Hamdin Sabbahi, Präsidentschaftskandidat in Ägypten

KOPF DES TAGES | GUDRUN HARRER
21. April 2014, 18:06
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    foto: apa/epa/elfiqi

Alter Nasserist trifft auf “neuen Nasser”

Die Stimmen der Kinder seines Idols Nasser wird Hamdin Sabbahi, der zweite Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen Ende Mai, nicht bekommen: Hoda Gamal Abdul Nasser, die Tochter des 1970 verstorbenen ägyptischen Präsidenten und arabischen Volkshelden, forderte bereits im August 2013 General Sisi auf, die “Revolution zu vollenden”, indem er Präsident wird. Und Nasser-Sohn Abdelhakim war zwar im Mai 2012 sogar in Sabbahis Wahlkampfteam – aber da gab es eben noch keinen Sisi, den “neuen Nasser” .

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2012 wurde Sabbahi mit 21 Prozent Dritter – und war damit nicht dramatisch schwächer als Mohammed Morsi und Ahmed Shafik, die mit 25 und 24 Prozent in die Stichwahl gingen. Beim kommenden Urnengang, fast ein Jahr nach dem Sturz Morsis, ist das Kräfteverhältnis nicht so ausgeglichen. Alles andere als ein großer Abstand zwischen Abdelfattah al-Sisi und Hamdin Sabbahi wäre eine Überraschung.

Sabbahi kam vor fast 61 Jahren in bescheidenen Verhältnissen als jüngstes von elf Geschwistern in einem Dorf im Nildelta zur Welt. Sein Vater, ein Bauer, hatte von den Landreformen nach der Revolution 1952 profitiert und bewirtschaftete seinen eigenen Boden. Der Sohn besuchte ab 1975 die Universität in Kairo, wo er sich neben seinem Journalismusstudium auch schon publizistisch betätigte. Seinem Lieblingsthema widmete sich auch der von ihm gegründete Club: Abdel Gamal Nasser. In den späten 1970er-Jahren hieß das gleichzeitig Opposition zur Politik von Präsident Anwar al-Sadat: Kurz vor dessen Ermordung landete Sabbahi 1981 deswegen auch im Gefängnis, und wieder, als bereits Hosni Mubarak Präsident war.

1992 wurde die Arabische Demokratische Nasseristenpartei legalisiert, in der sich Sabbahi engagierte, bevor er 1998 seine eigene Partei, die Karama (“Würde”), gründete. Im Jahr 2000 wurde er als Unabhängiger ins Parlament gewählt. Später nahm er an der Bewegung Kefaya (“Genug”) teil und hegte auch schon erste Pläne, bei Präsidentenwahlen anzutreten.

Sabbahi kann darauf verweisen, dass er immer gegen die Muslimbrüder und gleichzeitig auch gegen das Ancien Régime war – als dessen personifizierte Wiederkehr manche Sisi sehen. Das muss einem Sabbahis politische Positionen zwar nicht unbedingt sympathisch machen, aber neben Nicht- oder Weißwählen steht nur er zur Verfügung. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, 22.4.2014)

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