Norweger Stoltenberg löst Rasmussen als NATO-Generalsekretär ab

THOMAS MAYER AUS BRÜSSEL
28. März 2014, 18:37
  • Obwohl er sich im letzten Wahlkampf als Taxifahrer ausgab und seine Landsleute cheauffierte, setzte es für Stoltenberg bei den Wahlen im September 2013 eine Niederlage.

    vergrößern 800×533

    foto: ap/decrow

    Obwohl er sich im letzten Wahlkampf als Taxifahrer ausgab und seine Landsleute cheauffierte, setzte es für Stoltenberg bei den Wahlen im September 2013 eine Niederlage.


Ehemaliger Regierungschef tritt am 1. Oktober sein Amt an

Was die Person betrifft, war es gar nicht so unerwartet, dass Jens Stoltenberg von der Nato am Freitagnachmittag offiziell als Nachfolger des Dänen Anders Fogh Rasmussen bestätigt wurde. Der frühere norwegische Ministerpräsident galt lange als eine der Toppersonalreserven für europäische Posten auf internationaler Ebene, auch als möglicher nächster Uno-Generalsekretär. Immerhin zehn Jahre lang war der Sozialdemokrat als Regierungschef seines Landes hoch angesehen – sogar bewundert für die souveräne Art, wie er 2011 die Lage nach dem grauenhaften Attentat von Anders Breivik auf ein Jugendlager in Utoya bei Oslo mit 77 Toten bewältigte. Er schämte sich seiner Tränen nicht. Im vergangenen September wurde er jedoch abgewählt, war daher verfügbar.

Dennoch war der Zeitpunkt der Kür durch die 28 Nato-Staaten (die in der Regel im guten Einvernehmen einstimmig erfolgt) überraschend: Generalsekretär ist der wichtigste politische Job in der Allianz neben dem militärischen Oberbefehlshaber, derzeit General Philip Breedlove. Ersterer wird traditionell mit einem Europäer besetzt, der “Saceur” mit einem Amerikaner. Durch die Neuwahl des Europaparlaments im Mai, der im Oktober die Neubestellung der EU-Kommission folgen wird, steht in Europa ein ganzes Paket an Personalentscheidungen an, vom Kommissionspräsidenten (nach José Manuel Barroso) über den Hohen Vertreter der EU-Außenpolitik (Catherine Ashton) bis hin zu Posten im EU-Präsidium und in der Eurozone. Neben Stoltenberg hatte sich auch Barroso als Nato-Generalsekretär ins Gespräch gebracht. Auch der deutsche Innenminister Thomas de Maizière galt als Anwärter. Bei der raschen Entscheidung für den Norweger dürfte nach dem Besuch von US-Präsident Barack Obama diese Woche wohl die Krise in der Ukraine eine Rolle gespielt haben.

Rasmussen bleibt an sich noch bis Ende September im Amt. Er muss den Nato-Herbstgipfel in Wales vorbereiten, bei dem der Isaf-Abzug aus Afghanistan Ende 2014 ebenso im Zentrum stehen sollte wie die Reform und Zusammenlegung der Truppen der Staaten der Allianz, die unter Spardruck stehen. Allein das war eine große Herausforderung für den Generalsekretär. Nun kommen die Spannungen mit Russland und eine Nato-Verstärkung in Osteuropa noch dazu. Da wollte man in Washington und den EU-Hauptstädten wohl klar Schiff machen und die Personalie entscheiden.

Stoltenberg ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 29.3.2014)

http://derstandard.at/1395363547293/Norweger-Stoltenberg-loest-Rasmussen-als-NATO-Generalsekretaer-ab

Galtung: Das hatte ich eigentlich, weil Norwegen ist in mehrere Kriege verwickelt, und die Polarisierung und die Eskalierung könnte zurück zu Norwegen kommen. Es gibt viele Sachen, die mich an Libyen erinnern, an Angriff auf dem Premierministergebäude, ein Angriff auf Ölministerium, und es gibt das Massaker von unschuldigen Zivilisten.

http://www.deutschlandfunk.de/galtung-interpretation-noch-offen-lassen.694.de.html?dram:article_id=70333