Japanischer Innenminister besucht umstrittenen Yasukuni-Schrein

12. April 2014, 09:42

Nachbarländer sehen in Gedenkort Symbol für früheren Militarismus

Tokio – Erneut hat ein japanisches Regierungsmitglied den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio besucht. Innen- und Kommunikationsminister Yoshitaka Shindo habe am Samstag den vor allen bei den Nachbarstaaten umstrittenen Gedenkort aufgesucht, berichteten die japanischen Medien.

In dem Schrein wird der 2,5 Millionen japanischen Todesopfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Chinesen und Koreaner sehen in ihm eine Verherrlichung der dunkelsten Kapitel der japanischen Geschichte, weil dort auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Besuche von Mitgliedern der Regierung in dem Schrein sorgen immer wieder für Empörung bei den Nachbarländern.

Inmitten von Territorialstreitigkeiten mit China und Südkorea hatte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe am 26. Dezember den Schrein besucht – genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt. Die Entscheidung stieß damals auf scharfe Kritik in Peking und Seoul, Washington zeigte sich ebenfalls “enttäuscht” von dem Schritt. Innenminister Shindo suchte den Schrein seit seinem Amtsantritt wiederholt auf.

Japan hatte während des Zweiten Weltkriegs die koreanische Halbinsel, große Teile Chinas sowie mehrere Länder Südostasiens besetzt. Der Krieg ging erst am 15. August 1945 mit der Kapitulation Japans zu Ende, nachdem die USA zwei Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten. Kritiker werfen den Japanern seit langem vor, ihre Vergangenheit nie kritisch aufgearbeitet zu haben. (APA, 12.4.2014)

http://derstandard.at/1395365058285/Japanischer-Innenminister-besucht-umstrittenen-Yasukuni-Schrein

File:Chinese killed by Japanese Army in a ditch, Hsuchow.jpg

HsuchowChina, 1938. Ein Graben mit Leichen chinesischer Zivilisten, getötet von japanischen Soldaten[1]

Kriegsverbrechen der japanischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg

HsuchowChina, 1938. Ein Graben mit Leichen chinesischer Zivilisten, getötet von japanischen Soldaten[1]

Von japanischen Streitkräften wurden während des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Kriegsverbrechen in China, dem pazifischen Raum, Südostasien und dem indonesischen Archipel verübt. Dabei wurden Millionen von Zivilisten und Kriegsgefangenen gezielt ermordet.[2][3][4][5][6] Diese Kriegsverbrechen sind auch bekannt als „Asiatischer Holocaust“[7] und fanden etwa zur gleichen Zeit wie die Verbrechen des Nationalsozialismus in Europa statt.

Manchmal werden auch japanische Kriegsverbrechen hinzugezählt, die im Zuge der Besetzung der Mandschurei seit 1931 sowie der Eingliederung Koreas vor dem Zweiten Weltkrieg begangen wurden.

 

 

Einleitung[Bearbeiten]

Das Kaiserreich Japan war Anfang des 20. Jahrhunderts die einzige Industrienation Asiens und spielte im Vergleich zu seinem Nachbarn China eine große Rolle in der Weltpolitik. So war man 1905 aus dem Russisch-Japanischen Krieg siegreich hervorgegangen und kämpfte sowohl im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente Cordiale mit, als auch im Russischen Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen Armee. Dabei verlor die Kaiserliche Armee (wie schon seit über hundert Jahren) kein einziges bedeutendes Gefecht. Das daraus resultierende Überlegenheitsgefühl vermischte sich zusammen mit Japans wachsendem Bedarf an Rohstoffen zu einem zunehmenden Nationalismus. Durch vorangegangene Kriege und Konflikte (unter anderem mit China) war es dem Kaiserreich schon gelungen, sich bedeutende Gebiete einzuverleiben (Taiwan, Süd-SachalinKorea). Beim Friedensvertrag von Versailles hatte man große Teile der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguineazugesprochen bekommen.

Am 18. September 1931 verübten japanische Offiziere einen Sprengstoffanschlag auf die Mukden-Eisenbahn in der Mandschurei (siehe Mukden-Zwischenfall). Für den Anschlag wurden Chinesen verantwortlich gemacht, und er diente als Vorwand, um zusätzlich zu den bereits im Nordosten Chinas stehenden japanischen Truppen endgültig in die Mandschurei einzumarschieren. Zu dieser Zeit kam es zu ersten Kriegsverbrechen (Massaker von Pingdingshan).

Die Verbrechen geschahen aus unterschiedlichen Motiven und fanden oft auf Anweisung des Regimes des japanischen Kaiserreichs statt oder wurden von Soldaten der Kaiserlich Japanischen Armee vor Ort verübt. Bei japanischen Einmärschen in sich ergebende Städte kam es zu großen Massakern wie 1937 bei Nanking (Massaker von Nanjing) oder im Verlauf von Kämpfen wie 1945 in Manila auf Anweisung aus Tokio. In anderen Fällen wurden gezielt ethnische Gruppen das Ziel von Massenmorden, wie die Chinesen der Malayischen Halbinsel Sook-Ching-Massaker, oder es wurden bei der Partisanenbekämpfung ganze Landstriche präventiv entvölkert. Nach dem ersten amerikanischen Luftangriff auf Japan, dem Doolittle Raid, stürzten einige der Piloten über einem von der Kaiserlich Japanischen Armeebesetzten Teil Chinas ab und wurden von der Bevölkerung versteckt. Daraufhin setzten die japanische Luftwaffe und Sondereinheiten der Armee als Vergeltungsaktion biologische Kampfstoffe in den Provinzen Zhejiang und Jiangxi ein. Dabei wurden Schätzungen zufolge 250.000 Zivilisten getötet.[8][9] Anderen Quellen zufolge wurden bei der Such- und Vergeltungsaktion über eine Million Zivilisten getötet.[10] Außerdem starben Millionen Menschen in Zwangsarbeitslagernund bei – durch das japanische Besatzungssystem verursachten – Hungerkatastrophen (vor allem in Indonesien und Indochina).[11]

Weiterhin wurden von japanischen Armeeeinheiten (beispielsweise der Einheit 731) zahlreiche Menschenversuche durchgeführt, unter anderem die Erprobung vonbiologischen und chemischen Waffen an lebenden Menschen. Andere dieser Verbrechen waren rassistisch motiviert wie das Sook-Ching-Massaker. Dies hing damit zusammen, dass in der Meji-Zeit in Japan die Vorstellung entstanden war, dass die eigene „Rasse“ höherwertig war als alle anderen. Die anderen asiatischen Völkerwurden als minderwertig (unter dem eigenen stehend) und nur dem Nutzen dienend empfunden.

Geschichtliche Hypotheken überschatten bis heute das japanisch-chinesische Verhältnis: Bronze im Nanjing Massacre Museum

Definitionen[Bearbeiten]

Es gibt von Land zu Land Unterschiede hinsichtlich der Definition der japanischen Kriegsverbrechen. Kriegsverbrechen können weitgehend durch die Charta von Nürnberg als „Verstöße gegen die Gesetze oder Gebräuche des Krieges” definiert werden, die durch ein gewissenloses Verhalten von einer Regierung oder von militärischen Streitkräften, gegen feindliche Zivilpersonen oder feindliche Kombattanten hervorgerufen wurden.[12] Für die Durchführung einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten und Kriegsgefangenen in ganz Ostasien und der westlichen Pazifikregion wurde militärisches Personal des Kaiserreichs Japan vor Gericht verurteilt. Diese Ereignisse erreichten ihren Höhepunkt während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges von 1937 bis 1945 und der asiatischen und pazifischen Aktionen des Zweiten Weltkriegs (1941–1945).

In Japan selbst werden die einzelnen Ereignisse oder auch Einzelheiten von Kriegsverbrechen oft von japanischen Nationalisten wie Tsukurukai (Society for History Textbook Reform) bestritten. Solche Organisationen und ihre Aktivitäten sind Gegenstand von Kontroversen des historischen Revisionismus,[13] insbesondere im „Schulbuchstreit“.

Internationales Recht[Bearbeiten]

Obwohl das Kaiserreich Japan die Genfer Konventionen, die seit 1864 die Standard-Definition von Kriegsverbrechen festlegen, nicht unterzeichnet hat, ist es dennoch bezüglich der Kriegsverbrechen an internationales und japanisches Recht gebunden. Viele der Verbrechen, die von den kaiserlichen Streitkräften begangen wurden, waren auch nach dem japanischen Code-Kriegsrecht strafbar, das aber von den japanischen Behörden entweder ignoriert oder nicht durchgesetzt wurde.[14] Das Kaiserreich Japan verstieß auch gegen Bestimmungen des Vertrags von Versailles wie Artikel 171, der den Einsatz von Giftgas (chemische Waffen) verbietet. Desgleichen wurden andere internationale Vereinbarungen wie die Haager Konventionen von 1899 und 1907, die den Schutz von Kriegsgefangenen enthält und auch von Japan unterzeichnet wurde, missachtet.[15] Nach Ansicht des Historikers Akira Fujiwara ratifizierte am 5. August 1937 derjapanische Kaiser Hirohito persönlich die Haager Konventionen von 1899 und 1907, wobei er von seinem Generalstabschef des Heeres Prinz Kanin einen Satz über die Behandlung von chinesischen Gefangenen entfernen ließ, um die Einschränkung dieses Übereinkommens zu umgehen.[16]

Internationale Verträge Japans[Bearbeiten]

In Japan bezieht sich der Begriff „japanische Kriegsverbrechen“ in der Regel auf Fälle, die gegen Verantwortliche der japanischen Kaiserlichen Armee durch das Internationale Militärtribunal für den Fernen Osten, auch als Tokioter Prozesse bekannt, nach dem Ende des Pazifischen Krieges angeklagt und verurteilt wurden. Gegen Kriegsverbrechen, die von Offizieren, sowie von Unteroffizieren oder Soldaten, gemäß der B- und C-Klassifizierung von Kriegsverbrechen verübt wurden, erhoben die Tokioter Prozesse keine Anschuldigungen. Diese Verfahren wurden im ganzen asiatischen Raum vor den Kriegsgerichten oder militärischen Kommissionen getrennt behandelt.[17][18]

Die japanische Regierung vertritt den Standpunkt, dass Japan nicht zu den Unterzeichnerstaaten der Genfer Konventionen gehört und somit nicht gegen dasVölkerrecht verstoßen habe. Ferner vertritt sie die Auffassung, dass die alliierten Staaten bei Handlungen gegen japanische Zivilisten und Kriegsgefangene, einschließlich der Internierung ethnischer Japaner sowie der Bombardierung von Tokio und den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki, nicht gegen die Genfer Konvention verstoßen haben.

Die japanische Regierung hat im April 1929 den Kellogg-Briand-Pakt unterzeichnet, in dem insbesondere der aus nationalen Interessen geführte Angriffskrieg für völkerrechtswidrig erklärt wurde. Daraus resultierte, dass Japan wegen seiner Aktionen von 1937 bis 1945 wegen “Verbrechen gegen den Frieden“ angeklagt wurde.[19] Dieser Anklagepunkt wurde bei den Tokioter Prozessen eingeführt, um die Verfolgung der sogenannten „A-Klasse-Kriegsverbrecher“, denen allesamt Verbrechen gegen den Frieden vorgeworfen wurden, zu ermöglichen.[20] Die Unterteilung in A-, B- und C-Klasse-Kriegsverbrecher geht auf das Londoner Abkommen der Alliierten vom August 1945 zurück. Als Kriegsverbrecher der A-Klasse wurden die sogenannten Hauptkriegsverbrecher, die politisch-militärische Führungsriege Japans, klassifiziert, die allesamt wegen „Verbrechen gegen den Frieden” vor einem international besetzten Tribunal angeklagt werden sollten. B- und C-Klasse-Kriegsverbrecher hingegen wurden in der Regel wegen herkömmlicher Kriegsverbrechen (Mord, Vergewaltigung und Misshandlung von Kriegsgefangenen oder Nichtkombattanten sowie anderer Verstöße gegen die Haager Landkriegsordnung, das Kriegsgewohnheitsrecht und Ähnliches) vor konventionellen Militärgerichten der Alliierten beziehungsweise der asiatischen Staaten, die Schauplatz der jeweiligen Verbrechen waren, angeklagt.[20] Von der japanischen Regierung sind jedoch keine Verurteilungen wegen solcher Verbrechen anerkannt worden, da der Kellogg-Briand-Pakt keine Vollstreckungstitel-Klausel enthält, die Strafen im Falle einer Vertragsverletzung vorsieht.

Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der japanischen Streitkräfte am 2. September 1945 akzeptierte die japanische Regierung die Bedingungen der Potsdamer Erklärung vom 26. Juli 1945. Daraus resultiert gemäß Artikel 10 der Erklärung, dass die japanische Nation weder zerstört noch das japanische Volk versklavt wird, doch würden Kriegsverbrecher hart bestraft. Die Demokratie und Menschenrechte müssten in Japan eingeführt werden.

Japanisches Recht[Bearbeiten]

Japan hatte den Asiatisch-Pazifischen Krieg (1931–1945) in Ost- und später in Südostasien als einen totalen Krieg weitgehend ohne Rücksicht auf die internationalen Normen des Kriegsrechts geführt. Die militärische Auseinandersetzung mit China wurde dabei von beiden Seiten ohne formale Kriegserklärung geführt, was sowohl die japanische Bezeichnung für den Konflikt ab 1937 als „Chinesischer Zwischenfall” in bewusster Abgrenzung zu einem Krieg mit seinen völkerrechtlichen Implikationen verdeutlichte als auch formaljuristisch eine Nichtanwendung des Kriegsvölkerrechts, gemäß Haager Abkommen und Genfer Konvention legitimierte.[21]

Verfolgt wurden Kriegsverbrechen – zumal selektiv – lediglich in der ersten Phase der Besatzungszeit. Dies führte zu dem Tokioter Prozess gegen die Kriegsverbrecher der Kategorie A, der von 1946 bis 1948 geführt wurde.[22] Die juristische Aufarbeitung wurde dabei von politisch-strategischen Überlegungen insbesondere der führenden Besatzungsmacht USA dominiert. Mit dem eskalierenden Kalten Krieg und dem „Gegenkurs”, dessen langfristiges Ziel die Einbeziehung des ehemaligen Kriegsgegners Japan in das westliche Lager war, verflog das Interesse der US-Amerikaner, japanische Kriegsverbrechen weiter zu thematisieren oder gar zu verfolgen. Entsprechend wurden 1948 nach den Urteilssprüchen des Internationalen Militärtribunals für den Fernen Osten auch keine Folgeprozesse, die ursprünglich analog zu Nürnberg geplant waren, anberaumt. Die für diese Folgeprozesse bereits inhaftierten Verdächtigen wurden ohne Gerichtsverfahren entlassen.[22] Da das japanische Strafrecht keinen Tatbestand des Kriegsverbrechens enthielt, leiteten die japanischen Justizbehörden auch nach der Rückgewinnung der vollen staatlichen Souveränität mit dem Friedensvertrag von San Francisco im Jahre 1952 keine Strafverfolgung gegen Kriegsverbrecher ein. Gleichwohl erkannte Japan, gemäß dem 11. Artikel des Friedensvertrags von San Francisco, die Urteilssprüche der Tokioter Prozesse an.[23] Mit dem Ende der Besatzungszeit wurde die Rehabilitierung der hingerichteten Kriegsverbrecher durch den japanischen Staat auch formaljuristisch besiegelt – die Behörden erkennen sie seitdem, rechtlich abgesichert durch das „Gesetz zur finanziellen Unterstützung für Hinterbliebene und Kriegsversehrte”, als „im öffentlichen Dienst“ gestorbene Personen an.[24]

Der ehemalige japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Position befürwortet, dass Japan das Tokio-Tribunal und seine Urteile als Bedingung für das Ende des Krieges annahm, aber dass seine Urteilssprüche keine Relation zum inländischen Recht haben. Entsprechend dieser Ansicht sind diejenigen, die der Kriegsverbrechen überführt werden, nicht Verbrecher unter japanischem Gesetz. Nach der Ansicht von Shinzo Abe standen sie wegen Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit vor einem Gericht, das nach einem Konzept verurteilte, das von den Alliierten erst nach dem Krieg erstellt wurde und nicht im Gesetz verankert ist.[25]

Historische und geographische Ausdehnung[Bearbeiten]

Außerhalb Japans nutzen die unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedliche Zeiträume bei der Festlegung der japanischen Kriegsverbrechen. Beispielsweise wurde die Annexion Koreas durch Japan im Jahre 1910 durch die Beraubung der bürgerlichen Freiheiten und Ausbeutung gegen das koreanische Volk als Kriegsverbrechen gewertet. Die Auflösung der Unabhängigkeitsbewegung vom ersten März im Jahre 1919 unter Anwendung von Gewalt oder die Ermordung von Königin Myeongseong, die per Attentat von der Gen’yōsha verübt wurde, da die Kaiserin an den Versuchen beteiligt war, den japanischen Einfluss in Korea zu reduzieren[26], gelten in Nord- und Südkorea als Kriegsverbrechen.[27] Im Vergleich dazu haben die Vereinigten Staaten erst ab 1941 in einem militärischen Konflikt mit Japan gestanden, sodass in den USA erst der Zeitraum 1941–1945 für die japanischen Kriegsverbrechen betrachtet werden.

Ein erschwerender Faktor für die internationale Definition von japanische Kriegsverbrechen ist, dass nur eine Minderheit der Bevölkerung der von den Japanern eroberten asiatischen und pazifischen Länder mit der Besatzungsmacht kooperiert hat. Sie diente für eine Vielzahl von Gründen, wie etwa wirtschaftliche Not, Zwang oder Antipathie zu anderen imperialistischen Mächten, sogar in den japanischen Streitkräften. Viele Koreaner dienten in den kaiserlichen Streitkräften. In der Formosa-Armee, die Teil der kaiserlichen japanischen Armee war, wurden die auf Formosa lebenden ethnischen Chinesen rekrutiert. Die Indian National Army unterSubhas Chandra Bose ist vielleicht das bekannteste Beispiel für eine Bewegung gegen den europäischen Imperialismus, der während des Zweiten Weltkriegs gegründet wurde, um das japanische Militär zu unterstützen.[28] Herausragende Einzelpositionen von Nationalisten in anderen Ländern sind der spätere indonesische Präsident Suharto, der auch in den japanischen kaiserlichen Truppen diente[29] oder der birmanische nationalistischen Führer Aung San, der zunächst einseitig mit den Japanern zusammen die Burma National Army bildete und sich im Frühjahr 1945 gegen die Japaner wandte.[30] In einigen Fällen waren auch Koreaner für Kriegsverbrechen verantwortlich, die von dem Kaiserreich Japan begangen wurden. Sie waren als Kommandeure und Wachen in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt. Der niederländische Tribunalrichter und Gelehrte B.V.A. Roling stellte in den Tokioter Studien fest, dass die „koreanischen Wachen weitaus grausamer als die Japaner waren“.[31] Aus politischen Gründen wurden viele Kriegsverbrechen, die durch Nicht-Japaner begangen wurden, die in den kaiserlichen Streitkräften gedient hatten, nicht untersucht oder nach 1945 verfolgt. In Südkorea wird behauptet, dass solche Kriegsverbrecher ihren Reichtum durch die Teilnahme an ausbeuterischen Aktivitäten mit dem japanischen Militär erwarben und dass ehemalige Mitarbeiter einige „japanische Kriegsverbrechen” vertuscht haben, um der eigenen Strafverfolgung zu entgehen.

Es wurde argumentiert, dass die Handlungen gegen Menschen, die der japanischen Souveränität unterliegen, nicht als „Kriegsverbrechen” berücksichtigt werden können. Die Frage der japanischen De-jure-Souveränität über Länder wie Korea und Formosa in den Jahren vor 1945, ist eine Frage der Kontroverse. Durch denVertrag von Shimonoseki vom 17. April 1895, der insbesondere die Abtretung Taiwans, der Pescadores-Inseln sowie der Halbinsel Liaodong in der Mandschurei an Japan vorsah, sowie den Japan-Korea-Annexionsvertrag vom 22. August 1910, wurde die japanische Kontrolle über diese Gebiete akzeptiert und international anerkannt.[32]

Die Rechtmäßigkeit des Japan-Korea-Annexionsvertrags wird heute in Nord- und Südkorea bestritten, da dieser Vertrag aus deren Sicht nicht aus freiem Willen unterzeichnet wurde.[33]

Es gibt Behauptungen, dass Kriegsverbrechen auch noch begangen wurden, nachdem das Kaiserreich Japan offiziell am 14. August 1945 kapitulierte. Gemäß der Aussage von Captain Hoshijima Susumi wurden alliierte Kriegsgefangene, welche die Todesmärsche von Sandakan (Nord-Borneo) überlebten, noch zwei Wochen, nachdem der Kaiser die Kapitulationsurkunde unterzeichnet hatte, getötet.[34]

Hintergrund[Bearbeiten]

Japanisches Militär, Kultur und Imperialismus[Bearbeiten]

Vor allem während der imperialistischen Phase Japans hatte die militärische Kultur vor und während des Zweiten Weltkriegs einen großen Einfluss auf das Verhalten der japanischen Streitkräfte. Jahrhunderte zuvor wurde dem Samurai in Japan gelehrt, seinem Herren gegenüber bedingungslosen Gehorsam zu üben sowie im Kampf furchtlos zu sein. Nach der Meiji-Restauration im Jahr 1868 und dem Zusammenbruch des Tokugawa-Shogunats wurde der Kaiser der Schwerpunkt der militärischen Treue. Während des sogenannten „Age of Empire” im späten 19. Jahrhundert folgte Japan dem Beispiel der anderen Weltmächte in den Entwicklungsländern, nämlich mit der Entwicklung eines Imperiums. Diese Zielvorstellung wurde auch vom Kaiserreich aggressiv verfolgt.

Wie bei anderen imperialistischen Mächten wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert hinein die japanische Populärkultur zunehmend chauvinistisch. Der Aufstieg des japanischen Nationalismus wurde ab 1890 teilweise in der Annahme der Shinto als Staatsreligion einschließlich ihrer Verankerung im Bildungssystem gesehen. Amaterasu ist die wichtigste Gottheit des Shintō. Sie personifiziert die Sonne und das Licht und gilt als Begründerin des japanischen Kaiserhauses, wodurch der Kaiser für göttlich gehalten wurde. Diese Tatsache rechtfertigte die Forderung, dass dem Kaiser und seine Vertreter fraglos gehorcht werden müsse.

Der Sieg im ersten Sino-Japanischen Krieg (1894–1895) bedeutete Japans Aufstieg auf den Status einer großen militärischen Macht.

Im Gegensatz zu den anderen Großmächten hat Japan die Genfer Konvention nicht unterzeichnet. Dennoch wurde in einer kaiserlichen Proklamation von 1894 festgelegt, dass japanische Soldaten alle Anstrengungen unternehmen sollten, um den Krieg ohne eine Verletzung des internationalen Rechts zu gewinnen. Nach Ansicht des Historikers Yuki Tanaka veröffentlichten die japanischen Streitkräfte während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg, dass 1790 chinesische Gefangene ohne Schaden blieben, wenn sie eine Vereinbarung unterzeichnen, nie wieder eine Waffe gegen Japan zu ergreifen.[35] Nach dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905 wurden im Einklang mit dem Haager Übereinkommen, alle 79.367 russischen Kriegsgefangenen vom Kaiserreich freigelassen und für ihre geleistete Arbeit bezahlt.[35] Auch das Verhalten des japanischen Militärs im Ersten Weltkrieg (1914–1918) war mindestens so human wie die anderer Armeen, sodass sogar einige deutsche Kriegsgefangene, die in Japan inhaftiert waren, sich nach dem Krieg in Japan ansiedelten.[36][37]

Die Ereignisse der 1930er und 1940er Jahren[Bearbeiten]

Von den späten 1930er Jahren an schuf der Aufstieg des Militarismus in Japan zumindest oberflächliche Ähnlichkeiten zwischen der breiteren japanischen Militärkultur und der Kultur der militärischen Elite (Waffen-SS) im NS-Deutschland. Japan hatte auch eine militärische Geheimpolizei wie die Kempeitai, die der Nazi-Gestapo in ihrer Rolle in annektierten und besetzten Ländern ähnelte. Die Brutalität der Kempeitai war vor allem in der Kolonie Korea und den besetzten Gebieten berüchtigt. Die Kempeitai wurde auf dem japanischen Festland verabscheut, vor allem während des Zweiten Weltkriegs, als unter Premierminister Hideki Tojo(ehemals Kommandeur der Kempeitai der japanischen Armee in der Mandschurei 1935–1937) die Kempeitai ihre Macht ausgiebig nutzte, um die Treue der Japaner zum Krieg sicherzustellen. Unter Tojo wandelte die Kempeitai Japan zu einem Polizeistaat.[38] Eine unzulängliche Hingabe zum Kaiser bedeutete häufig eine körperliche Bestrafung. Das Schlagen von kaiserlichen Soldaten in den unteren Dienstgraden war alltäglich, aber die brutalsten Schläge erhielten die Soldaten, die sich in japanischer Kriegsgefangenschaft befanden.[39]

Verbrechen[Bearbeiten]

Wegen des schieren Ausmaßes des Leidens wird das japanische Militär während der 1930er und 1940er Jahre oft mit dem Militär NS-Deutschlands von 1933 bis 1945 verglichen. Ein Großteil der Kontroverse über die Rolle Japans im Zweiten Weltkrieg dreht sich um die Sterberaten von Kriegsgefangenen und Zivilisten unter japanischer Okkupation. Der Historiker Chalmers Johnson hat dazu geschrieben:

Es kann sinnlos sein, festzustellen, welcher Aggressor der Achsenmächte die Bevölkerung der besetzten Gebiete brutaler schikaniert hat: Deutschland oder Japan. Die Deutschen haben sechs Millionen Juden und 20 Millionen Russen (Sowjetbürger) getötet; die Japaner haben 30 Millionen Filipinos, Malaien, Vietnamesen, Kambodschaner, Indonesier und Birma (mindestens 23 Millionen von ihnen waren ethnische Chinesen) getötet. Beide Staaten plünderten die besetzten Länder, die sie auf einem monumentalen Maßstab erobert hatten, aus; obwohl die Japaner über einen längeren Zeitraum plünderten als die Nazis. Beide Eroberer haben Millionen Menschen als Zwangsarbeiter versklavt und ausgebeutet – und im Falle der Japaner auch als Prostituierte für die Fronttruppen gezwungen. Wenn ein Deutscher in England, Amerika, Australien, Neuseeland oder Kanada (nicht Russland) in Kriegsgefangenschaft geriet, so hatte er eine Chance von vier Prozent, den Krieg nicht zu überleben; Im Vergleich dazu lag die Sterbeziffer für Alliierte, die in japanische Kriegsgefangenschaft gerieten, bei fast 30 Prozent.[40]

Beim Tokioter Prozess wurde festgestellt, dass die Todesrate unter den Kriegsgefangenen aus asiatischen Ländern, die von Japan gefangengehalten wurden, bei 27,1 Prozent liegt.[41]

Die Sterblichkeitsrate der chinesischen Kriegsgefangenen war viel höher, weil in den Haager Konventionen, die durch Kaiser Hirohito am 5. August 1937 ratifiziert wurden, die Einschränkungen des Völkerrechts über die Behandlung von chinesischen Kriegsgefangenen entfernt wurde.[16] Nach der Kapitulation von Japan wurden durch die japanischen Behörden nur 56 chinesische Kriegsgefangene amtlich verzeichnet.[42] Nach dem 20. März 1943 wurde der japanischen Marine befohlen, alle Kriegsgefangenen, die auf See festgesetzt werden, hinzurichten.[43]

Massentötungen[Bearbeiten]

Das erste bekannte dieser Massaker war das Massaker von Pingdingshan am 16. September 1932, wo japanische Soldaten und Polizeikräfte zur Befriedung von Mandschukuo nach der Besetzung der Mandschurei das Dorf Pingdingshan für einen Stützpunkt einer Miliz hielten und deshalb die rund 3000 Einwohner zusammentrieben und am Fuß des Pingdingshan-Berges im südlichen Fushun töteten. Um das Verbrechen zu vertuschen, wurden die Leichen verbrannt und 800 Häuser des Dorfes angezündet. Bereits am 29. Januar 1932 hatten japanische Flugzeuge im Zuge der Schlacht um Shanghai Shanghai bombardiert. Dabei und im Laufe der folgenden Besetzung starben 18.000 Zivilisten.

Chinesische Zivilisten werden von japanischen Soldaten lebendig begraben.[44]

Nach dem japanischen Angriff auf China 1937 begannen die Massaker erneut, dieses Mal jedoch in einem weit größeren Ausmaß. Genau fünf Monate nach dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke erreichten japanische Truppen am 8. Dezember die chinesische Hauptstadt Nanjing und kesselten die Stadt ein. Fünf Tage später wurde die Stadt besetzt. Es kam zum sechs Wochen andauernden Massaker von Nanjing. Die Art der Tötungen war unterschiedlich. Zivilisten (Kinder und Kleinkinder eingeschlossen) und Kriegsgefangene wurden zu Tausenden mit dem Bajonett erstochen, erschossen, geköpft, ertränkt und lebendig begraben.[45][46] Insgesamt wurden bei dem Massaker 200.000 bis 300.000 Menschen ermordet.[47][48] Weitere Massaker unter zahlreichen ähnlichen Verbrechen waren das Massaker von Panjiayu oder dasMassaker von Changjiao, bei dem rund 30.000 Zivilisten getötet wurden.

Bei ihrem Eroberungsfeldzug in Südostasien plante die japanische Militärführung schon im Vorfeld organisierte Massentötungen von denen das Sook-Ching-Massaker an den ethnischen Chinesen der malaiischen Halbinsel vom 18. Februar bis 4. März 1942 das bekannteste ist.[49] Dabei wurden etwa 50.000 ethnische Chinesen durch Singapur geführt und an den Stränden massakriert. Insgesamt wurden auf der malaiischen Halbinsel etwa 90.000 Chinesen während der Sook-Ching-Massaker getötet.[50] Am 19. April 1942 ergaben sich die letzten amerikanischen und philippinischen Truppen auf den Philippinen. Es kam zum Todesmarsch von Bataan. Die Kriegsgefangenen mussten den ganzen Tag ohne Pause und ohne Wasser in der stechenden Sonne marschieren. Wer auf dem Marsch stehenblieb oder vor Erschöpfung umfiel, wurde mit dem Bajonett erstochen. Wer zu Bächen oder Quellen rannte, wurde erschossen. Insgesamt starben auf dem Todesmarsch von Baatan etwa 16.500 amerikanische und philippinische Kriegsgefangene. Die Zahl der getöteten Zivilisten, die den Marsch begleiten mussten, ist unbekannt.

Nach der Landung amerikanischer Truppen auf Luzon wurde die philippinische Hauptstadt Manila zum Schlachtfeld. Bei den Kämpfen verübten die Japaner auf Anweisung aus Tokio während der letzten drei Februarwochen 1945 das Massaker von Manila, bei dem etwa 100.000 Zivilisten ermordet wurden.[51] Es gab noch zahlreiche weitere Massaker an der Zivilbevölkerung, beispielsweise das Kalagon-Massaker, bei dem am 7. Juli 1945 die Bewohner von Kalagon (Burma), von den Mitgliedern der Kaiserlichen Japanischen Armee massakriert wurden. Frauen und Kinder wurden vergewaltigt und gefoltert. Die Einwohner wurden in Gruppen von fünf Personen zusammengefügt und mit verbundenen Augen zu den nahe gelegenen Brunnen gebracht, wo sie mit Bajonetten niedergestochen und die Leichen in den 22 Brunnen versenkt wurden. Bei diesem Massaker starben schätzungsweise 1.000 Dorfbewohner. Für dieses Massaker wurden 1946 vier japanische Soldaten als Kriegsverbrecher vor dem Tribunal in Rangun angeklagt.[52][53]

Als empirischer Forscher beschäftigte sich Rudolph Joseph Rummel, Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Hawaii, vor allem mit Krieg, Genozid und politischem Massenmord. Im 3. Kapitel von Statistics of Japanese Democide heißt es, dass zwischen 1937 und 1945 das japanische Militär mindestens drei Millionen (vielleicht auch über zehn Millionen) Menschen ermordet habe. Wahrscheinlich sind sechs Millionen Menschen, unter anderem Chinesen, Indonesier, Koreaner, Filipinos und Indochinas einschließlich der westlichen Kriegsgefangenen umgekommen. „Dieser Demozid war einer moralisch bankrotten politischen und militärischen Strategie sowie der militärischen Zweckmäßigkeit und Sitte und der nationalen Kultur zuzuschreiben.“[54] Laut Rummel wurden von 1937 bis 1945 im Verlauf des Krieges 10,2 Millionen Menschen, davon allein in China als direkte Folge der japanischen Operationen etwa 3,9 Millionen (überwiegend Zivilisten) getötet.[55]

http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverbrechen_der_japanischen_Streitkr%C3%A4fte_im_Zweiten_Weltkrieg

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