Japan: 150 Abgeordnete provozieren mit Schrein-Besuch

22. April 2014, 05:52
  • Zahlreiche japanische Parlamentarier besuchten den Yasukuni-Schrein in Tokio.

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    foto: reuters/yuya shino

    Zahlreiche japanische Parlamentarier besuchten den Yasukuni-Schrein in Tokio.


Abgeordnete besuchten umstrittenen Yasukuni-Schrein, in dem auch 14 Kriegsverbrechern gedacht wird – Provokation vor Obamas Besuch

Tokio – Fast 150 japanische Abgeordnete haben am Dienstag den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio besucht, in dem die Kriegstoten des Landes geehrt werden. Dies dürfte die Beziehungen zwischen den Staaten der Region erneut belasten. Der Zeitpunkt war kurz vor dem Besuch von US-Präsident Barack Obama wohl nicht zufällig gewählt.

Auch Innenminister Yoshitaka Shindo habe der Delegation angehört, berichtet Reuters. Shindo beteuerte, es handle sich um einen Privatbesuch seinerseits, er glaube deshalb nicht, dass es “irgendeine Auswirkung auf den Besuch Obamas” haben werde.

Japanisches Frühlingsfest

Erst am Montag hatte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe einen als heilig geltenden Masakaki-Baum an den Schrein gespendet. Der Yasukuni-Schrein ist umstritten, weil dort mit Japans 2,5 Millionen Kriegstoten auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Für viele Japaner ist ein Spaziergang über die von Kirschbäumen gesäumten Steinwege der Anlage allerdings eine unpolitische Tradition – vor allem während des Frühlingsfestes, das am Dienstag begann.

Chinesen und Koreaner, deren Länder von Japan im Zweiten Weltkrieg besetzt waren, sehen in dem Schrein eine Verherrlichung der dunkelsten Kapitel der japanischen Geschichte. Besuche von Mitgliedern der japanischen Regierung in dem Schrein sorgen in den Nachbarländern daher immer wieder für Empörung. Auch die Zweigspende des japanischen Ministerpräsidenten hatte für Zorn gesorgt.

Das südkoreanische Außenministerium kritisierte den Akt als Zeichen der “Verklärung des japanischen Kolonialismus und des Aggressionskrieges”. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua nannte den Vorgang eine Provokation, die die Stabilität in der Region gefährde.

Auch die mit Japan heute verbündete US-Regierung hatte sich im Dezember vergangenen Jahres “enttäuscht” gezeigt, als Abe persönlich den Schrein besuchte. Die Baum-Spende des japanischen Regierungschefs am Montag bezeichnete China als “Schlag ins Gesicht” für Obama. Im Zweiten Weltkrieg waren die USA noch Kriegsgegner Japans gewesen. (APA, Reuters, derStandard.at, 22.4.2014)