Die Streiks in China und unsere westliche Doppelmoral

“China verletzt die Menschenrechte, zerstört die Umwelt, zahlt Billiglöhne. Und wir? Wir profitieren davon und schimpfen!
Addidas und Puma lassen in China produzieren! Für Billiglöhne und mit schlechten Arbeitsbedingungen. Die Firma ist keine Festlandchinesische, sondern gehört Leuten aus dem zum westlichen Bündnis gehörenden Taiwan.
Und wir: Wir kaufen die Sportschuhe zu Preisen, die nur möglich sind aufgrund der Spottlöhne. Die deutschen Unternehmen machen gute Profite und auch die Deutschen, die Anteile an ihnen halten und de Banken, die bei ihnen investiert sind.
Und wenn die chinesischen Arbeiter jetzt höhere Löhne durchsetzen sollten, dann gehen unsere Unternehmen eben nach Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch und zeigen den Chinesen, was eine globale Marktwirtschaft ist: Ihr habt keine Chance gegen unsere freien Investitionsentscheidungen und könnt nicht entkommen, für uns zu Hungerlöhnen zu arbeiten, denn wir haben die Kaufkraft in unseren Ländern!
Nicht anders ist es mit unserem Verhältnis zu den Muslimen. Fast alle tragen wir T-Shirts, produziert von jungen Musliminnen in Bangladesch; sie arbeiten für Tageslöhne von 50 Cent am Tag. Wir lästern über die Frauenunterdrückung der Musliminnen, – und unsere Firmen nutzen das, um sie für Billigstlöhne arbeiten zu lassen – und wir haben die “Geiz-ist-Geil-Preise!”.
Es gab mal die Idee einer internationale Arbeiter- und Menschenrechtsbewegung, die es ablehnte, so auf Kosten anderer Völker zu leben. Davon sind wir im Westen aber mit unserer heuchlerischen Doppelmoral weit entfernt.
Mal sehen, ob unsere Gewerkschaften und wir Konsumenten die streikenden Arbeiter unterstützen oder die Streiks nicht vor allem als Bedrohung unseres Lebensstandards, unserer Arbeitsplätze und der Gewinn- und Zinseinnahmen sehen.
Wir haben das Recht, die Richtung zu ändern und das einzufordern, was die Staaten 1948 mit der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschlossen haben: Weltweit haben alle das gleiche Recht auf menschenwürdige Arbeit zu Löhnen, von denen sie menschenwürdig leben können. Wäre das so, wird sich tatsächlich im privilegierten Teil der Erde, in dem 20 Prozent der Weltbevölkerung leben, vieles ändern. Aber es wäre fair und gerecht und nicht nur menschlich, sondern eine Basis für Frieden. Das sollte es uns wert sein! Denn diese ungerechte Welt kann man nur nach der Methode von der Leyen verteidigen: Mit Militärinterventionen weltweit, denn die Menschen werden das auf Dauer nicht Hinnehmen.
Ich halte es mit Karl Marx: Arbeiter aller Länder vereinigt Euch und setzt faire internationale Beziehungen durch!

Wolfgang Lieberknecht, Initiative: Wir wollen keinen Krieg