Klimawandel vergrößert Risiko für Krieg und Hungersnot

31. März 2014, 06:09 Uhr

Die Temperaturen auf der Erde steigen. Laut Weltklimabericht wird das schlimme Folgen haben: Fluten und Dürren führen zu Nahrungsmittelmangel. Um die knapperen Ressourcen werden Bürgerkriege geführt

Weltklimabericht, IPCC, Treibhauseffekt, Klimawandel, Klimakatastrophe, Armut, Wasserknappheit, KonflikteDürren wie Fluten, hier 2010 in Pakistan, werden die Nahrungsressourcen verknappen. Laut Weltklimarat kann das zu bewaffneten Konflikten führen.© Asif Hassan/AFP

Treibhausemissionen werden das Risiko für Konflikte, Hungersnöte und Überflutungen in den kommenden Jahrzehnten vergrößern. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit “schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen”, heißt es in dem am Montag im japanischen Yokohama verabschiedeten Sachstandbericht des Weltklimarats (IPCC). Umweltschutzorganisationen begrüßten das umfangreiche Dokument, das als Grundlage für die internationalen Klimaschutzverhandlungen dient.

Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe verursachen sowie Kosten in ähnlicher Höhe, um die Folgen einzudämmen, warnen die UN-Experten. Unter dem Klimawandel werden demnach besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde leiden, heißt es unter Verweis auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Flutrisiko in Europa und Asien steigt

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Überflutungsrisiko beachtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führt – bei steigender Bevölkerungszahl – zu geringeren Erträgen beim Weizen-, Mais- und Reisanbau.

Extreme Wetterphänomene wie Überschwemmungen an Küsten, Dürren und Hitzewellen werden dem Bericht zufolge die Migration von Menschen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit “indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte” erhöhen.

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig – etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Teil 2 eines dreiteiligen Reports

Seit dem vergangenen Dienstag brüteten die Wissenschaftler und Regierungsvertreter in Yokohama südlich von Tokio über den Bericht. Dabei handelt es sich um den zweiten von drei Teilen des nunmehr fünften Sachstandberichts des Weltklimarates.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil 2 geht es um die Konsequenzen. In Teil 3, der Mitte April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

“Dringender Appell zum Handeln”

Die Organisationen Germanwatch und Brot für die Welt sprachen von einem “dringenden Appell zum Handeln” an Politiker weltweit. Christoph Bals von Germanwatch kritisierte, die Bundesregierung habe im Haushaltsentwurf “keinen Cent” eingestellt, um den internationalen Klimafonds mit Geld zu füllen. “Starke Klimaziele und die notwendige Klimareduzierung sind jetzt die zentralen Aufgaben der EU.” Oxfam forderte, Deutschland müsse arme Länder mehr dabei unterstützen, sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen.

Der letzte IPCC-Sachstandbericht war 2007 in Paris veröffentlicht worden und hatte weltweit das Bewusstsein für die Gefahr durch den Klimawandel geschärft. Die Bemühungen um ein globales Klimaabkommen sind dennoch kaum vorangekommen.

http://www.stern.de/wissen/natur/neuer-weltklimabericht-klimawandel-vergroessert-risiko-fuer-krieg-und-hungersnot-2100146.html

Weltklimabericht warnt vor irreparablen Folgen

31. März 2014, 06:08
  • Der zweite Teil des Weltklimaberichts soll deutlich machen, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgehen kann

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    Der zweite Teil des Weltklimaberichts soll deutlich machen, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgehen kann

  • Phänomene wie Überschwemmungen (im Bild in Myanmayr 2008) werden zunehmen, wenn nicht entgegengesteuert wird, warnen die Vereinten Nationen im Klimareport.

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    foto: ap photo/file

    Phänomene wie Überschwemmungen (im Bild in Myanmayr 2008) werden zunehmen, wenn nicht entgegengesteuert wird, warnen die Vereinten Nationen im Klimareport.


IPCC: Steigende Temperaturen erfordern dringendes Handeln – aber noch sei es nicht zu spät

Yokohama – Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher – das zeigt der neue UNO-Klimareport. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit “schwerer, tief greifender und irreparabler Folgen”, heißt es in dem am Montag im japanischen Yokohama verabschiedeten Bericht des Weltklimarats (IPCC).

Zwar gibt es dem Report zufolge für den Menschen noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, warnte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats. “Selbst ernsthafte, fortgesetzte Investitionen in die Anpassung werden ihre Grenzen haben.”

Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe sowie Kosten in ähnlicher Höhe verursachen, um die Folgen einzudämmen, warnen die UNO-Experten. Unter dem Klimawandel werden demnach besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde leiden, heißt es unter Verweis auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Desaströse Folgen

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Überflutungsrisiko beachtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führt – bei steigender Bevölkerungszahl – zu geringeren Erträgen beim Weizen-, Mais- und Reisanbau.

Extreme Wetterphänomene wie Überschwemmungen an Küsten, Dürren und Hitzewellen werden dem Bericht zufolge die Migration von Menschen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit “indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte” erhöhen.

Noch ist es nicht zu spät

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig – etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Seit Dienstag brüteten die Wissenschafter und Regierungsvertreter in Yokohama südlich von Tokio über den Bericht. Dabei handelt es sich um den zweiten von drei Teilen des nunmehr fünften Sachstandberichts des Weltklimarates.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil 2 geht es um die Konsequenzen. In Teil 3, der Mitte April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Der letzte IPCC-Sachstandbericht war 2007 in Paris veröffentlicht worden und hatte weltweit das Bewusstsein für die Gefahr durch den Klimawandel geschärft. Die Bemühungen um ein globales Klimaabkommen sind dennoch kaum vorangekommen. (APA/red, derStandard.at, 30.03.2014)


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Erinnerung

KLIMAWANDELDie Klima-Kriege

Während die Präsidenten Putin und Bush noch um Raketen streiten, drehen sich die Konflikte der Zukunft um Wasser, Luft und Sonne. VON 

Die Energiesparlampe ist womöglich unterschätzt, wenn es um ihr Potenzial geht, einen Atomkrieg zu verhindern. Um diese Behauptung plausibel zu machen, wird in wenigen Augenblicken auch von den Gletschern des Himalaya die Rede sein müssen. Einigermaßen komplex sind, man ahnt es schon, die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und seinen Folgen für die Weltsicherheitspolitik. Aber es gibt sie. Auf Grundlage der jüngsten UN-Vorhersagen zur Erderwärmung lassen sich diverse Schreckensszenarien für künftige Konflikte entwerfen.

Welche Auseinandersetzungen – sei es um Wasser, Getreide, Lebensraum, Rohstoffe oder Energie – könnte ein globaler Temperaturanstieg von vier Grad Celsius in den kommenden 50 Jahren auslösen? Während zwischen Russland, Amerika und der Nato derzeit ein reichlich vordergründiger Streit um Abfangraketen und Mittelstreckenwaffen tobt, der sich aus Kalten-Kriegs-Denkmustern speist, haben die Sicherheitsstrategen in London, Washington oderBerlin längst die Folgen einer globalen Warmzeit als neue Bedrohung entdeckt. Zwar leiden selbst die ernsthaftesten Überlegungen noch unter erheblicher Vagheit, doch eine grundlegende Entwicklung lässt sich schon heute absehen: Mit dem Temperaturanstieg auf dem Planeten werden künftig auch politische Prozesse schneller ihre Siedepunkte erreichen. Denn alle Konflikte sind immer auch Konflikte um Ressourcen, Rohstoffe und Lebensraum; in Zukunft wird der Klimawandel diese Güter zusätzlich verknappen. Die Folge: Mit dem Klimawandel verschärfen sich die Spannungen auf dem Globus.

Was zurückführt zur Energiesparlampe, der Kriegsgefahr und den Gletschern des Himalaya. Letztere sind so etwas wie der Wasserspeicher Asiens. Sie machen 15 Prozent der globalen Eismasse aus, und mehrere der großen asiatischen Flüsse – der Indus, der Ganges, der Mekong und der Jangtse – speisen sich aus ihren Schmelzwassern. Indischen Studien zufolge hängen 500 Millionen Menschen an diesem Versorgungsstrang. Doch wenn die Erderwärmung so voranschreitet, wie es der Klimareport der Vereinten Nationen vorhersagt, könnten die Himalayagletscher bis 2050 gänzlich verschwunden sein.

Vor wenigen Tagen schlug deshalb eine Riege von hochdekorierten pensionierten amerikanischen Generalen Alarm. Die Wasserversorgung in weiten Teilen Asiens könnte sich »dramatisch reduzieren«, schrieben sie in einem Papier für das US-Verteidigungsministerium, mit »destabilisierenden Folgen« für die dortige Innen- und Außenpolitik. Die nuklear bewaffneten Erzfeinde Indien und Pakistanbetrachten die Kontrolle über das Wasser des Indus schon lange als strategische Angelegenheit. Seit 1960 gilt ein Vertrag zwischen den Ländern über die Nutzungsrechte. Wird er auch noch gelten, wenn der Flusspegel sinkt und der Energiebedarf gleichzeitig steigt? Die indische Regierung hat gerade erst angekündigt, künftig noch stärker auf Wasserkraft zur Stromerzeugung zu setzen. Vom Energiehunger Chinas, das ebenfalls am Himalaya-Gletscherwasser hängt, ganz zu schweigen. Ebenfalls erst vor wenigen Tagen hat das britische Verteidigungsministerium einen detaillierten Bericht über »strategische Trends« für die Jahre 2008 bis 2036 vorgelegt. Darin heißt es: »China, das heute schon mit Wasserknappheit und -verseuchung zu kämpfen hat, könnte möglicherweise versuchen, Flüsse umzuleiten, die ins benachbarte Indien fließen, wie etwa den Brahmaputra.« Ein asiatisches Wettrüsten könnte die Folge sein.

Wäre es da nicht klüger, schöner und billiger, statt in Panzer und Gewehre in Energiespartechnik zu investieren?

»Ich bin davon überzeugt, Energiesicherheit und Klimaschutz, dies kann das transatlantische Projekt des 21. Jahrhunderts werden. Ein Vorhaben, in dem wir sowohl politische Führung wie globale Verantwortung in gleicher Weise zeigen können.« So sprach Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Rednerpult der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres. Sein Appell für eine Klima-Nato ging unter, weil der russische Präsident Putin schon damals mit einer Brandrede gegen die USA das Podium beherrschte. Nun will die Bundesregierung auf dem Gipfeltreffen der acht reichen Industrienationen (G8) Anfang Juni in Heiligendamm einen weiteren Versuch unternehmen, für ihre neue außenpolitische Priorität »Klimasicherheit« zu werben.

weiter auf: http://www.zeit.de/2007/19/Klimawandel