Vorwürfe von Seymour Hersh: Türkei und USA dementieren Bericht über Giftgaseinsatz in Syrien

Opfer des Chemiewaffenangriffs vom 21. August 2013: Vorwürfe an den türkischen Geheimdienst Zur Großansicht

AP

Opfer des Chemiewaffenangriffs vom 21. August 2013: Vorwürfe an den türkischen Geheimdienst

Der türkische Geheimdienst soll hinter dem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus im vergangenen August stecken – behauptet der US-Journalist Seymour Hersh. Washington und Ankara weisen die Vorwürfe zurück, auch Waffenexperten bezweifeln die These.

Ankara/Washington – Seymour Hersh ist einer der prominentesten Investigativjournalisten der Welt. Vor 45 Jahren deckte er während des Vietnam-Kriegs das Massaker von My Lai auf, 2004 machte er den Folterskandal in der US-Armee im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis bekannt.

Nun sorgt Hersh mit einem Bericht zum Syrien-Krieg für Aufsehen. In einem Beitrag für die “London Review of Books” behauptet der Journalist, dass der türkische Geheimdienst hinter dem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus am 21. August vergangenen Jahres stecke. Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan habe die USA so zu einem Militärschlag gegen das syrische Regime bewegen wollen, schreibt Hersh unter Berufung auf eine Quelle aus dem US-Geheimdienst.Präsident Barack Obama habe auf den damals geplanten Militärschlag gegen Assad verzichtet, weil die USA von der türkischen Verwicklung erfahren hätten, behauptet Hersh.

Türkei wirft Hersh “glatte Lüge” vor

Die Regierungen in Washington und Ankara haben den Bericht entschieden zurückgewiesen. Das US-Außenministerium erklärte, es gebe keinen Zweifel daran, dass der Giftgasangriff vom 21. August ein Werk der syrischen Regierungstruppen gewesen sei. Der türkische Regierungssprecher Bülent Arinc bezeichnete den Bericht als “glatte Lüge”.

Auch unabhängige Waffenexperten haben Hershs Bericht zurückgewiesen. Sie werfen dem Journalisten vor, dass er in seinem Bericht wichtige Details zu dem Angriff außer Acht lasse.

Bei dem Giftgasangriff im vergangenen Jahr waren bis zu 1700 Menschen ums Leben gekommen. Unter internationalem Druck erklärte sich Syrien anschließend bereit, das Chemiewaffenprogramm des Landes zu beenden und chemische Kampfstoffe vernichten zu lassen.

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-seymour-hersh-macht-tuerkei-fuer-giftgasangriff-verantwortlich-a-963286.html

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