Jemen

Drohnen gegen al-Kaida

Jürg Bischoff, Kairo Vor 39 Minuten
Jemen: Über Ostern wurden zahlreiche Zivilisten und Kämpfer der Kaida durch Luftangriffe getötet (Aufnahme: Provinz Baida, am 19. April).
Jemen: Über Ostern wurden zahlreiche Zivilisten und Kämpfer der Kaida durch Luftangriffe getötet (Aufnahme: Provinz Baida, am 19. April). (Bild: STRINGER / Keystone / EPA)

In Südjemen sind über das Osterwochenende über fünfzig angebliche Kämpfer der Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), aber auch einige Zivilisten bei Luftangriffen getötet worden. Der erste Schlag wurde am Samstag in der Provinz Baida von einer amerikanischen Drohne ausgeführt und galt zwei Fahrzeugen, von denen eines laut Augenzeugen mit Zivilisten besetzt war. Je nach Quelle sollen bei dem Angriff zwischen zehn und fünfzehn Kaida-Kämpfer und zwischen drei und acht Zivilisten getötet worden sein.

Umstrittene Drohnen

Am Sonntag griff eine Drohne ein Ausbildungslager der Kaida in Abian an und tötete laut lokalen Quellen zwischen 25 und 31 Kämpfer. In der Nacht auf Montag schliesslich wurden bei einem weiteren Angriff in Shabwa drei oder vier Personen getötet, angeblich ebenfalls Mitglieder der Aqap. Nach diesem Schlag hat laut Einheimischen ein Militärhelikopter die Leichen der Opfer evakuiert, was zu Spekulationen führte, dass unter ihnen prominente Anführer der Gruppe waren.

Die USA führen seit Jahren einen verdeckten Krieg mittels Drohnenangriffen gegen al-Kaida, nicht nur in Jemen, sondern auch in Pakistan und Somalia. Weil den aus fernbedienten Maschinen abgefeuerten Raketen immer wieder Zivilisten zum Opfer fallen, ist die Kampagne in Amerika umstritten und befeuert vor Ort den Amerikahass. Der jemenitische Präsident hat die Angriffe mehrmals gerechtfertigt, während das – machtlose – jemenitische Parlament sie verboten hat. Seit im letzten Dezember in Jemen bei einem Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft über ein Dutzend Zivilisten ums Leben kamen, hat Washington laut einem Bericht der «New York Times» dem Militär, beziehungsweise dessen Joint Special Operations Command, Drohnenangriffe untersagt. Seither sollen die Drohnenangriffe nur von der CIA ausgeführt werden, die nahe der saudisch-jemenitischen Grenze dafür eine geheime Basis unterhält. Zu einzelnen Schlägen geben die Amerikaner keine Kommentare ab. Die plötzliche Häufung der Angriffe und die grosse Opferzahl lassen darauf schliessen, dass die Regierung in Sanaa und die Amerikaner besorgt über die zunehmende Selbstsicherheit der Kaida in Jemen sind.

Aufruf zum Kampf

Im Sommer 2012 waren die Kaida-Kämpfer von jemenitischen Truppen mit amerikanischer Unterstützung aus der Provinz Abian, die sie während fast eines Jahres beherrscht hatten, in die Berge vertrieben worden. Sie haben sich dort neu gruppiert und, wie mehrere Angriffe in der Hauptstadt beweisen, ihren Zugriff auf weitere Regionen ausgeweitet. Nach der spektakulären Befreiung von Militanten aus dem Gefängnis von Sanaa im Februar verbreitete Aqap kürzlich ein Video von einem Fest, in dem die Aktion gefeiert wurde. Der Chef der jemenitischen Kaida, Nasir al-Wuhaishi, ruft darin zur Weiterführung des Kampfs gegen die «Kreuzfahrer», die «Anführer des Unglaubens» und Amerika, den «Fahnenträger des Kreuzes», auf.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/drohnen-gegen-al-kaida-1.18287761