Russland zieht Truppen aus Grenzgebiet zur Ukraine zurück

29. April 2014, 07:38
  • Russische Truppen noch vor wenigen Tagen nahe der ukrainischen Grenze.

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    foto: reuters/alexander mikhailov

    Russische Truppen noch vor wenigen Tagen nahe der ukrainischen Grenze.


Russischer Verteidigungsminister Schoigu telefonierte mit US-Amtskollegen Hagel – Verletzte bei Demonstration in Kiew

Moskau/Kiew – Die russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine sind nach Angaben der Regierung in Moskau in ihre Kasernen zurückgerufen worden. Verteidigungsminister Sergei Schoigu habe dies in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Chuck Hagel erklärt, teilte das russische Verteidigungsministerium in der Nacht auf Dienstag mit. Es blieb zunächst unklar, ob Russland damit auch die Gesamtzahl seiner Soldaten in der Region verringerte. In dem einstündigen Telefonat habe Schoigu auch die verstärkten Militärbewegungen von USA und Nato nahe der russischen Grenze angesprochen. Zugleich habe der Minister eine “anti-russische Hysterie” in westlichen Medien beklagt.

Nach Nato-Angaben hat die russische Armee etwa 40.000 Soldaten mit schwerem Geschütz an der Grenze zur Ukraine aufgefahren. Damit wurden Sorgen geschürt, dass Russland in die ehemalige Sowjetrepublik einmarschieren und Teile der Ostukraine besetzen könnte.

Neue Sanktionen

Zuvor hatten die EU und die USA am Montag neue Sanktionen gegen russische Regierungsmitglieder und Unternehmen verhängt. Die Moskauer Regierung bezeichnete die US-Schritte als “abscheulich”. Appelle zur Freilassung der in der Ostukraine festgehaltenen Militärbeobachter verhallten.

Die bewaffneten Aktivisten werfen den seit Freitag gefangen gehaltenen OSZE-Mitarbeitern, die aufgrund einer bilateral vereinbarten Mission unter der Leitung der deutschen Bundeswehr vor Ort waren, “Spionage für die NATO” vor und erwägen einen Austausch mit inhaftierten Gesinnungsgenossen. Die Regierung in Kiew lehnt dies ab. Das Berliner Außenministerium wies die Spionage-Vorwürfe als abwegig zurück.

Die britischen Behörden haben 23 Millionen Dollar (16,63 Mio. Euro) aus der Ukraine eingefroren und ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche aus einer möglichen Korruptionsaffäre eingeleitet. Am Dienstag soll ein Gespräch über die Beschlagnahme ukrainischer Mittel, die während der Herrschaft des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch illegal ins Ausland gebracht wurden, stattfinden. Die britische Innenministerin Theresa May, ihr ukrainischer Kollege Arsen Awakow und US-Justizminister Eric Holder sollen an dem Treffen teilnehmen.

Verletzte bei Demonstration

Mindestens 14 Menschen sind unterdessen im ostukrainischen Donezk bei Zusammenstößen zwischen prorussischen Aktivisten und Anhängern der Regierung in Kiew verletzt worden. Laut Medienberichten standen den rund 1.000 Kiew-treuen Demonstranten etwa 500 prorussische gegenüber. Einige der Demonstranten warfen Steine und Blendgranaten.

Die Lage im Osten der Ukraine ist seit Wochen stark angespannt. Am Montag wurde dem Bürgermeister vonCharkiwGennadi Kernes, in den Rücken geschossen. In rund einem Dutzend Städten der Region halten prorussische Milizen weiterhin Polizeiwachen und Verwaltungsgebäude besetzt. (Reuters/APA, 29.4.2014)

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