Vormachtstellung des Dollar wird bis auf das Blut verteidigt

Wie der Australische Schriftsteller Geoffrey Heard bereits über den Irak – Krieg erklärte – verteidigt die USA die Vormachtstellung des Dollar mit allen Mitteln. So auch mit offenem Krieg gegen den Irak. Laut seinem Ergebnis wurde der Irak-Krieg nur geführt, weil Saddam Hussein alle Öl-Zahlungen von Dollar auf Euro umgestellt hat. Wäre das so weiter gegangen, würde der Dollar als Leitwährung durch den Euro abgelöst worden sein. So führte man einen Krieg, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, nur um den Zerfall des Dollar aufzuhalten

Der Kampf um die wirtschaftliche Vormacht in der Welt. Dollar gegen Euro.

 

Diesen Artikel schrieb der australische Schriftsteller Geoffrey Heard kurz vor dem Angriff der USA und Großbritanniens auf den Irak. Wir veröffentlichen ihn an dieser Stelle, weil die Hintergründe, die dieser Artikel erhellt, kaum in den Medien erwähnt wurden. Sie sind hochaktuell, auch wenn die UNO und die sogenannte Antikriegskoalition Frankreich-Deutschland-Russland vor vollendeten Tatsachen stehen, weil die USA inzwischen den Irak besetzt halten und die Ölfelder kontrollieren… (Anmerkung der Redaktion)


Warum wollte George W. Bush unbedingt Krieg gegen den Irak führen? Die Antwort auf diese Frage findet man, wenn man sich vorstellt, was für die USA geschehen würde, wenn sie diesen Krieg nicht geführt hätten. Die Bush-Administration wurde auf frischer Tat ertappt: beim Lügen, beim unmäßigen Übertreiben und beim unglaublichen Unterstellen falscher Tatsachen – all das, um einen Vorwand zu finden, um gegen den Irak loszuschlagen. Mit ihren Verbündeten Großbritannien und Australien hat diese Administration eine totale Verachtung der öffentlichen Meinung an den Tag gelegt, Informationen manipuliert und wissentlich oder durch Auslassungen betrogen. Sie versuchte auch, für Milliarden von Dollars in der UNO Stimmen zu kaufen. Angesichts des Scheiterns vor dem UNO-Weltsicherheitsrat drohten die USA, den Irak sogar ohne das Einverständnis der UNO anzugreifen. (…) Doch woher rührt diese Besessenheit, diesen Krieg vom Stapel reißen zu wollen?


Es gibt viele Gründe, welche die Regierung der USA dazu treibt, in den Irak einzumarschieren, Saddam Hussein zu entmachten und das Land unter ihre Kontrolle zu bekommen. Doch der wichtigste Grund bleibt bisher im Dunkeln und ist eigentlich sehr einfach: Es geht um die Währung, die für den Ölhandel verwendet wird. Dieser Faktor entscheidet für die Zukunft, wer die Welt wirtschaftlich beherrschen wird: die USA oder die Europäische Union. Der Irak ist der Brückenkopf der EU in dieser Konfrontation. Die USA hatten bis jetzt das Monopol des Ölhandels in ihrer Hand, weil der Dollar das von allen Seiten anerkannte Zahlungsmittel war. Doch der Irak hatte sich ab dem Jahr 1999 von diesem System losgesagt, indem er den Euro für die Begleichung der Ölrechnung akzeptierte und dadurch sogar Profite machte. Wenn die USA den Krieg gegen den Irak gewinnen, steht die EU mit leeren Händen da und die wirtschaftliche Vorherrschaft Amerikas auf der ganzen Welt wird unumstößlich. Es handelt sich hier um den größten Kampf um die wirtschaftliche Macht, den es jemals in der Moderne gab. Die Alliierten der USA – Großbritannien und Australien – sind die Wette eingegangen, dass Amerika siegen wird, und sie erhoffen sich, davon profitieren zu können. Frankreich und Deutschland sind die Brückenköpfe Europas. Russland möchte sich Europa anschließen (…). Es ist wahrscheinlich, dass China es gerne sieht, wenn die Welt nicht nur vom Dollar abhängt, sondern dass diese Herrschaft mit dem Euro geteilt wird. China verfolgt dabei das Ziel, seinen internationalen Handel weiter auszubauen und von allen Seiten zu profitieren. (…)


Die Petro-Dollars


Das einzige zugelassene Zahlungsmittel im Ölhandel war bisher – wie gesagt – der Dollar. Nach einer Abmachung mit der OPEC wurden seit 1971 alle Ölgeschäfte über den Dollar abgewickelt. Diese Tatsache machte den Dollar de facto zur wichtigsten Währung im internationalen Handel. Wenn alle Länder Dollars anhäufen müssen, um Öl kaufen zu können, möchten sie diese Akkumulation auch für den Handel auf anderen Gebieten einsetzen. Dies verschafft den USA einen enormen Vorteil und ermöglicht ihnen die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt. Der wirtschaftliche Block der EU ist der einzige Herausforderer der USA auf diesem Gebiet. Die EU hat den Euro ins Leben gerufen, um mit dem Dollar auf den internationalen Märkten konkurrieren zu können. Doch die EU ist hinter dem Euro noch nicht völlig vereint. Es gibt noch immer viel Chauvinismus der einzelnen Staaten, gerade auch den von Großbritannien. Jedenfalls: Solange alle Länder Dollars anhäufen müssen, um Erdöl zu kaufen, wird der Euro immer im Schatten des Dollars bleiben.


Im Jahr 1999 hatte der Irak, der das zweitgrößte Erdölvorkommen der Welt besitzt, seinen Ölhandel auf Euro umgestellt. Die amerikanischen Analytiker lachten darüber: Der Irak hätte einen schweren Fehler begangen, der das Land in die Armut stürzen würde. Doch zwei Jahre später begannen die Alarmglocken zu läuten: Der Euro stieg im Gegensatz zum Dollar und der Irak hatte einen wirtschaftlichen Sprung nach vorne gemacht.


Der Iran begann, in die selbe Richtung nachzudenken und Venezuela, der viertgrößte Erdölproduzent der Welt, stellte ebenfalls die Vorherrschaft des Dollars in Frage. Seine Regierung traf mit verschiedenen Ländern Vereinbarungen, darunter auch mit Kuba, dem roten Tuch vor der Haustüre der USA. Dazu will Russland sein Öl vorzugsweise nach Europa verkaufen und mit Euros bezahlt werden. Dem Dollar drohte also, die Kontrolle über den Erdölhandel zu verlieren und damit auch diejenige über den Weltmarkt. Wenn die USA nicht sofort reagierten, würde sich dieser ökonomische Flächenbrand weiter ausbreiten und könnte die US-Wirtschaft und deren Vormachtstellung zerstören.


Der Vorteil des Dollars


Stellen Sie sich vor: Sie sind sehr stark verschuldet, doch jeden Tag stellen Sie Schecks in Dollar aus, die Sie nicht besitzen. Sie kaufen damit ein neues Luxusauto, mieten eine Villa am Meer oder unternehmen eine Traumreise. Ihre Schecks sind eigentlich wertlos, doch Sie können trotzdem Dinge kaufen, weil die Schecks, die Sie ausstellen, nie bis zu Ihrer Bank kommen ! Sie haben die Gewissheit, dass diejenigen, die das besitzen, was alle wollen und brauchen (wie Erdöl und –gas), einzig Ihre Schecks als Zahlungsmittel akzeptieren. Es müssen also alle die Schecks von Ihnen nehmen, um Öl und Gas zu kaufen. Weil man sowieso Ihre Schecks braucht, benützt man sie auch, um andere Sachen zu kaufen. Sie stellen einen Scheck für den Kauf eines Fernsehers aus, der TV-Händler tauscht ihn gegen Erdöl, der Ölverkäufer kauft damit Obst und Gemüse, der Gemüsehändler kauft damit Brot und der Bäcker das Mehl. Der Scheck zirkuliert fortwährend, kommt aber nie bei der Bank an. In Ihrer Buchhaltung haben Sie große Schulden, aber solange Ihre Schecks nicht bis zur Bank kommen, müssen Sie auch nicht bezahlen. Sie haben also das Fernsehgerät gratis bekommen. Auf diese Art und Weise profitieren die USA seit dreißig Jahren. Während dieser ganzen Zeit wandelten sie gratis auf dem Marmorboden des Welthandels. Dafür erhielten sie dann noch enorme Subventionen aus der ganzen Welt. Und wie nach und nach die Schulden stiegen, druckten die USA neue Scheine, um weiter Handel zu treiben. Doch angenommen: Eines Tages beschließt einer der Erdölverkäufer, auch Schecks von anderen zu akzeptieren. Einige weitere Erdölproduzenten finden das eine gute Idee… Wenn dies Schule macht, werden die Leute aufhören, Ihre Schecks anzuhäufen. In dieser Situation würden Ihre Schecks sehr schnell zur Bank zurückkommen, und die Sache würde anfangen zu stinken. Doch Sie sind mächtig, hart und aggressiv. Deshalb gehen Sie unter einem Vorwand auf den Erdölverkäufer los und schlagen auf ihn ein, bis er sich Ihnen unterwirft mitsamt seinen Kollegen. Dies ist – kurz zusammengefasst – das, was die USA momentan im Irak tun.


Das Wanken der amerikanischen Wirtschaft


Die USA greifen den Irak an, weil der Euro daran war, ein Lauffeuer zu entfachen, das nicht mehr so leicht einzudämmen gewesen wäre. Wenn der Iran, Venezuela und Russland sich dem Irak angeschlossen und große Mengen von Öl in Euros umgesetzt hätten, wäre der Euro zu einer Macht aufgestiegen, die den Weltmarkt hätte aushebeln können. Die anderen Länder hätten dann ihre Dollars gegen Euros eintauschen müssen. Die Dollars, welche die USA gedruckt hatten, würden schnell nach Hause zurückkehren und damit würde auch die Illusion seines Wertes zusammenbrechen. Die reelle wirtschaftliche Situation der USA ist katastrophal: Sie sind das am höchsten verschuldete Land der Welt. Die Schulden belaufen sich auf 12.000 Dollars pro Kopf bei 280 Millionen Einwohnern, Männer, Frauen und Kindern. Diese Situation ist schlimmer als die von Indonesien vor einigen Jahren und als die von Argentinien erst kürzlich. Selbst wenn die OPEC nicht massiv auf den Euro umstellen würde, so würden sich die Probleme der USA doch weiter verschlimmern. Sogar wenn nur ein kleiner Teil des Erdölhandels in Euro abgewickelt würde, hätte dies drei unmittelbare Konsequenzen:


eine Zunahme der Attraktivität des Euros für andere europäische Staaten, die noch nicht zur Euro-Zone gehören. Der Euro würde stärker, was dazu führen würde, dass die erdölproduzierenden Länder den Euro als Tauschwert anerkennen würden und alle anderen Länder als Währung für den sonstigen Handel;


der Rückfluss der Dollars in die USA, wo die Banken diese nicht decken können;


die Überreaktion des Börsenmarktes, welche den Dollar innerhalb von kürzester Zeit in eine Spirale nach unten treiben würde.


Die Lösung der USA


Die amerikanische Antwort auf die Bedrohung durch den Euro war vorhersehbar: der Krieg. Die USA verfolgen verschiedene Ziele mit dem Krieg gegen den Irak:


– Die Bewahrung der amerikanischen Wirtschaft, indem der Irak gezwungen wird, den Erdölverkauf wieder in Dollars zu tätigen, damit die grünen Scheine wieder zum einzig gültigen Tauschmittel werden.


– Das Senden einer Botschaft an die anderen ölfördernden Länder, um ihnen klar zu machen, was ihnen zustoßen könnte, wenn sie den Dollarkreislauf verließen. Die USA haben dem Iran bereits diese Botschaft zukommen lassen, indem sie das Land in die “Achse des Bösen” einreihten – und dies zu einem Zeitpunkt, als gerade ein politisches Tauwetter die Laizität und Mäßigung förderte.


– Die Kontrolle über das zweitgrößte Erdölvorkommen der Welt.


– Den Aufbau eines stabilen, laizistischen Staates, wo die USA eine enorme Streitmacht stationieren können (womöglich mit Hilfe von Großbritannien und Australien), um den ganzen Mittleren Osten und seine Ölreserven zu beherrschen. Dies würde den USA erlauben, die Türkei, weil unzuverlässig, Israel, weil politisch unansehnlich, und Saudiarabien, die Wiege der Al-Quaida, auf der Seite zu lassen.


– Das Zurechtstutzen der EU und des Euro auf ihren bisherigen, untergeordneten Platz.


– Die Lieferung eines Vorwandes, um die demokratisch gewählte Regierung von Venezuela zu stürzen und sie durch eine USA-freundliche Junta zu ersetzen – mit dem Ziel, sich das Erdöl Venezuelas anzueignen.


– Die Wiedereinführung des Petrodollars auf der ganzen Welt und damit die Konsolidierung der politischen und militärischen Vormachtstellung der USA.


– Die Zersplitterung Europas: Mit Großbritannien hatten die USA ein leichtes Spiel, aber auch mehrere andere europäische Staaten unterstützten sie bei der Abstimmung in der UNO. Es geht ihnen um eine nachhaltige Schwächung des Euros. (…)


Die Rechtfertigung


des Krieges


Die USA können nicht einfach ohne Vorwand im Irak einfallen. Deshalb suchten sie Gründe, um ihren Angriff zu legitimieren. Diese Suche wurde um so verbissener, je mehr ein Vorwand nach dem anderen in sich zusammenfiel. Zuerst war der Irak eine Bedrohung wegen seinen angeblichen Verbindungen zu Al Quaida, danach wurde er zu einer Bedrohung für seine Nachbarn, schlussendlich sollte das irakische Volk von dem Tyrannen Saddam Hussein befreit werden. Und schließlich waren da noch die Massenvernichtungswaffen, welche die UNO-Inspektoren angeblich übersehen hatten. Die Rechtfertigungen der USA für die Invasion des Irak konnten nicht überzeugen. Die Erklärungen der USA, sie würden im Irak auch ohne die Unterstützung der UNO einmarschieren und sogar gegen deren Willen, hatten ihre Behauptung ad absurdum geführt, sie würden für die Gerechtigkeit auf der Welt handeln. (…)


Kein einziges Anzeichen von angeblichen Massenvernichtungswaffen konnte gefunden werden.


– Colin Powell zitierte ein Dorf im Norden Iraks in diesem Bedrohungsszenario. Später gab er zu, dass er sich getäuscht hatte.


– Newsweek berichtete, dass die Berater von George W. Bush laut hinausposaunten, dass ihnen der irakische Überläufer, Lt. Gen. Hussein Kamel, im Jahr 1995 anvertraut hatte, dass der Irak Tonnen von Nervengas und von Anthrax produziert hätte. Die Berater vergaßen aber zu erwähnen, dass ihnen Kamel versichert hatte, dass diese Waffenvorräte vernichtet worden waren.


– Ein Teil der amerikanischen “Beweise” und vor allem jene des britischen Geheimdienstes stammten aus der Dissertationsarbeit eines Studenten.


Die von den USA geäußerte Besorgnis über die Missachtung der Menschenrechte der irakischen Bevölkerung und über den Mangel an Demokratie im Irak passt nicht in die Logik der bisherigen US-Interventionen in anderen Ländern der Welt – weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Guatemala, der Kongo, Chile und Nicaragua sind nur einige Beispiele, wo eine US-Intervention legitime und demokratisch gewählte Regierungen stürzte, um sie durch Krieg, Chaos, Armut, Folter und Diktatur zu ersetzen – mit dem alleinigen Ziel, die wirtschaftlichen Interessen der USA zu sichern. Das jüngste Beispiel, Afghanistan, ist auch nicht glänzend: Eine Clique von kriminellen Kriegsherren wurde wieder an die Macht gebracht, welche die USA schon einmal dort installiert hatten, dann aber zu Gunsten der Taliban fallenließen, welche heute wiederum in Ungnade gefallen sind. Saddam Hussein war schon vor 15 Jahren ein korrupter und krimineller Diktator, als er Chemiewaffen, die von den USA geliefert worden waren, gegen die Kurden einsetzte. Donald Rumsfeld, der aktuelle US-Verteidigungsminister und vehemente Kriegstreiber gegen den Irak, hatte damals die Aufgabe, eine Verurteilung des Irak zu verhindern und den Iran dafür verantwortlich zu machen. Zu dieser Zeit war eben Saddam Hussein der Mann der USA und sie gebrauchten ihn gegen die Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus des Iran. Auch heutzutage gehen die USA nicht delikater vor, wie der unabhängige Journalist Robert Fisk notiert: Um die Stimme Algeriens in der UNO zu gewinnen, versprachen die USA Waffenlieferungen an die algerischen Militärs, die auf zehn Jahre Repression, Folter, Entführungen und Massaker zurückblicken können. Schätzungsweise wurden während dieser Periode in Algerien 200.000 Menschen ermordet oder verstümmelt. (…)


Indonesien hat auch eine Stimme und einen Einfluss als größte islamische Nation der Welt. Seine repressive und kriminelle Armee wird gerade unter dem Vorwand des “Krieges gegen den Terrorismus” wieder aufgerüstet. Sie bekommt dafür offizielle und verdeckte Hilfe der USA, vor allem die des Geheimdienstes.


Venezuela –


Destabilisierung einer gewählten Regierung


Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Irak konzentriert ist, unterstützen die USA sowohl offen als auch versteckt den Putschversuch der Reichen Venezuelas gegen die demokratisch gewählte Regierung von Hugo Chavez. Im April 2002 gelangten die Putschisten kurzzeitig an die Macht, mussten aber wieder weichen vor der massiven Unterstützung der armen Bevölkerungsschichten für Präsident Chavez. Die damaligen Anführer des Putsches benützen aber immer noch ihren Einfluss in den Medien und in der Industrie, dazu das Gehör der USA, um das Land zu destabilisieren und zu ruinieren. Die Erdölquellen, welche dem Staat Venezuela gehören, wären ein gefundenes Fressen für die US-Firmen und quasi eine Ölreserve im eigenen Haus. Viele Beobachter machten auf den Widerspruch aufmerksam, dass die USA einerseits – laut eigenen Angaben – dem Irak Demokratie bringen wollen und andererseits alles daransetzen, um die demokratisch legitimierte Regierung Venezuelas auszuhöhlen. Die USA gingen sogar so weit, dass sie den Putsch vom April 2002 zugaben und dazu noch vorgezogene Neuwahlen forderten, obwohl Präsident Chavez drei Wahlen und zwei Referenden gewonnen hatte und obwohl vorgezogene Wahlen nicht einmal verfassungskonform gewesen wären. Ein Element der Zermürbungstaktik der USA gegen Venezuela war das “lock out”, die Aussperrung der Arbeiter, aus den transnationalen, US-amerikanischen Unternehmen in Venezuela als Unterstützung für den nationalen Streik. Es ist klar, dass eine verdeckte Operation im Gange ist, um die Regierung Venezuelas zu stürzen. Der uruguayische Abgeordnete José Nayardi brachte dies an die Öffentlichkeit, indem er enthüllte, dass die Bush-Administration von Uruguay forderte, die höheren Kader und Gewerkschaftsführer von Venezuela in ihrer Aktion gegen die Regierung Chavez zu unterstützen. Dieses Vorgehen, so notierte der Abgeordnete, schockierte ihn zutiefst und erinnerte ihn an die Intervention des CIA in Chile im Jahr 1973, als General Pinochet die demokratische Regierung von Salvador Allende stürzte. Präsident Chavez hält sich noch mit viel Mühe an der Regierung. Wie lange wird er das noch können vor der geballten Macht der USA und der Opposition im eigenen Land?


Die Kriegskosten


Einige Analysten sagen, dass die Invasion des Irak so viele Milliarden Dollars kosten würde, dass selbst der erwartete Gewinn aus dem Erdölverkauf niemals eine solche Aktion rechtfertigen könne. Wenn diese Invasion aber im Zusammenhang mit dem Schutz der gesamten US-amerikanischen Wirtschaft – sowohl für die Gegenwart als auch für lange Frist – gesehen wird, dann fällt dieses Argument weg. Wenn wir etwas weiter schauen, dann treten drei weitere Faktoren hervor:


Erstens: Die USA werden von den anderen reichen Ländern verlangen, dass sie die Rechnung mitbezahlen, weil sie ebenfalls deren Interessen beschützen. So haben Japan und Saudiarabien nach dem ersten Golfkrieg 1991 sehr substantielle Zahlungen geleistet.


Zweitens: Der Krieg wird die USA sehr wenig kosten, auf jeden Fall nicht viel mehr als der normale Gang der Dinge. Dieser Krieg ist schon bezahlt! Alle Munition und die ganze Ausrüstung wurden schon gekauft und bezahlt. Die Ausgaben kommen später, nach dem Krieg, nämlich dann, wenn die Munition und die Ausrüstung ersetzt werden müssen. Doch dieses ganze Kriegsgerät wird sowieso immer wieder erneuert: Die Verträge sind schon unterschrieben. Einige Verträge werden einfach verlängert, andere nach oben revidiert. Doch auf mehrere Jahre verteilt, sind die Kosten nicht exzessiv. Welche zusätzliche Kosten entstehen durch eine Armee im Krieg im Vergleich zum Unterhalt einer Armee, die überall auf der Welt präsent ist und sich ständig im Manöver befindet? Sicherlich gibt es zusätzliche Kosten, aber die sind relativ bescheiden.


Drittens: Eine gewichtige Summe dieser Mehrkosten besteht aus Dollars, die außerhalb der USA zirkulieren, wobei der Kauf des Erdöls nicht gerade den kleinsten Teil ausmacht. Wie werden also die USA verfahren? Sie werden die Notenpresse anwerfen, um die Kriegsmaschinerie mit den grünen Scheinen zu versorgen. Es handelt sich dabei um den selben Prozess, wie wenn die US-Industrie Ausrüstungen, Ersatzteile oder Rohstoffe mit Dollars kauft, die ins Ausland gehen und damit den kommerziellen Vorteil der USA ausnützen.


Wie gesagt, die Kriegskosten sind nicht so hoch wie allgemein angenommen. Dagegen wäre es katastrophal für die USA, den Krieg nicht zu führen – es sei denn, sie hätten eine andere Form gefunden, die Vorherrschaft ihres grünen Scheins auf der Welt wiederherzustellen und zu zementieren.


Die beiden aktiven Verbündeten der USA


Warum unterstützen Australien und Großbritannien die USA bei ihrer Expedition? Australien hat große Reserven in US-Dollars und treibt mehrheitlich Handel in dieser Währung und vornehmlich mit den USA. Eine Schwächung des Dollars würde vielleicht die Schulden Australiens vermindern, hätte aber keinerlei Einfluss auf den Wert des australischen Dollars gegenüber den anderen Währungen. Premierminister John Howard träumt schon lange davon, mit den USA eine Handelsvereinbarung zu treffen, die Australien ermöglichen würde, auf den fahrenden Zug der Vormachtstellung des US-Dollars auf dem Weltmarkt aufzuspringen. (…) Großbritannien hat noch nicht den Euro eingeführt. Wenn die USA den Irak besetzen und den Vormarsch des Euros im Ölgeschäft stoppen, könnte Tony Blair seinen deutschen und französischen Partnern ein Schnippchen schlagen. Er hätte dann womöglich für mehrere Jahre einen Spielraum gewonnen. Großbritannien wäre damit in der Lage, bessere Bedingungen für einen Eintritt in die Eurozone herauszuholen. (…) Oder es könnte sogar die Gelegenheit beim Schopf packen, um Europa zu verlassen und sich mit den USA gegen das kontinentale Europa zu verbünden. Wenn es im Gegenteil die USA nicht fertig bringen, das Monopol des Dollars im Ölgeschäft zu behalten, würde der Euro immer stärker und Großbritannien müsste früher oder später auf die Knie fallen, um im “Euro-Club” aufgenommen zu werden.


Die Opposition


Es gibt mehrere Gründe, um sich gegen den Plan der USA zu stellen: Die USA sind schon die mächtigste Nation der Erde und dominieren den Weltmarkt durch den Dollar. Wenn sie die Kontrolle über das irakische Öl gewinnen, würde nicht nur ihre Macht gestärkt, sondern auch vervielfacht. Vor allem die arabischen, erdölproduzierenden Länder zittern vor diesem Szenario.


Frankreich und Deutschland sind die führenden Länder der EU und haben eine Vision von einem vereinigten und aufstrebenden Europa. Dieses Europa sollte den Platz einnehmen können, welcher ihm gebührt und zwar dank seiner Währung, die auf dem Weltmarkt anerkannt wäre und ihm einen Vorteil verschaffen würde ähnlich wie der Dollar den USA. Diese beiden Länder sind es, die mit dem Irak den Austausch “Euro gegen Erdöl” angefangen hatten.


Russland befindet sich nach wie vor in einem schweren, wirtschaftlichen Niedergang. Die Regierung weiß, dass sich diese Situation noch verschlimmern wird, sobald die USA – dank ihrer Kontrolle über Afghanistan – die Pipeline ausnützen werden, welche von den Ölfeldern des Kaspischen Meeres im Süden das Land durchqueren wird. Momentan wird dieses Öl noch über den Norden geleitet – durch eine Pipeline, welche Russland kontrolliert. Russland ist dabei, seine Erdölfördermengen zu erhöhen, in der Hoffnung, einen Teil für Euros zu verkaufen und den anderen Teil an die USA in Dollars. Schon jetzt ist es ein Problem für Russland, dass der Ölhandel in Dollars abgewickelt wird. Wenn die USA dann noch das irakische Öl kontrollieren, wird es zusätzlich eine Marktverzerrung geben – zum großen Nachteil von Russland. Dazu kommt, dass Russland auch Interessen hat, die das irakische Öl betreffen. Wenn die Amerikaner den Krieg gewinnen, wird Russland seine wenigen Vorteile verlieren. Russland könnte somit schon ruiniert sein, bevor auch nur ein einziger Kilometer der Pipeline durch Afghanistan gebaut ist.


Die geschilderten Szenarien legen die Schwere der Situation bloß, in der sich die USA befinden, und erklären die Zwanghaftigkeit, mit der die USA den Krieg wollen. Sie zeigen aber auch, dass eine andere Lösung als der Krieg denkbar wäre. (…) Aber ist Amerika bereit, mit den Europäern über die Aufteilung des “Weltkuchens” zu verhandeln? Dies ist wenig wahrscheinlich. (…) Was würde passieren, wenn Europa sich mehr um das Humanitäre und das Langfristige kümmern würde? (…) Europa könnte eine intelligentere Politik machen, indem es die Entwicklung von Alternativenergien vorantreibt, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu vermindern. Europa könnte in diesem Bereich Produkte herstellen, die in Euros gehandelt werden, und damit einen Teil des Weltmarkts zu seinen Gunsten verändern. (…)


* heard@surf.net.au

verfasst von Geoffrey Heard* (Melbourne, März 2003),  10.05.2003, eingestellt von ute
Thema im Archipel 105 (05/2003)