Zwischenstopp am Mahnmal für die Opfer des Faschismus: Der zweijährige Merlin aus Kassel mit einer Friedensfahne in der Hand. Foto: Malmus

Zulauf durch Ukraine-Konflikt

700 Menschen nahmen am Montag in Kassel am Ostermarsch teil0

Kassel. 700 Menschen, 300 mehr als im vergangenen Jahr, gingen am Montagvormittag in Kassel auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren. Der Konflikt in der Ukraine und die Angst vor einem Bürgerkrieg könnten für die wachsende Beteiligung am diesjährigen Ostermarsch gesorgt haben.

Die 80 Ostermärsche, die in Deutschland in diesem Jahr stattgefunden haben, kämen gerade recht, um ein deutliches Signal „unseres Friedenswillens an die Bundesregierung und alle Konfliktparteien“ zu senden, sagte Anne Rieger aus Graz, Hauptrednerin bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus.

Die Gewerkschaftsfunktionärin (IG Metall), die auch dem Bundesausschuss Friedensratschlag angehört, warf in ihrer Rede den Herrschenden in den USA, der EU und „Teilen des deutschen Großkapitals“ vor, dass ihre Sorge nicht den Menschen in der Ukraine gelte. Das Volk sei den wirtschaftlichen und politischen Eliten völlig gleichgültig. Vielmehr gehe es um „geostrategische Einflusszonen, den Zugang zu Erdöl, zu Rohstoffen und billigen Arbeitskräften“.

Schelte ging auch in Richtung der Medien. Den Menschen solle eingeredet werden, dass Russlands Präsident Wladimir Putin ein „böser Zar“ und mit Hitler zu vergleichen sei. Natürlich wüssten alle, dass Putin kapitalistische Interessen in der Ukraine habe, ebenso wie die Regierungschefs der USA, der EU und Deutschlands. Putin deshalb aber einen Faschisten zu nennen, entbehre jeglicher Grundlage, sagte Rieger.

An zwei Stellen, am Bebelplatz (Vorderer Westen) und am Halitplatz (Nordstadt), hatten sich die Friedensaktivisten am Vormittag getroffen und waren in zwei Zügen zum Rathaus marschiert. Zwischenstopps gab es am Mahnmal „Die Rampe“ an der Moritzstraße und am Mahnmal auf dem Weinberg.

Fotos vom Ostermarsch

In der Nordstadt gedachte Renate Müller (IG Metall) auch Halit Yozgat, dem Kasseler Mordopfers des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Auf dem Weinberg erinnerte Rolf Wekeck (Friedensforum) an die Kasseler Kommunistin Paula Lohagen, die vermutlich im Jahr 1942 im Konzentrationslager Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet worden ist.

Wekeck hat ein Buch über Frauen und Männer des Widerstands im Nationalsozialismus geschrieben, nach denen in Kassel ein Platz oder eine Straße benannt worden ist beziehungsweise an die ein Stolperstein erinnert.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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