Schwere Unruhen

Ban warnt vor neuem «Völkermord» in Zentralafrika

Heute, 5. April 2014, 20:38
Glück im Unglück: Dieses muslimische Mädchen kann sich in Yaloke bei einer christlichen Familie verstecken.
Glück im Unglück: Dieses muslimische Mädchen kann sich in Yaloke bei einer christlichen Familie verstecken.(Bild: Reuters)
Angesichts der schweren Unruhen in der Zentralafrikanischen Republik hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon vor einem neuen «Völkermord» gewarnt. Vor dem Interimsparlament in Bangui rief Ban am Samstag die Politiker zur Verantwortung.

(dpa/afp) «Es ist Ihre Verantwortung als Führer sicherzustellen, dass es keine solchen Jahrestage in diesem Land gibt», sagte Ban mit Blick auf den Völkermord in Rwanda im Jahr 1994. «Wiederholen Sie nicht die Fehler der Vergangenheit, ziehen Sie die Lehren daraus.»

Eine «ethnisch-religiöse Säuberung» sei in der Zentralafrikanischen Republik «eine Realität». Viele Angehörige der muslimischen Minderheit seien auf der Flucht. «Muslime und Christen seien in Lebensgefahr, nur weil sie so sind, wie sie sind, oder weil sie glauben, was sie glauben.»

Zuvor hatte Ban 1500 vertriebene Muslime getroffen, die in einer Moschee Zuflucht gefunden haben. Er versprach den Familien, dass sie nicht vergessen würden und er über ihr Schicksal berichten werde, wie ein Sprecher via Twitter mitteilte.

Ban war am Samstag überraschend zu einem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik eingetroffen. Er legte den Zwischenstopp auf einer Reise nach Rwanda ein, wo er an den Gedenkfeiern zum 20. Jahrestag des dortigen Völkermords teilnehmen will. In dem ostafrikanischen Land wurden 1994 innerhalb weniger Wochen mehr als 800’000 Tutsis und gemässigte Hutus getötet.

«Tief erschüttert»

Vor seinem Eintreffen in der Hauptstadt Bangui sagte er, er sei «tief erschüttert» von den «Greueltaten», die in Zentralafrika verübt würden. Er forderte die Aufstellung einer 12’000 Mann starken Uno-Truppe, um den Konflikt einzudämmen. Der Uno-Generalsekretär sei «entsetzt» über die «Eventualität eines weiteren Rwanda», sagte ein Uno-Diplomat.

Am Dienstag hatte die Europäische Union offiziell den Startschuss für eine EU-Militärmission in dem Krisenstaat gegeben. Bis zu tausend Soldaten sollen Teile Banguis und den dortigen Flughafen sichern. Bis die Mission Eufor-RCA aber voll einsatzfähig ist, dürften nach Diplomatenangaben noch Wochen vergehen.

Derzeit sind rund 2000 französische Soldaten und 6000 Soldaten der Afrikanischen Union in Zentralafrika im Einsatz. Sie sollen von der Uno-Blauhelmtruppe abgelöst werden. Rund ein Viertel der 4,6 Millionen Einwohner der Zentralafrikanischen Republik sind auf der Flucht. Nach Bans Vorstellungen sollte der Uno-Einsatz eine zivile Komponente umfassen, um die für Februar 2015 geplanten Wahlen mit vorzubereiten.

Religiöser Konflikt

In Zentralafrika wütet ein blutiger Konflikt zwischen christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen. Immer wieder kam es dabei auch zu Gewalt zwischen Truppen aus dem Tschad auf der einen und Christen auf der anderen Seite.

Die Christen warfen der tschadischen Armee vor, auf der Seite der muslimischen Rebellengruppe Séléka zu stehen. Diese wurde zwar offiziell aufgelöst, sorgt aber weiterhin für Unruhe. Die Regierung des Tschad kündigte am Donnerstag an, ihr Truppenkontingent aus der Mission der Afrikanischen Union (MISCA) abzuziehen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/ban-warnt-vor-neuem-voelkermord-in-zentralafrika-1.18278339

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