Unruhen in der Ostukraine

Demonstranten errichten Barrikaden

Heute, 7. April 2014, 11:09
Prorussische Demonstranten vor der Donezker Gebietsverwaltung.
Prorussische Demonstranten vor der Donezker Gebietsverwaltung. (Bild: Keystone / EPA)
Nach der Erstürmung mehrerer öffentlicher Gebäude im Osten der Ukraine durch prorussische Kräfte ist die Situation weiter instabil. Die ukrainische Regierung fürchtet eine russische Invasion.

(dpa/ws.) Die Regierung in Kiew zeigt sich alarmiert: Die Proteste im russischsprachigen Osten des Landes zielten darauf, einen Einmarsch ausländischer Truppen zu provozieren, sagte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk.

Russische Truppen stünden 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Sie seien entgegen entsprechenden Forderungen auch aus dem Westen nicht zurückgezogen worden. Die Ukraine werde nicht zulassen, dass ausländische Truppen einmarschierten und ukrainisches Gebiet besetzten, betonte Jazenjuk.

Mit Autoreifen und Stacheldraht

Am Wochenende war es zu prorussischen Protesten in drei ostukrainischen Städten gekommen. In Donezk und Charkiw stürmten die Demonstranten jeweils das Gebäude der Gebietsverwaltung. In Luhansk besetzten sie das Gebäude des ukrainischen Geheimdienstes SBU.

In Charkiw habe sich die Lage mittlerweile entspannt, berichtet die ukrainische Nachrichtenagentur Unian. Demnach haben sich die prorussischen Demonstranten bereit erklärt, das Verwaltungsgebäude freiwillig zu räumen.

In Donezk und in Luhansk bleibt die Lage allerdings angespannt. Die Demonstranten haben sich über Nacht in den öffentlichen Gebäuden verbarrikadiert. Mit Hilfe von aufgestapelten Autoreifen und Stacheldraht wollen sie eine gewaltsame Räumung der Gebäude durch die Polizei verhindern.

Angst vor Krim-Szenario

In ihren Forderungen scheinen sich die prorussischen Demonstranten nicht einig zu sein: Es gibt einerseits Rufe nach mehr regionaler Autonomie und der Anerkennung des Russischen als zweite Landessprache. Im Raum steht aber auch die Forderung nach einem Referendum über einen Anschluss an Russland.

In Charkiw hätten die Demonstranten zudem die Rückkehr des gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch angekündigt, berichtet das russische Internetportal newsru.com. Im Zuge der proeuropäischen Proteste in Kiew war Janukowitsch im Februar nach Russland geflüchtet.

Nach der Eingliederung der Halbinsel Krim durch Russland wächst deshalb die Sorge, dass die Regierung in Moskau die Lage auch im Osten der Ukraine weiter destabilisieren und Truppen in das Nachbarland einmarschieren lassen könnte.

 

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/demonstranen-errichten-barrikaden-1.18279176