Vor 60 Jahren

Frankreichs Schmach im vietnamesischen Dschungel

Nina Belz Mittwoch, 7. Mai 2014, 11:37
Ein vietnamesischer Soldat schwenkt die Nationalflagge in Dien Bien Phu.
Ein vietnamesischer Soldat schwenkt die Nationalflagge in Dien Bien Phu. (Bild: Vietnam News Agency/ap)
Am 7. Mai 1954 besiegten die vietnamesischen Unabhängigkeitskämpfer die französischen Truppen in Dien Bien Phu. Damit vertrieben sie die Kolonialherren auch gleich ganz aus Südostasien.

Es war ein Freitagnachmittag im Mai 1954, als Frankreichs Premierminister Joseph Laniel um 16 Uhr 35 in Paris vor die Nationalversammlung trat. Er hatte keine guten Nachrichten: Laniel musste dem Parlament mitteilen, dass Dien Bien Phu, der zentrale Stützpunkt der französischen Expeditionstruppen in Indochina, nach zwanzigstündigen Gefechten mit den kommunistischen Vietminh gefallen war. Obwohl sich zu diesem Zeitpunkt noch französische Soldaten auf einem letzten Aussenposten gegen die Kämpfer der Vietminh wehrten, bedeutete Laniels Eingeständnis am 7. Mai 1954 das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Südostasien.

Französische Rückeroberung

Die Schlacht von Dien Bien Phu, einem Talkessel im äussersten Nordwesten Vietnams, hatte insgesamt 56 Tage gedauert. Sie war verlustreich und blutig – und eigentlich das Finale eines Krieges, der schon seit 1946 im Gange war. Schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Franzosen Pläne gehegt, ihre Kolonie in Südostasien wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Seit 1940 war sie von den Japanern besetzt gewesen, und nach deren Kapitulation gelangte Indochina wieder in die Hände der Franzosen.

Doch die Kolonialherren stiessen auf Widerstand, besonders in Vietnam. Nachdem die Franzosen die Unabhängigkeitserklärung der Vietnamesen missachtet hatten, kam es ab 1946 zu Kämpfen zwischen französischen Truppen und den Kämpfern der «Demokratischen Republik Vietnam» – den von Ho Chi Minh gegründeten und geführten Vietminh. Die Gründung der Volksrepublik China, welche die Unabhängigkeitsbestrebungen von Ho Chi Minh unterstützte, brachte die Kolonialherren ab 1949 mehr und mehr in Bedrängnis. Hinzu kam der wachsende Druck aus den Nachbarländern Laos und Kambodscha, welche die Franzosen ebenfalls aus dem Land haben wollten.

Tödlicher Talkessel

1953 beschlossen die Franzosen, einen Stützpunkt in die Tiefen des nordvietnamesischen Dschungels zu verlegen. Sie rechneten sich gute Chancen aus, die Truppen der Vietminh in dem abgelegenen Gelände zu schlagen. Doch sie hatten die Rechnung ohne General Vo Nguyen Giap gemacht. Am 13. März 1954 startete dieser seinen Angriff auf den Stützpunkt Dien Bien Phu. In den folgenden Wochen bekämpften sich die Eliteeinheiten der Kolonialmacht – zwischen 13 000 und 16 000 Soldaten – und insgesamt rund 50 000 vietnamesische Unabhängigkeitskämpfer. Die Franzosen waren nicht nur zahlenmässig unterlegen. Sie hatten vor allem nicht damit gerechnet, dass die Vietnamesen fähig waren, in diesem Gelände Artillerie einzusetzen. So konnten sie die Franzosen im Talkessel von oben beschiessen. Frankreichs Generäle hatten sich selbst über- und den Gegner unterschätzt. Dies machte die rund 20 Kilometer lange und zwischen 5 und 8 Kilometer breite Talsohle nicht zum strategischen Vorteil, sondern zur tödlichen Falle.

Schrumpfende Festung

In der ersten Maiwoche 1954 startete General Vo Nguyen Giap seine Schlussoffensive gegen den letzten französischen Widerstand, der auf ungefähr drei Quadratkilometer zusammengeschrumpft war. Die Vietminh hatten nun auch chinesische Raketenwerfer im Einsatz. Am frühen Abend des 7. Mai stellten die Franzosen im innersten Kern ihrer «Festung» das Feuer ein.

Die Vietminh nahmen Tausende der Soldaten, die unter französischer Flagge gekämpft hatten, aber zumeist nicht französischer Herkunft waren, in Gefangenschaft. Viele kamen nie wieder frei. Die Anstrengungen Frankreichs, seine Kolonie zu verteidigen, hatten schätzungsweise mehr als 90 000 Soldaten das Leben gekostet – auf der Seite der Vietnamesen waren es allerdings rund dreimal so viele.

Ein Nationalheld

In Frankreich war die Niederlage von Dien Bien Phu der endgültige Todesstoss für die innenpolitische Unterstützung des Krieges im fernen Asien. Mit dem Genfer Abkommen, das im Juli 1954 verlesen wurde, verpflichtete sich Frankreich, sich aus Indochina zurückzuziehen.

Die Verträge hatten auch die Teilung Vietnams zur Folge – und ebneten den Weg zum Zweiten Indochinakrieg, der erst 1975 mit einem weiteren Sieg der Nordvietnamesen unter Ho Chi Minh und General Vo Nguyen Giap über die Amerikaner endete.

Der listige General, der gleich zwei fremden Mächten eine Schmach zufügte, wird in Vietnam als Nationalheld verehrt. Er verstarb im vergangenen Jahr im Alter von 102 Jahren. In den achtziger Jahren unter der kommunistischen Führung in Ungnade gefallen, wurde Giap im Oktober mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/frankreichs-schmach-im-vietnamesischen-dschungel-1.18297672

Indochina – Deutsche Legionäre im Indochinakrieg
Diese größte Niederlage der französischen Kolonialtruppen überhaupt markierte das Ende des Indochinakriegs, den Rückzug Frankreichs und die Zweiteilung Vietnams am 16. Breitengrad: der Kalte Krieg hatte das Land erreicht. Der Film nimmt die Schlacht von Dien Bien Phu vor 50 Jahren zum Anlass und erzählt vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse die Geschichte der deutschen Fremdenlegionäre in Vietnam. Eine Geschichte, in der sich die historischen Umbrüche in der Mitte des letzten Jahrhunderts vielfältig spiegeln lassen

In den 50er Jahren umkämpften Kessel von Dien Bien Phu erkennt der junge französische Besatzungssoldat Bernard die ganze Sinnlosigkeit des Kolonialkriegs und läuft kurzerhand über zum nur wenige hundert Meter entfernt im Schützengraben lagernden Feind. Es gelingt ihm, das Vertrauen der Vietminh zu gewinnen, und er geht auf eine Odyssee durchs Kampfgebiet mit jenem Soldaten, der ihn gefangen nahm, und der trotz aller ethnischen und politischen Differenzen sowie der Liebe zur selben jungen Frau sein bester Freund werden wird.

Erinnerung an Dien Bien Fu