ISLAMKRITIK ALS GESCHÄFTSMODELL

Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad nennt in seinem neuen Buch den Islam “Faschismus”. Schon klingelt die Kasse. Eigentlich ist das Volksverhetzung nach §130 Strafgesetzbuch. Aber welcher Richter schützt heute noch die Würde einer Religion?

Ich kenne Samad aus Talkshows. Ich respektiere ihn als Mensch. Aber seine Islambeschimpfungen finde ich IGNORANT, DREIST, FEIGE.

IGNORANT
Samad ist (im besten Fall) kein wirklicher Islamkenner. Er wüsste sonst, dass sich die kriegerischen Passagen des Koran “erkennbar auf die damaligen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Mekka und Medina und damit ausschließlich auf bestimmte Kampfszenen jener Zeit“ beziehen. Der bekannte frühere ägyptische Religionsminister Zakzouk hat darauf – wie viele andere – immer wieder hingewiesen. Nur totale Ignoranten basteln daraus einen Faschismus-Vorwurf. Oder Leute, die den Koran bewusst verdrehen.

Die Schlachten-Schilderungen im Alten Testament der Juden und Christen sind übrigens viel blutiger als die des Koran. Der jüdische Evolutionspsychologe Steven Pinker nennt das Alte Testament “ein einziges Loblied der Gewalt”. Da wird gemordet, vergewaltigt und versklavt. Frauen werden gekauft, verkauft und gestohlen wie Sexspielzeuge. An mehr als 100 Stellen erteilt Gott persönlich den ausdrücklichen Befehl, Menschen zu töten. Matthew White rechnete die Opferzahlen der Massenmorde im Alten Testament zusammen und kam auf 1,2 Millionen Tote.

Moses und Mohammed wurden in eine kriegerische Welt hineingeboren. Nur absolute Schwachköpfe würden das Alte Testament wegen der Schilderung alter Mythen und Schlachten faschistisch nennen. Für mich ist es eines der großartigsten Bücher der Weltgeschichte, in dessen Mittelpunkt die Nächstenliebe steht (Levitikus19,18). Auch der Koran fordert: “Seid gut zu dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde (Sure 4:36). Der Koran ist für jeden Menschen mit offenen Augen und offenem Herzen ein großes, erhabenes Buch der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

DREIST
Friedrich der Große, mutiger Vorkämpfer der Meinungs- und Pressefreiheit, war berühmt für seine Toleranz. Dennoch fragte er mahnend: Wenn man für Gedankenfreiheit ist, “muss man dann den bestehenden Glauben verhöhnen?” Mit Nachdruck sagte er, Toleranz dürfe nicht so weit gehen, “dass sie die Frechheit und Zügellosigkeit von Hitzköpfen gut heiße, die etwas vom Volk Verehrtes dreist beschimpfen”. Nicht nur die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, sondern auch der tiefe Glaube von Menschen.

FEIGE
Es ist leicht, in einem freiheitlichen Land wie Deutschland den Glauben einer Minderheit zu beschimpfen. Da gibts kein Risiko, da gibts nur richtig viel Geld. Warum geht Samad nicht nach Tunesien, Marokko oder Saudi-Arabien, um seine anti-islamischen Thesen zu verkünden? Richtig, das wäre gefährlich. Aber wenn es tatsächlich um die Verhinderung von “Faschismus” ginge, müsste man dann nicht auch bereit sein, Risiken auf sich zu nehmen? Im christlichen Deutschland sein Geld als “Islamkritiker” zu verdienen, ist so billig, wie wenn sich ein deutscher Christ in Saudi-Arabien als Kritiker des Christentums die Taschen füllen würde. Oder wie wenn in der Weimarer Republik ein Jude gegen den Glauben der Juden gehetzt hätte. So etwas nenne ich unwürdig, schäbig und feige.

Der Faschismus und insbesondere der häufig damit gemeinte deutsche Nationalsozialismus ist nach dem sowjetischen und chinesischen Kommunismus die blutigste Ideologie der Neuzeit. Samad besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Dass ausgerechnet ein Deutscher dem Islam, der Religion seiner Väter, mit dem Faschismusvorwurf in den Rücken fällt, macht mich sprachlos.

Ich weiß, dass Samad kein leichtes Leben hatte. Dass er oft tief verletzt wurde. Aber das gibt ihm nicht das Recht, das Wertvollste, was viele Muslime haben – ihre religiöse Überzeugung – in den Schmutz zu ziehen.

Samad ist im besten Fall ein “Narr” im Sinne Goethes. Goethe schreibt im “West-östlichen Divan” voller Respekt vor dem Islam und voller Spott über dessen inkompetente Kritiker ( in historischer Schreibweise ):

“Närrisch, daß jeder in seinem Falle,
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam ‘Gott ergeben’ heißt,
In Islam leben und sterben wir alle.”

Euer Jürgen Todenhöfer

http://www.weltethos.de/data-ge/c-60-we-institut/60-we-institut.php

Wir weisen in dem Zusammenhang auf die wichtige Arbeit an einem Weltethos hin, einem Grundkonsens über grundlegende Werte für alle Weltweit:

Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen – und kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen“. Diese zwei Einsichten von Prof. Dr. Hans Küng standen 1990 programmatisch am Anfang des Weltethos-Projekts und begründeten seine Suche nach einem globalen Grundkonsens bestehender Werte, unverrückbarer Maßstäbe und persönlicher Grundhaltungen. “Kein Weltfriede ohne gerechte Weltwirtschaftsverhältnisse. Keine gerechten Weltwirtschaftsverhältnisse ohne Weltwirtschaftsethos.

Was ist Weltethos? 


Weltethos,
 das ist die Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos: Menschen – ob weltweit, national oder lokal – sind für ein friedliches Zusammenleben auf gemeinsame elementare ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen angewiesen.

Solche Werte finden sich in allen großen religiösen und philosophischen Traditionen der Menschheit. Sie müssen nicht neu erfunden, wohl aber den Menschen neu bewusst gemacht, sie müssen gelebt und weitergegeben werden.

Dafür braucht es:
• Dialog der Religionen und Kulturen, besonders das Wissen um Gemeinsamkeiten im Ethos.
• Kulturübergreifende Werteerziehung. Schon Kinder müssen lernen, dass friedliches Zusammenleben auf allen Ebenen vom Einhalten elementarer Regeln abhängt. Keine Gesellschaft kann ohne ein verbindendes Wertefundament funktionieren.
• Ethische und interkulturelle Kompetenz in Wirtschaftsunternehmen. Akteure im internationalen Wettbewerb sind mehr denn je auf kulturübergreifende Normen angewiesen. 
• In Recht und Ethos verankerte internationale Politik: statt militärischer Konfrontation, Kooperation, Integration.
  
Das Weltethos-Programm geht zurück auf den in Tübingen wirkenden Schweizer Theologen Prof. Hans Küng und sein Buch»Projekt Weltethos« (1990).
»Kein Friede zwischen den Nationen ohne Friede zwischen den Religionen« – dieser Satz bildet die Leitidee von Hans Küngs Arbeit.

Inspiriert vom »Projekt Weltethos« verabschiedete 1993 das Parlament der Weltreligionen in Chicago die »Erklärung zum Weltethos«. Erstmals in der neueren Geschichte der Religionen verständigen sich Repräsentanten aller Weltreligionen auf Kernelemente eines gemeinsamen Ethos:
• das Prinzip Menschlichkeit,
• die »Goldene Regel« der Gegenseitigkeit,
• die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau.

http://www.weltethos.de/data-ge/c-10-stiftung/10a-definition.php