt der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, sich mit dem Verbrechen zu befassen. Die Entführung könnte unter die Zuständigkeit des Tribunals fallen, sagte Anklägerin Fatou Bensouda. Schon 2012 war der Strafgerichtshof bei einer Vorprüfung zu dem Schluss gekommen, dass Boko Haram seit 2009 Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.

US-Außenminister John Kerry hatte am Donnerstag an die internationale Gemeinschaft appelliert, konkrete Hilfen zur Verfügung zu stellen. “Die gesamte Welt sollte diese Schandtat nicht nur verdammen, sondern alles nur Mögliche tun, um Nigeria in den nächsten Tagen zu helfen”, sagte Kerry in Washington.

Nach einem CNN-Bericht sollte am Freitag ein siebenköpfiges US-Team in Nigeria eintreffen, um mehrere Dutzend Militärexperten zu unterstützen, die seit längerer Zeit vor Ort sind. (APA, 9.5.2014)

http://derstandard.at/1399507118233/Nigerianische-Behoerden-ignorierten-Warnung-von-Boko-Haram

Obama fordert internationales Vorgehen gegen Boko Haram

7. Mai 2014, 10:14

USA entsenden Experten zur Suche nach entführten Schülerinnen

Washington/Abuja – Angesichts der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen in Nigeria hat US-Präsident Barack Obama ein international abgestimmtes Vorgehen gegen die Islamistengruppe Boko Haram gefordert. Notwendig sei eine “internationale Mobilisierung” gegen diese “Terrororganisation”, sagte Obama am Dienstag (Ortszeit) dem Fernsehsender ABC.

Polizei- und Militärexperten der USA wurden ihm zufolge nachNigeria entsandt, um die entführten Mädchen zu finden. Boko Haram hatte sich am Montag zu der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen in Nigeria bekannt. Die Mädchen waren vor drei Wochen aus ihrer Schule im Nordosten des Landes verschleppt worden. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau kündigte in einem Video den “Verkauf”, die “Versklavung” und die “Zwangsverheiratung” der Mädchen an. Am Dienstag wurde bekannt, dass mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer im Nordosten Nigerias am Sonntag acht weitere Mädchen entführt haben.

“Abscheuliches” Verbrechen

Dieses Verbrechen sei “abscheulich”, sagte Obama ABC. Aber dies könne “das Ereignis sein, das hilft, die gesamte internationale Gemeinschaft dazu zu bringen, etwas gegen diese entsetzliche Organisation zu tun”. Der US-Senat verurteilte in einer Resolution das Vorgehen der Islamisten. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte bei einem Besuch in Washington, das Schicksal der Mädchen habe “alle” entsetzt.

Die USA hätten nun bereits “ein Team nach Nigeriageschickt”, sagte Obama. Es solle herausfinden, “wo diese Mädchen sein könnten, und ihnen Hilfe zu bringen”. Die Gruppe bestehe aus Spezialisten von “Militär, Polizei und anderen Behörden”. Auch Großbritannien sagte “praktische Hilfe” bei der Suche nach den Mädchen zu.

Angebot angenommen

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan hat das Angebot der US-Regierung, bei der Suche nach über 200 von Islamisten entführten Schülerinnen zu helfen, offiziell angenommen. Jonathan habe dies bei einem Telefonat mit dem amerikanischen Außenminister John Kerry deutlich gemacht, hieß es am Dienstagabend in einer Mitteilung von Regierungssprecher Reuben Abati.

“Mr. Kerry hat Präsident Jonathan versichert, dass die USA sich dazu verpflichten, Nigeria alle nötige Unterstützung zu geben, um die entführten Mädchen zu retten und den Terror der Boko Haram zu einem Ende zu bringen”, zitierte die Zeitung “Premium Times Nigeria” die Mitteilung.

Boko Haram kämpft seit fünf Jahren für einen islamistischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Etwa 1.500 Menschen wurden bei Angriffen allein in diesem Jahr bereits getötet. (APA, 7.5.2014)

Wir reden nicht von Nothilfe.

Bei der Entwicklungshilfe bin ich gespalten. Nehmen wir Nigeria, achtgrösster Erdölproduzent der Welt, ein unglaublich reiches Land, aber völlig korrupt. Dieses Land bekommt von der Weltbank am meisten Entwicklungshilfe von ganz Schwarzafrika. Da verstehe ich den Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, selber aus Nigeria stammend, der diese Hilfe für einen Skandal hält, weil mit diesen Geldern das Volk ein Minimum bekommt, still bleibt und nicht aufsteht. So kann Shell weiterhin das Ausbeutungsregime mit den Generälen aufrechterhalten. Aber was geschähe ohne Entwicklungshilfe? Dann müssten die Leute leiden, nicht die Militärs.

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-01/artikel-2010-01-das-buch-muss-eine-waffe-sein.html

Ich möchte Ihnen auch hier ein Bespiel geben. In meinem Buch spielt Nigeria eine große Rolle, das bevölkerungsreichste Land in Afrika und einer der größten Erdölexporteure der Welt. Seit 1966 wird Nigeria von wechselnden Militärdiktaturen unter demokratischer Maske regiert, und das Land wird von Erdölkonzernen geplündert. Die Bevölkerung leidet dabei unter Hunger, verseuchtem Wasser und Analphabetismus. Im April 2007 fanden wieder sogenannte Wahlen in Nigeria statt. Die Europäische Union stand unter dem Vorsitz von Frau Merkel. Frau Merkel hat die Wahlbeobachtung angeordnet. Die EU kann das sehr gut. Sie hat den Wahlprozess beobachtet und das Fazit war absolut vernichtend. Es war ein totaler Wahlbetrug. Es wurden sogar oppositionelle Politiker erschossen. Der neue nigerianische Präsident Amaru hat überhaupt keine demokratische Legitimation. Zwei Monate später findet in Heiligendamm der G8-Gipfel statt. Frau Merkel lädt als Ehrengast aus Afrika Amaru ein, den Wahlbetrüger. Frau Merkel ist gefangen im Ethnozentrismus der Europäer. Sie sieht nicht die tiefe Wunde, die Beleidigung, die sie dem nigerianischen Volk antut, wenn sie den Mann, den sie zwei Monate vorher als Wahlbetrüger bloßgestellt hat, jetzt als Ehrengast zum G8-Gipfel nach Heiligendamm einlädt. Diese Blindheit des Westens ist unerträglich für den Süden.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31335/1.html

Der achtgrösste Erdölproduzent der Welt ist eigentlich «unermesslich reich», gehört aber zu den zwanzig ärmsten Ländern der Welt. Die internationalen Erdölkonzerne bedienen sich schamlos am Reichtum des Landes, so Ziegler, bestechen die Machthaber und werden von der westlichen Politik dabei gedeckt.

http://www.woz.ch/0946/der-hass-auf-den-westen/so-reich-und-doch-so-arm