Obamas Asienreise

Zögerliche Umarmungen

Nina Belz Dienstag, 29. April 2014, 21:29

Eine Woche lang ist Amerikas Präsident durch Ost- und Südostasien gereist. Es war Barack Obamas zweiter längerer Aufenthalt in der Region, seit er Asien zu einem Schwerpunkt seiner Aussenpolitik erklärt hat. Seither muss er sich des Verdachts erwehren, dass Amerikas «Hinwendung zu Asien» nicht mehr als ein Drohfinger an die Adresse Chinas ist. Es besteht kein Zweifel, dass der Krieg in Syrien, die Krimkrise und auch der Nahostkonflikt die amerikanische Diplomatie ungleich stärker beanspruchen als die Spannungen im Fernen Osten. Auch hat man in Asien – und besonders in Peking – genau registriert, dass Obama im Herbst eine Reise in die Region wegen der Haushaltkrise in letzter Minute abgesagt hatte. Bei einem neuerlichen Anlauf hat sich der amerikanische Präsident nun viel Zeit genommen und war bemüht, Pflöcke einzuschlagen – allerdings mit gemischtem Erfolg.

Mit Japan, Südkorea und den Philippinen standen drei traditionelle Verbündete auf seinem Reiseplan. Obama hat ihnen den Rücken gestärkt und damit die amerikanische Präsenz im Pazifikraum bekräftigt. Angesichts von Chinas zunehmend selbstbewusstem Auftreten ist dies in den drei Ländern zumindest auf Regierungsebene willkommen. Davon zeugt auch die Bereitschaft der Philippinen, die militärische Zusammenarbeit mit der ehemaligen Kolonialmacht zu vertiefen. Ein ebenso wichtiger Pfeiler der amerikanischen Asienstrategie ist die Transpazifische Partnerschaft, ein Freihandelsprojekt, das neben Staaten Lateinamerikas auch viele asiatische Länder, nicht aber China, einschliesst. Diesbezüglich musste Obama einen Dämpfer einstecken: Trotz tagelangen Verhandlungen konnte in Japan, einem wichtigen potenziellen Mitglied, kein Fortschritt erzielt werden. Japan steht dabei für eine Haltung, die auch andere Länder der Region vertreten: Den Beistand einer Schutzmacht nimmt man gern – bei maximaler Eigenständigkeit.

Amerikas Asienstrategie hat einen längerfristigen Zeithorizont. Erst bis 2020 sollen 60 Prozent der amerikanischen Marine im asiatischen Raum stationiert sein. Dass Obama nun auch Malaysia, ein traditionell amerikakritisches Land, besucht hat, ist ein Zeichen dafür, dass für Washington auch neue Allianzen denkbar sind. Die Frage ist, wie viel Energie amerikanischen Diplomaten dafür bleibt. Auch auf seiner Asienreise kam Obama nicht darum herum, sich mit der Ukrainekrise zu befassen. China wird künftig nicht die einzige Grossmacht sein, der Amerika die Stirn bieten muss.

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/zoegerliche-umarmungen-1.18293145