Investor Paul Singer bekämpft Argentinien

KOPF DES TAGES | ANDRÁS SZIGETVARI
22. April 2014, 19:40

Elliott erwarb 2001, kurz bevor das Land bankrottging, argentinische Staatsanleihen, jetzt will er sein Geld mitsamt Zinsen zurück

Paul Elliott Singer ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Die meisten Menschen, die seinen Namen kennen, sehen ihn als “Heuschrecke”, als kaltschnäuzigen Kapitalisten. Kein Wunder: Singer verdient sein Vermögen mit Katastrophen und Krisen. Wenn Kurse fallen und Investoren davonlaufen, schlägt er zu und kauft sich billig ein. Das Ganze ist eine Wette darauf, dass er am Ende mit Gewinn verkaufen kann.

Wer nicht zahlt, wird mit Klagen überzogen, weshalb zwischen Singer und Argentinien ein jahrelanger Rechtsstreit tobt, der diese Woche sogar vor dem US-Höchstgericht gelandet ist.

Doch der Amerikaner – das ist sein zweites Gesicht – ist auch ein vehementer Kämpfer für mehr Grundrechte. In den USA ist er einer der größten Finanziers von Kampagnen für die Schwulenehe und gilt als Mastermind hinter einem Gesetz, das seit 2011 gleichgeschlechtliche Hochzeiten in New York erlaubt.

Singer, der 1944 in einem Nest in New Jersey geboren wurde, entstammt einer jüdischen Familie. Er studierte Psychologie und Jus und gründete Ende der 1970er-Jahre in New York den nach ihm benannten Fonds Elliott. Der Fonds spezialisierte sich auf Investments in marode Unternehmen und Problemkredite. Mit der Zeit entdeckte Singer ein weiteres Standbein für seine Geschäfte: Investments in Pleitestaaten.

Daher auch der Konflikt mit Argentinien. Singer erwarb 2001, kurz bevor das Land bankrottging, argentinische Staatsanleihen. Während andere Investoren sich auf eine Teilentschuldung mit Buenos Aires verständigten und dem Land damit den Neustart ermöglichten, widersetzte sich Singer. Er will sein Geld mitsamt Zinsen zurück. Um sein Ziel zu erreichen, hat er ein argentinisches Schiff beschlagnahmen lassen, wollte an die Präsidentenmaschine herankommen und reichte dutzende Klagen ein. Gegen Peru und die Republik Kongo ging er ähnlich vor.

Singer hat sich in den vergangenen Jahren in die US-Politik eingeschaltet. Er ist Großsponsor moderater Republikaner und unterstützte Mitt Romneys Kampagne gegen Obama. Über Kreuz liegt der Mann mit seiner Partei bei Schwulenrechten, für die er sich seit dem Coming-out seines Sohnes 2009 (“ich habe danach umgedacht”) einsetzt. Singer ist geschieden und hat zwei Kinder. Er spielt leidenschaftlich Piano. Musik soll für ihn überhaupt der große Ausgleich sein. Bei einem von Romneys Auftritten tanzte er auf der Bühne gemeinsam mit der Rocklegende Meat Loaf. (András Szigetvari, DER STANDARD, 23.4.2014)

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