Geschlechterkampf in Kenya

Macho-Gehabe im Parlament

Markus M. Haefliger, Nairobi Heute, 1. April 2014, 05:30

Kenyas Parlament hat ein neues Ehegesetz verabschiedet, was für die männlichen Abgeordneten ein Anlass war, den Kolleginnen zu zeigen, wo Gott hockt. Bei den Wahlen vor einem Jahr hatten sie in der Folge einer Verfassungsreform eine Quotenregelung über sich ergehen lassen müssen, die den Frauenanteil in der Nationalversammlung auf 20 Prozent anhob. Gleich zu Beginn der Beratung ergänzte die männliche Mehrheit über alle Parteigrenzen hinweg die Vorlage durch einen Paragrafen, nach dem ein Ehepartner die Gerichte anrufen kann, wenn ihm das eheliche Recht auf Beischlaf vorenthalten wird.

Am nächsten Tag verschworen sich die männlichen Deputierten gegen eine Polygamie-Klausel, nach der Vielehen nur zulässig wären, wenn die erste Frau ihr Plazet dazu gibt. Der Abgeordnete Mohammed Junet fiel mit der Äusserung auf, wenn ein Mann eine zweite und dritte Frau ins Haus bringe, gehe das frühere Ehefrauen nichts an. «So ist das in Afrika», schloss er mit dem üblichen Seitenhieb gegen westliche Ideen.

Abgesehen vom Geschlechterkampf, zeigte die Debatte die Unkenntnis der Parlamentarier über Sinn und Zweck von Gesetzen auf. Die sogenannten ehelichen Pflichten sind auch in Kenya indirekt im Scheidungsrecht enthalten. Die Idee, dass zu ihrer Durchsetzung Richter beigezogen werden könnten, ist absurd. Aber kaum jemand wies in der Debatte auf den Unterschied von privater und öffentlicher Sphäre hin.

Es ist nicht das erste Mal, dass von aufklärerischem Gedankengut geprägte Reformen hiesige Politiker überfordern. Letztes Jahr wurde im Zuge einer Dezentralisierung eine zweite Kammer, der Senat, eingeführt. Aber nun beschäftigen sich die Senatoren hauptsächlich damit, sich in die lokalen Angelegenheiten der 47 Landkreise einzumischen, in denen sie gewählt wurden (vor allem, wenn es um die Verteilung von Budgetmitteln geht). Das ist selbstverständlich nicht die Rolle, die ihnen die Verfassungsgeber zugedacht hatten. Was das neue Ehegesetz angeht, hoffen die Gegner, dass Präsident Kenyatta sein Veto dagegen einlegt.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/aufgefallen/macho-gehabe-im-parlament-1.18274584