DIE BOMBE TICKT UNTER WASSER – WIE CHEMIEWAFFEN DAS MEER VERSEUCHEN

Download (7)Mein Name ist Albert Marshall und ich gehöre zum Elch-Clan. Ich stamme aus Mi’kmaqi im Mi’kmaq-Territory. Alle Ureinwohner sind im Rhythmus der Natur dem Weg des Wilds gefolgt. Überwintert haben sie im Landesinneren und sobald es wärmer wurde, zogen sie an die Küste. Hierher zu den Bras d’Or Lakes oder an den Atlantik. Sie haben vom Meer gelebt und all dem, was die Natur ihnen schenkte.

Bras d’Or Lakes ist ein idealer Lebensraum für ungefähr 20 verschiedene Arten. Sie nutzen den See als Laich und Aufzuchtsgebiet.

Während des Krieges wurden unzählige Bomben in den Bras d’Or Lakes versenkt. Erst von Terry Long habe ich erfahren, was diese Bomben enthielten. Denn wir haben immer wieder ungewöhnliche Veränderungen beobachtet. Bei den Tieren im Wasser. Möglicherweise in Folge der hohen Blei- oder Arsenkonzentration. Vielleicht ist das die Ursache für die ungewöhnlichen Läsionen .

Ich glaube nur, Nova Scotia hat die höchste Krebsrate im ganzen Land. Das alles deutet daraufhin, das hier etwas in der Umwelt ist, das unser Leben verkürzt. Ich selbst hatte 6 oder 7 nahe Verwandte, die an verschiedenen Arten von Krebs gestorben sind. Und auch jetzt wieder liegt eine Enkelin von mir im Kinderkrankenhaus von Halifax – mit Krebs. Bras d’Or Lakes war so lange Zeit eine Lebensader für unser Volk und ist es noch für 10-20 000 Menschen rund um die Seen.

Wir müssen dafür sorgen, dass auch unsere zukünftigen Generationen noch davon profitieren können, so wie wir heute. Es ist so leicht, die Beziehung zur Natur zu verlieren.

Wir müssen uns ihr wieder zuwenden und demütig bekennen, dass wir nicht über ihr stehen.

Wir haben sie so sehr und so schnell zerstört, dass ihr keine Zeit blieb, zur Selbstheilung. Deshalb müssen wir ihr mit unseren Mitteln, mit unserer Wissenschaft dabei helfen. Ich denke, das liegt auf der Hand. Und wenn wir nicht schnell handeln, wird die Natur es uns verübeln und mit einem Schlag die gesamte Menschheit auslöschen

Im Namen der Hüter des Geistes unserer Ahnen möchte ich ihnen danken, dass Sie uns Gelegenheit gegeben haben, einiges über uns zu erzählen. Ich sage Wela’lin, Danke

“Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder,” betete  Elder Albert Marshall, er ist vom Moose Clan of the Mi’kmaw Nation.

Diese Szene aus der Dokumentation “VERSENKTES GIFT” auf ARTE hat uns sehr berührt. Es sollte uns daran erinnern, es ist nichts in Ordnung, denn unter Wasser tickt eine Bombe und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Bomben einen großen Schaden anrichten wenn es nicht schon geschehen ist.

Versenktes GiftDie Armeen der Weltmächte versenkten zwischen 1917 und 1970 systematisch über eine Million Tonnen Chemiewaffen aus den beiden Weltkriegen in den Ozeanen, in Seen und im Erdboden. Keiner weiss mehr wo diese “Gifte” sich befinden. Die chemischen Verseuchung mit bisher kaum abschätzbaren gesundheitlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.

Im Laufe der Zeit treten diese tödlichen Gifte ins Wasser aus, bedrohen Fischer, Badende, Meerestiere und das gesamte Ökosystem. Wie groß sind die Gefahren tatsächlich? Wie kann es gelingen, die tödliche Altlast loszuwerden? Wer sich diese Dokumentation anschaut, wird sich fragen, ist diese Welt überrhaupt noch zu retten?

Chemiewaffen enthalten viele hochgiftige Stoffe. Die meisten von ihnen sind als Gase oder Aerosole in Bomben vorhanden oder werden von Spezialflugzeugen als Pulver abgeworfen. 

Die häufigsten Chemikalien –  Hier zwei Beispiele , es gibt noch Senfgas, Chlorgas, Tabun und sich noch weitere Chemiewafffen:

Arsen oder Arsenwasserstoff

Dieses farblose Giftgas ist schwerer als Luft und wurde von der deutschen Armee zusammen mit anderen Gasen in chemischen Bomben während des Ersten Weltkriegs eingesetzt. Seine Sprühpartikel sind so winzig, dass sie die Gasmasken durchdrangen und bei den Soldaten Husten, Niesen und Erbrechen hervorriefen. Wenn sie die Maske abnahmen, atmeten sie dann die anderen giftigen Gase ein, die bei der Explosion der Bombe freigeworden waren. Bei ihrer Zersetzung auf dem Meeresgrund geben diese Chemiewaffen hochgiftiges anorganisches Arsen frei.

Sarin

Sarin wurde 1939 von drei deutschen Wissenschaftlern entdeckt, die eigentlich nach neuen Pestiziden forschten. Das farb- und geruchlose und leichtflüchtige Gas ist schon in geringen Dosen hochgiftig für Mensch und Tier.

ZEITSTRAHL

22. April 1915  Bei der 2. Flandernschlacht starten die Deutschen als erste Armee der Welt einen großangelegten Chemiewaffenangriff mit Chlorgas.

1917  Senfgas wird zum gefürchtetsten chemischen Kampfmittel.

2. Dezember 1943  Die größte Chemiekatastrophe der europäischen Geschichte: 105 Luftwaffenbomber versenken im italienischen Hafen Bari 27 amerikanische Schiffe, darunter die „John Harvey“, die eine geheime Fracht mit 2000 Senfgasbomben geladen hatte. Um den Deutschen keinen Anlass zur Propaganda zu bieten, verschweigen die Alliierten den Vorfall. So werden hunderte italienische Zivilisten nicht behandelt und sind der Giftgaswolke hilflos ausgesetzt.

17. Juli – 2. August 1945  Bei der Potsdamer Konferenz beschließen die Alliierten, die verbleibenden Chemiewaffenvorräte ins Meer zu schütten – eine Lösung, die damals am einfachsten und sichersten schien. Man verteilt die chemischen Substanzen im japanischen Meer, im indischen Ozean, in der Nord- und Ostsee, im Nordatlantik, vor der französischen Côte d’Azur und vor den Küsten der USA und Kanada.

1970  Einstellung der Verklappung von Chemiewaffen im Meer.

1972  Der amerikanische Kongress verbietet mit einem Gesetz die Versenkung von Chemiewaffen im Meer.

13. Januar 1993  130 Staaten unterzeichnen in Paris die Chemiewaffenkonvention, welche die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz von Chemiewaffen verbietet und die sofortige Vernichtung aller verbleibenden Vorräte vorschreibt. Sie tritt am 29. April 1997 in Kraft.

2005  Bei den Bauarbeiten zur Nord-Stream-Pipeline stößt man auf Chemiewaffenreste in der Ostsee.

11. Oktober 2013  Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen erhält den Friedensnobelpreis. Unter der Aufsicht der 1997 gegründeten OPCW vernichtet man insgesamt 80 % der deklarierten Chemikalien (rund 60 000 Tonnen) und knapp 60 % der 8 Milliarden Tonnen Munition.

12. Dezember 2013  Die UNO bestätigt den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Die Syrien-Resolution sieht vor, bis zum 30. Juni 2014 alle syrischen Chemiewaffen zu vernichten.

2017  Das Staatsgeheimnis zur Versenkung von Chemiewaffen in Großbritannien und den USA wird aufgehoben.

Da fragen wir uns als Mensch dieser Erde, warum ein Staatsgeheimnis? Es geht doch schließlich um unser aller Leben?

Am 19.11.13 berichtete die „New York Times“ darüber. Die OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen) bestätigte, dass die syrischen Kampfstoffe und Chemikalien für die Produktion von C-Waffen in internationalen Gewässern entsorgt werden können.

Uns was unsere Weltmeere aushalten müssen, darüber haben wir in dem Artikel: WELTMEERE ALS MÜLLHALDE berichtet.

Angesichts solcher Zustände  wundert es nicht, wenn an der amerikanischen Westküste zur Zeit nach den Ursachen des Seesternsterbens (Seesterne sterben oder sind verkrüppelt) geforscht wird. Im November berichteten wir von Hunderten von toten Meeresschildkröten an der Küste von Costa Ricas. Da schwimmen die Meeresschildkröten durch den weiten Ozean um genau dahin zu kehren, wo sie einst geboren wurden und ohne sich um Meeresströmungen und Stürme zu kümmern, finden sie aus allen Himmelsrichtungen immer wieder zurück! Niemand hat es ihnen vorgemacht, sie können es einfach.Und plöztlich droht eine Gefahr aus dem Meer und es bleiben herumschwimmende Kadaver.

Chemiewaffen verseuchen das Meer, unabhängige Forscher haben zum Beispiel festgestellt, dass sich das Erbgut von Fischen in der Adria und der Ostsee verändert hat. Noch wird dieses Thema von der EU ignoriert.

VERSENKTES GIFT Dokumentarfilm von Nicolas Koutsikas, Eric Nadler und Bob Cohen (Frankreich 2013, 88 Min.) 

“Schöpfer, ich flehe Dich an, gib uns die Kraft und den Mut, diesen Kampf zu gewinnen. Wir wollen sauberes Wasser für uns und unsere Kinder.” Elder Albert Marshall is from the Moose Clan of the Mi’kmaw Nation

Es ist an der Zeit, dass die Fakten an die Öffentlichkeit kommen.

Netzfrau Doro Schreier

 

 

 

 

 

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo
    Dachte immer ich bin die einzigste in meinem Bekanntenkreis, aber mittlerweile hoffe ich auch einige Leute aufgeschreckt zu haben. ich hoffe das bald etwas geschieht gegen diese “Verwüstung” der Meere, besonders, und als Anwohner, für das Mittelmeer.

  2. Und dazu kommt noch die Verseuchung der Meere durch das Auswaschen der Pestizide, Fungizide, Herbizide sowie der diversen Kunstdünger von den konventionell bearbeiteten Äckern in die Flüsse und ins Grundwasser und schließlich überall in die Weltmeere.
    Dazu eine Studie (das Abstract übersetzt aus dem englischen) aus dem Jahr 2008:

    Ausbreitung toter Zonen und die Folgen für maritime Ökosysteme
    Robert J. Diaz, Rutger Rosenberg, 2 Juni 2008
    Tote Zonen in den Küstengebieten der Ozeane haben sich seit den 1960er Jahren exponentiell ausgebreitet und haben schwere Konsequenzen für das Funktionieren der Ökosysteme. Die Entstehung von toten Zonen wurde durch den Anstieg der Primärproduktion (Anm.: Produktion von Biomasse durch die Flora) und die daraus folgende weltweite Eutrophierung der Küstengebiete, verursacht durch den Abfluss von Düngern über die Flüsse sowie die Verbrennung von fossilen Kraftstoffen, verschlimmert. Die verstärkte Primärproduktion resultiert in einer Zunahme von organischen Schwebstoffteilchen, die die mikrobiellen Aktivitäten und den Verbrauch von gelöstem Sauerstoff in Tiefenzonen fördern. Tote Zonen werden inzwischen aus mehr als 400 Systemen gemeldet, die eine Fläche von mehr als 245.000 Quadratkilometern (Anm.: Bundesrepublik = 360.000 qkm) betreffen, und die möglicherweise der Hauptstressfaktor für maritime Ökosysteme sind.
    http://www.sciencemag.org/content/321/5891/926

    Der Hauptfaktor des organischen Eintrags ist aber definitiv die allgemeine nicht-ökologische Bewirtschaftung der Felder, die zu immer größeren Erosioinsproblemen weltweit führt. Dagegen gibt es aber ein Mittel nämlich den ökologischen Landbau.