Saudiarabien

Entlassung des Geheimdienstchefs

Jürg Bischoff, Beirut Vor 36 Minuten
Die Entlassung von Prinz Bandar deutet auf eine Korrektur der saudischen Politik gegenüber Syrien hin.
Die Entlassung von Prinz Bandar deutet auf eine Korrektur der saudischen Politik gegenüber Syrien hin. (Bild: Keystone / ap)
Unter der Ägide von Prinz Bandar haben Jihadisten die Führung des Aufstands in Syrien übernommen. Riad sieht dies zunehmend als Bedrohung.

König Abdallah von Saudiarabien hat Prinz Bandar bin Sultan auf dessen Wunsch hin von seinem Posten als Chef der saudischen Nachrichtendienste enthoben, wie am Dienstag in Riad bekanntgegeben wurde. Interimistisch wurde General Yussef al-Idrisi zum Nachfolger ernannt.

Schillernde Persönlichkeit

Wie bei personellen Entscheidungen in Riad üblich, wurden für Bandars Entlassung keine Gründe genannt, entsprechend heftig wird darüber spekuliert. Bandar bleibt offenbar auch Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats des Königreichs. Während seiner 22 Jahre als saudischer Botschafter in den USA ist Prinz Bandar zu einer der prominentesten und schillerndsten Persönlichkeiten der saudischen Politik geworden. Seine Kompetenzen und seine guten Verbindungen machten aus ihm einen äusserst einflussreichen Vertreter saudischer Interessen in Washington. Mit der Familie Bush hatte Bandar ein besonders enges Verhältnis; Bush junior soll ihn 2003 noch vor Aussenminister Powell über die Entscheidung zum Angriff auf den Irak informiert haben.

König Abdallah ernannte Bandar 2005 zum Generalsekretär des neugeschaffenen Sicherheitsrats. In den Jahren 2009 und 2010 verschwand Bandar aus der Öffentlichkeit, was zu Spekulationen führte, er sei in Ungnade gefallen und entmachtet worden. Bandars Ernennung zum Geheimdienstchef im Juli 2012 wiederum wurde dem Willen des Königs zugeschrieben, entschlossener auf die Bedrohungen zu reagieren, welchen sich das Königreich mit der eskalierenden Unrast in der arabischen Welt gegenübersah.

In Syrien gescheitert

Die Vertreibung Mursis und der Muslimbrüder von der Macht in Ägypten wurde von den Kommentatoren denn auch als erster Erfolg von Bandars Ränken gesehen. In Syrien hingegen ist der Prinz gescheitert. Er hat es weder geschafft, die Amerikaner zum militärischen Eingreifen zugunsten der Rebellen zu bewegen, noch hat er die Russen dazu gebracht, Asad fallenzulassen.

In einem geheimen Treffen im Sommer 2012 versuchte Bandar laut Berichten in arabischen Medien, Putin mit lukrativen Waffenkäufen auf seine Seite zu locken. Indirekt soll er dem russischen Präsidenten aber auch mit Anschlägen islamistischer Extremisten auf die olympischen Baustellen in Sotschi gedroht haben. Putin war wohl nicht erfreut.

Bandar ist es zwar gelungen, den Katarern und Türken die Kontrolle über das syrische Oppositionsbündnis zu entreissen. Da die Exil-Oppositionellen aber heillos zerstritten sind und über die Rebellengruppen keinen Einfluss haben, hat ihm dies nichts gebracht. Bandar hat weder verhindert, dass der Streit zwischen den Rebellen zum bewaffneten Konflikt eskalierte, noch dass die Jihadisten die Führung im Aufstand gegen Asad übernahmen. Die Amerikaner warnen die Saudi schon seit geraumer Zeit vor dieser beunruhigenden Entwicklung. Bandars Entlassung ist wohl ein Hinweis darauf, dass auch in Riad die Angst vor den Extremisten die Feindschaft gegenüber Asad zunehmend verdrängt.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/entlassung-des-geheimdienstchefs-1.18285876