Der ehemalige Radiomoderator Ken Jebsen bringt die Dinge auf den Punkt. Daher spricht er auch zu den Demonstrante der Montagsdemos, die seit einigen Wochen großen Zulauf haben. Er spricht den Menschen dort aus der Seele – deswegen hört man ihm gerne zu.

Dennoch hagelt es bösartige Kritik an den Friedensdemonstranten seitens der Massenmedien. NuoViso bat Ken Jebsen um eine kurze Stellungsnahme zu der aktuellen Diffamierungskampagne gegen ihn und die Montagsdemos.

Mehr Informationen zu KenFM: http://www.kenfm.de

Etwas einfach formuliert, aber so manches Wahlplakat ist derzeit schwächer in der Aussage.

Montagsdemo, Ukraine, Medien und ein Glaubenskrieg

Debattenbeitrag von Michael Freitag
Etwas einfach formuliert, aber so manches Wahlplakat ist derzeit schwächer in der Aussage.

Etwas einfach formuliert, aber so manches Wahlplakat ist derzeit schwächer in der Aussage.
Foto: L-IZ.de
Was derzeit rings um die diversen Montagsdemonstrationen geschrieben, debattiert und polemisiert wird, ist angesichts der aggressiven Hysterie von beiden Seiten geradezu unglaublich. Noch unglaublicher, wenn nichts berichtet wird, wie derzeit bei den Programmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Unterdessen hat auch der Spiegel Online nur eine Richtung in den spärlichen Beiträgen. Die Organisatoren seien zweifelhaft und von „antisemitischen Verschwörungstheorien“ geleitet.

 

 

Wann berichtet eigentlich ein Medium? Und woher, außer von einer Internetrecherche stammt das Wissen für die Berichte eigentlich? Die öffentlich-rechtlichen Medien argumentieren derzeit mit “fehlender Relevanz”. Die Debatte um die Montagsdemos ist damit zu einem veritablen Mediendebakel geworden. Und es riecht nach Angst.Glauben ist nicht Wissen. Glauben ist nach oben sehen und hoffen, dass etwas vorübergehen möge. Oder geschehen möge. Wissen ist hinschauen und erfahren. Derzeit glauben allerlei kluge, gebildete Menschen bei Spiegel, diversen Friedensbewegungen, attac bis zu Jutta Dithfurt und meinungsführenden Blogs wie spiegelfechter und andere, bereits alles über die Montagsdemonstrationen zu wissen. Und krachen dabei auf eine steigende Zahl von oft rechtschreibschwachen, aber bis zur Aggression überzeugten, ebenfalls glaubenden Usern im Netz, die es anders sehen. Und auf eine PR-Maschine, die kaum zu stoppen sein wird, denn das Produkt ist ein altbekanntes: Friedenswünsche und die Hoffnung auf Hilfe für eigene Ängste. Dies ist derzeit bei den Montagsdemos im Angebot, auch wenn das eine oder andere bei näherer Betrachtung deutlich versalzen oder überpfeffert ist. Doch bevor es im zweiten Teil auf diese Seite des Geschehens geht, vielleicht etwas mehr zur derzeitigen Rolle der Leitmedien.

Es riecht nach DDR, wenn sich dieses Meideverhalten und die rasche Verurteilung im Grunde mit dem der einstigen Medien – genannt Zentralorgane – vor 89 deckt. Nach wie vor gehe ich jedoch davon aus, seit dieser Zeit in einer Gesellschaft zu leben, in welcher das Argument, die Auseinandersetzung und der Disput zählt. Da passt eine Verweigerung der Debatte nicht ins Bild. Selbst wenn es sich um einen Facebook-Storm handelt und so manche Stimme im Netz gekauft scheint – niemand kann derzeit in Abrede stellen, dass sich 250 Menschen in Leipzig an einem Montag zusammenfinden, um Themen anzusprechen.

Parallel geschieht – letztlich kontraproduktiv für die eigenen Positionen – etwas gänzlich anderes als Berichterstattung durch die meisten Medien. Ist es Angst, welche einige Meinungsführer treibt, wenn sie sich in eine Ausweichhaltung begeben? Oder schlicht fehlende Ressourcen, gerade bei den privaten Medien, sich detaillierter mit diesem Phänomen, derzeit “neurechte Demos” genannt zu befassen. Ein Wegbleiben derzeit, welches den Vorwürfen der Montagsdemonstranten, es würde aus Angst vor der Wahrheit nicht berichtet, Raum gibt.

Somit stellen sich führende Medien letztlich nicht, indem sie entweder von fehlender Relevanz reden (öffentlich-rechtliche Begründung) oder eben ohne eigenen Augenschein von zweifelhaften Organisatoren in Kurzmitteilungen auf Facebook sprechen (Spiegel).

 

Das Freihandelksabkommen mit den USA und die NATO in Zeiten der Krise mit Russland werden auch hier kritisiert.

Das Freihandelksabkommen mit den USA und die NATO in Zeiten der Krise mit Russland werden auch hier kritisiert.
Foto: L-IZ.de

 

Dass es aussitzbar ist, ist jedoch eher unwahrscheinlich, egal, woher gerade die Versammlungsfreude an den Montagen kommt. Denn wenn man mal einer Montagsdemonstration in Leipzig als neutraler Beobachter beiwohnt, diverse Debatten im Netz verfolgt und sich fragt, warum es ein relativ bunter Haufen auf dem Augustusplatz ist, könnte man durchaus vermuten, dass die Zahlen auch in Leipzig steigen werden. Flyer werden jedenfalls mittlerweile für den Ostermontag bereits verteilt.Vielen Berichten, Hinweisen und Argumentationen, warum man nicht zur Montagsdemonstration gehen sollte, ist eines gemeinsam. Sie greifen scheinbar führende Köpfe heraus und erklären diese zu Antisemiten, Neurechte und Verschwörungstheoretiker. Dies schließt die Reihen der damit gleichsam angegriffenen Demonstranten. Dabei übersehen die Medien derzeit scheinbar bewusst das Aktivierungspotenzial einer Montags-Idee, wie sie so nach 89 noch nie wirklich und nie mit einer solchen medialen Begleitmelodie, wie der von KenFM und weiteren durchaus auch absurden Medien im Netz an die Unzufriedenen gerichtet wurde. Mal zur Verdeutlichung: An die Unzufriedenen, gezielt und mit klaren Handlungsoptionen und vorgetragen in einfachen Worten. Der Grundantrieb: Grundsätzliches Unverständnis für Politik, die nicht mehr erklärt und aktuell besonders für die Art und Umgang der Medien mit der Lage in der Ukraine und nun auch mit den Montagsdemos.

Zu den durchaus treibenden, melodievorgebenden Personen, welche derzeit alle vorrangig in Berlin auftreten oder die Demonstrationen im Netz flankieren, zählen mit Ken Jebsen (KenFM), Jürgen Elsässer (Compact Magazin), Andreas Popp (Wissenschaftsmanufaktur) und Lars Mährholz (Montagsdemoorganisator in Berlin) überaus bekannte und ganz sicher ausgebuffte Medienprofis (außer Mährholz offenbar), welche mehrheitlich ihren Weg am Rande des Mainstream nicht erst seit gestern gehen. Was ihre Klugheit auch gefährlich scheinen lässt. Dass auch diese Seite getreu dem Motto niemand ist nur gut, nicht ausschließlich fair spielt, aber derzeit etwas geschickter an den Start gegangen ist, wird immer deutlicher.

Die Aufforderung zum Beispiel, welche auch in Leipzig am Montag den 14. April deutlich ausgesprochen wurde, keine anderen Quellen mehr zu nutzen, als die „alternativen Medien“ ist letztlich die Taktik einer geschlossenen Sekte. Alle anderen Medien, welche werbefinanziert oder GEZ-finanziert sind, sind die Bösen, sind also per se gekauft und belügen die Leser und Zuschauer. Dumm nur, wenn nicht zuletzt beispielsweise Berichte auf der L-IZ lokal nachvollziehbar, ergo seit 10 Jahren selbst vor Ort prüfbar sind. Dann klappt diese einfache Formel auf einmal nicht mehr – auch die der Berichtsunterdrückung nicht, der Text ist nicht der erste. Hier wird seitens einiger Montagsdemonstranten also ebenso wenig das gesamte Bild akzeptiert, wie von der Gegenseite.

Und die eigenen Medien der Bewegung haben sich längst im Netz zu außerordentlicher Größe gemausert. Ken Jebsens Youtube-Channel beispielsweise hat etwa 28.500 Abonnenten, seine Topthemen wie kritische Beiträge zur Politik und „Israel“, zum Tod Osama Bin Ladens und zum 11. September haben bis zu 200.000 Zuschauer gefunden. In den Top Ten auch ein Gespräch mit dem Kabarettisten Serdar Somuncu über Integration, Kunst und Leben in Deutschland. Nicht grundlos greifen hier viele gern bei Themen zu, bei welchen in der Gesellschaft entweder Logiklücken existent sind oder schlicht manche Antworten fehlen.

 

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Gibt es "Anführer"? Vielleicht egal, aber ein führendes Mitglied der NPD-nahen Bürgerinitiative "Gohlis sagt Nein" (zum Moscheebau) tummelt sich von Beginn an auf den höchsten Stufen des Opereingangs.

Gibt es “Anführer”? Vielleicht egal, aber ein führendes Mitglied der NPD-nahen Bürgerinitiative “Gohlis sagt Nein” (zum Moscheebau) tummelt sich von Beginn an auf den höchsten Stufen des Opereingangs.
Foto: L-IZ.de

 

Zum Größen-Vergleich an dieser Stelle: Spiegel TV hat hier rund 68.000 und damit objektiv an der sonstigen Medienmacht der Hamburger und Berliner Medienmacher gemessen, zur Person Jebsen nicht den eigentlich erwartbaren Abstand bei Youtube. Dabei finanziert Jebsen seine Medienarbeit durch Zahlungen der Leser und Zuschauer. Dass dies genauso zu Überspitzungen und Dramatisierungen führen kann, wie die Reichweitenjagd bei den werbefinanzierten Medien, hinterfragen viele dabei nicht. Es gilt als das ehrlichere Prinzip. Doch auch die „Beauftragung“ rein durch Leser hat seine eigenen Tücken, die Wahrhaftigkeit des Journalismus ist damit auch noch nicht abschließend sichergestellt.Relevanz für das gesamte Thema „Montagsdemo“ ist also eigentlich für die öffentlich-rechtlichen Medien gleich mehrfach, hier aus medienpolitischer, gesellschaftlicher und sozialer Begründung gegeben, das Argument einiger Anstalten, hier keine Relevanz zu sehen, bricht damit in sich zusammen. Ein weiterer Aspekt sicher: Ist die Kompetenz überhaupt vorhanden, um das Thema zu fassen? Man erinnert sich vielleicht noch an das legendäre Interview des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit einer angereisten, führenden NPD-Kaderin in Schneeberg, welche im Umfeld der Demonstrationen zum Asylbewerberheim als „besorgte Schneebergerin“ vorgestellt wurde. Fehlt den Medien also die Kompetenz für eine klare Auseinandersetzung mit den Theorien und Aussagen der Demonstranten? Offenbar derzeit ja und eben das grenzt bei den nachweislich finanziell gut ausgestatteten Sendeanstalten schon an Arbeitsverweigerung.

Zudem wird so die Debatte nun in dieser Sache sichtlich überforderten Bloggern wie den Spiegelfechtern überlassen, die erst Vorwürfe in Richtung Montagsdemos formulieren und anschließend die Texte lieber wieder löschen. Im Fall vom Spiegelfechter, da er von Lars Mährholz deutlich für offenbar verleumderische Passagen angegriffen wurde. Dort ist es nunmehr eher ein persönlicher Konflikt, denn eine sachliche Debatte geworden.

 

Den durchaus auch vorhandenen Verschwörungstheorien der Demonstranten wird mit der fehlenden Berichterstattung nur noch mehr Nahrung gegeben, Nahrung, die die Demonstrationen neben manchen zu Recht auf diesen angesprochenen Themen wachsen lassen werden. Denn ihre Vordenker, und diese sind existent, auch wenn sie nicht selbst in Leipzig sprechen, haben gut vorgebaut – gegen Frieden ist in der Tat nichts zu sagen, gegen mehr Achtsamkeit der Umgebung gegenüber auch nicht und wer würde sich nicht darüber freuen, wenn es endlich etwas sozialer nicht nur in diesem Land zuginge. Doch dies wollen diejenigen (die da Oben) nicht, die mehr von Krieg, genmanipuliertem Essen und Unterdrückung haben.

Was die seit Jahren aktiven NGOs wie attac oder die Friedensbewegung zunehmend aufregt, werden doch hier Themen angesprochen, welchen sie seit Jahren in detaillierter und oft mühsamer Kleinarbeit nachgehen. Monsantos wachsender Anspruch auch auf den europäischen Nahrungsmittelmarkt, die immer wieder drohenden oder geführten Kriege und die in der Tat oft wenig erhellenden Ansprachen deutscher Politiker dazu. Einige der NGOs haben nun begonnen, sich von den Demonstrationen öffentlich zu distanzieren.

Unterdessen bestärkt es die Montagsdemonstranten, welche die Medien überwiegend für korrupt und gekauft halten, wenn diese weiter schweigen. Dafür filmen sie einfach ihre Ansprachen selbst (Link zum Video am Ende). Applaus und 1:0 für die Straße und vor allem Ken Jebsen als Symbolfigur, mit welcher man bei ARD, ZDF und Spiegel gerade nicht sachgerecht umgeht. Und somit selbst Verschwörungstheorien Vorschub leistet, statt den Disput offen zu führen. Stattdessen kam in dieser Woche noch die Verbindung hinzu, es handele sich hier um eine irgendwie geartete Russlandkampagne, was der Spiegel am 16. April zur Schlagzeile “Russland-Freunde aus der rechten Ecke” mit Schlagrichtung “Compact” veranlasste. Einziger Beweis im ganzen Text – das Rechtsaussenblatt “Compact” findet Putin gut, weil er ein Führer sei.

Fast ist es so, als ob man sich einfach nicht vorstellen kann, dass in Deutschland auch Menschen unzufrieden sein können?

Nicht das erste Mal, dass hier irgendwie daneben gezielt wird. Auch die klar einseitige Ukraine-Berichterstattung der Genannten hallt seit einem fast einzigartigen Interview des Medienmagazins ZAPP am 16. April mit der langjährigen Korrespondentin Gabriele Krohne-Schmalz noch nach. Darin setzt es eine Ohrfeige nach der anderen für die, bis auf wenige Ausnahmen, einseitigen Berichte der vergangenen Monate, die fehlende Ortskenntnis der Journalisten und der oberflächlichen Dauerhektik bei sinkender Bezahlung der Kollegen. Der jahrelang zunehmende Rückzug an die News-Desks in den Glastürmen zeigt sich hier durch fehlende Kollegen auf der Straße.

Schnell hingerotzte Berichtsschnipsel und ein Bild von DPA dazu und fertig ist die Weltnachricht statt Korrespondenten vor Ort und unverfälschte Bilder von den Geschehnissen. Das funktioniert nun nicht mehr, denn wie schon bei der Ukraine, welche nun vielleicht wieder zur Ruhe kommen könnte – die Kanäle sind mit den sozialen Medien nicht nur weit mehr geworden. Sie offenbaren auch den Mangel an Tiefe, auch bei der gerade laufenden Berichterstattung zu den Montagsdemonstrationen. Denn sonst würde der Aspekt, dass sich ganz sicher verquere Köpfe unter den Demonstranten befinden, nicht den gesamten Rest der sichtbar werdenden Unzufriedenheit überdecken.

Zum Artikel vom 21. April 2014 auf L-IZ.de
Montagsdemo unter der Lupe (1): Ein angeblich menschliches Geldsystem und der Zins

Video von der Montagsdemo vom 14. April 2014 in Leipzig: 

Link zu Gabriele Krone-Schmalz – Das darf nicht sein – NDR / ZAPP 16.04.2014
 www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8

Zu Spiegel Online vom 16. April 2014 
 Facebook-Spam: Russland-Freunde aus der rechten Ecke

Link zur Erklärung des Spiegel Online auf spiegelfechter
 www.spiegelfechter.com/wordpress/wp-content/uploads/2014/04/SPIEGEL-ONLINE.png

Debatte zwischen Mährholz und dem Spiegelfechter
 www.spiegelfechter.com/wordpress/129199/offener-brief-an-lars-maehrholz-initiator-der-montags-demos-2014

Jutta Dithfurt diskutiert auf Facebook
 www.facebook.com/Jutta.Ditfurth

Jutta Dithfurt bei „Kulturzeit“
 www.youtube.com/watch?v=bwZD4huP_LE

Die Pressemitteilung von attac zu den „Montagsdemos“
 www.attac.de/neuigkeiten/detailansicht/news/attac-warnt-vor-rechten-montagsdemonstrationen

Kooperation für den Frieden zu „Friedensbewegung 2014“: Wer steckt hinter ominösen Aufrufen zu Friedensdemos?
 www.koop-frieden.de/aktuelles/artikel/kooperation-fuer-den-frieden-zu-friedensbewegung-2014-wer-steckt-hinter-ominoesen-aufrufen-zu.html