Tödliche Angriffe auf Muslime überschatten Parlamentswahl in Indien

2. Mai 2014, 12:19

Hintergrund für Bombenanschlag auf Expresszug weiterhin unklar

Chennai/Guwahati – Nach zwei Bombenexplosionen in einem indischen Expresszug gibt es weiterhin keinen Hinweis auf die Täter. Die Schlussphase der Parlamentswahl in Indien ist zudem von weiteren Angriffen überschattet: Im nordöstlichen Unionsstaat Assam wurden elf Muslime getötet, darunter zwei Frauen.

Die Polizei vermutete, dass Mitglieder des Bodo-Stammes hinter den insgesamt zwei Angriffen in der Nacht auf Freitag steckten. Die Bodo-Bevölkerung geriet bereits mehrfach mit muslimischen Siedlern in der Region aneinander, etwa vor zwei Jahren, als Dutzende Menschen getötet wurden und etwa 400.000 aus Angst aus ihren Dörfern flohen.

Die Bodo werfen den Muslimen vor, illegal aus Bangladesch nach Indien gekommen zu sein. Im Wahlkampf haben Kandidaten Stimmung gegen die Einwanderer aus dem Nachbarstaat gemacht. Der Favorit Narendra Modi etwa sagte vor einigen Tagen, sollte er an die Macht kommen, könnten die Migranten “ihre Koffer packen”. Der Hindu-Nationalist wirft der Regierung von Assam vor, in Einwanderungsfragen zu lax zu agieren.

Bei einem der beiden nächtlichen Angriffe drangen Bewaffnete nach Polizeiangaben in das Haus einer Familie ein und erschossen ihre Opfer. Unter den drei Toten waren demnach zwei Frauen, ein Baby sei verletzt worden. Bei dem zweiten Angriff seien acht Menschen von einer Guerilla-Gruppe getötet worden.

Die Stimmabgabe in Assam wurde für einige Tage unterbrochen, wobei im Gebiet der Bodo die Wahllokale bereits am 24. April schlossen. Die indische Parlamentswahl begann vor knapp vier Wochen. Ergebnisse sollen am 16. Mai veröffentlicht werden.

Bei den Explosionen in dem Zug starb eine junge Inderin, unter deren Sitz einer der Sprengsätze platziert war, nach offiziellen Angaben sofort. 14 weitere Passagiere erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Bomben explodierten am Donnerstag nach Angaben der Bahn in zwei benachbarten Schlafwagen des Bangalore-Guwahati-Express, kurz nachdem der Zug in den Bahnhof in Chennai (früher: Madras) eingefahren war.

Mutmaßlicher Terroranschlag

Das indische Innenministerium wolle die Tat als mutmaßlichen Terroranschlag einstufen, berichtete der Nachrichtensender NDTV am Freitag. Die Regierung des betroffenen Unionsstaates Tamil Nadu aber wehre eine Untersuchung der nationalen Behörden ab und gehe von einem Kriminalfall aus. Wer hinter der Tat steckt, blieb weiter unklar.

Nach den beiden Explosionen wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen, Bahnhöfen und Busterminals in der Region erhöht. Der Süden Indiens gilt als relativ friedlich und wurde bisher selten zum Ziel von Terroranschlägen.

Die getötete Frau war eine 24 Jahre alte IT-Spezialistin in Bangalore, die laut lokalen Medien ihren ersten Urlaub bei ihren Eltern verbringen wollte. Dort habe sie ihre Hochzeit planen wollen, die in wenigen Monaten hätte stattfinden sollen, berichtete die Zeitung “Times of India” (Freitag-Ausgabe).

Premierminister Manmohan Singh verurteilte die Tat als “barbarischen Akt”. Er werde nichts unterlassen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, hieß es in einer Erklärung. (APA, 2.5.2014)

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