Mehr als 30 Tote in Odessa

Die Ukraine setzt ihre Offensive fort

Heute, 3. Mai 2014, 09:02
Krawalle in Odessa: Hunderte von prorussischen Kämpfern greifen eine Kundgebung für die territoriale Unabhängigkeit der Ukraine an. Im Bild regierungstreue Demonstranten.
Krawalle in Odessa: Hunderte von prorussischen Kämpfern greifen eine Kundgebung für die territoriale Unabhängigkeit der Ukraine an. Im Bild regierungstreue Demonstranten. (Bild: Reuters)
Die Lage in der Ukraine wird immer explosiver. Regierungstruppen gehen in Slowjansk gegen Aufständische vor. In Odessa fordert ein Feuer mehr als 30 Tote. Die USA bescheinigen Kiew, die Ordnung wiederherstellen zu wollen. Russland sieht das anders.

(ap) Die Gewalt in der Ukraine greift um sich und verschärft die Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Die Regierung in Kiew startete eine grossangelegte Militäroffensive gegen Hochburgen der Aufständischen im Osten des Landes. Beim Vormarsch auf Slowjansk seien viele prorussische Kämpfer getötet und verwundet worden, sagte Übergangspräsident Turtschinow.

Die Unruhen weiten sich auf bisher ruhige Gebiete aus: In Odessa gab es laut der Polizei Zusammenstösse zwischen prorussischen Aktivisten und Regierungsanhängern, ein Gewerkschaftsgebäude ging dabei in Flammen auf. Mehr als 30 Menschen kamen ums Leben. Das Aussenministerium in Moskau machte die Führung in Kiew für den Brand verantwortlich.

Durch Molotow-Cocktails verursacht

Ukrainische Medien berichteten, Unterstützer der Regierung in Kiew hätten vor der Gewerkschaftszentrale ein Lager prorussischer Protestierender geräumt. Diese hätten daraufhin im Gebäude Zuflucht gesucht. Dann habe es Feuer gefangen. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AP, der Brand sei offenbar durch Molotow-Cocktails verursacht worden.

Die Hafenstadt am Schwarzen Meer war bisher von den Unruhen verschont geblieben, die Teile des Ostens der Ukraine erfasst haben. Dort halten Aufständische in einem Dutzend Städten Regierungsgebäude und Polizeiwachen besetzt. Seit Freitagmorgen versuchen ukrainische Truppen jedoch, die strategisch wichtige Stadt Slowjansk zurückzuerobern. Entgegen den Angaben aus Kiew sprach die Sprecherin der Separatisten von drei Kämpfern und zwei Zivilisten, die getötet worden seien.

Scharmützel auch in der Stadt Kramatorsk

Bei Anbruch der Dunkelheit blockierten Soldaten mit Schützenpanzern alle grösseren Strassen nach Slowjansk. Die Innenstadt war jedoch weiter in der Hand prorussischer Bewaffneter, wie Journalisten vor Ort berichteten. Noch am Freitagabend war in der Gegend vereinzelt Geschützfeuer zu hören. Russische Medien berichteten überdies von Scharmützeln in der nahe gelegenen Stadt Kramatorsk.

Slowjansk sei strategisch bedeutsam, weil sich nahe der Stadt ein riesiges Arsenal an Sturmgewehren und anderen leichten Waffen befinde, kommentierte das britische Institut für Sicherheitsfragen.

In einer Reaktion auf das militärische Vorgehen Kiews erklärte der Kreml, damit sei der Friedensplan zur Entschärfung der Krise nun hinfällig. Der Angriff vom Freitag habe die vor zwei Wochen in Genf beschlossene Vereinbarung «zerstört», sagte der Sprecher Putins, Dmitri Peskow. Hingegen bescheinigte US-Präsident Barack Obama der Übergangsregierung in Kiew, mit der Offensive die Ordnung wiederherstellen zu wollen.

Obama: «Putin vom Kurs abbringen»

Das russische Aussenministerium warf der Ukraine vor, «Terroristen» von ultranationalistischen Organisationen für die Militäroperationen einzusetzen. Kiew habe Panzer und Helikopter geschickt, die Raketenangriffe auf die Demonstranten durchgeführt hätten.

US-Präsident Barack Obama sagte dagegen an einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eskalierende Gewalt habe der Welt vor Augen geführt, dass die prorussischen Kräfte in der Region keine friedlichen Demonstranten seien. Putin müsse «von seinem derzeitigen Kurs abgebracht werden», sagte er.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/einsatz-gegen-separatisten-ukraine-setzt-offensive-fort-1.18295227

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