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Aktive aus Bremen, Thüringen und Hessen haben die „Initiative für ein Bündnis: Wir wollen keinen Krieg“ gebildet. Beim Treffen am 29. April im Black&White-Zentrum im nordhessischen Wanfried beschlossen wir einen Aufruf, den sie den Friedensinitiativen in Deutschland als gemeinsame Zielsetzung vorschlagen.

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Einige der TeilnehmerInnen am Treffen in Wanfried zur Bildung der Friedensinitiative

Wir erarbeiteten einen Offenen Brief an das russische Volk, eine Entschuldigung für den frevelhaften Bruch des Versprechens der Westens: Stimmt Russland der Nato-Mitgliedschaft eines vereinten Deutschlands zu, wird sich die Nato nicht über die deutschen Grenzen hinaus nach Osten ausdehnen. Wir bitten um Unterschriften unter diesen Brief: Wer unterschreiben will, bitte Namen und Adresse schicken an: WirwollenkeinenKrieg@gmx.de; wir werden ihn in den nächsten Wochen an die russische Botschaft und russische Medien weiterleiten. Wir haben weiter einen Aufruf an die Bürger Russlands, Deutschlands und der Ukraine gerichtet, ein gemeinsames Friedensnetzwerk zu bilden und gemeinsam für friedliche Lösungen zu arbeiten. Als Symbol haben wir „Schwerter zu Pflugschaaren“ gewählt, weil es den hoffnungsvollen Aufbruch symbolisiert zu einem demokratischen, selbstbestimmten und partnerschaftlichen Europa. Und auch, weil ein Monument mit dem Symbol vor der UNO steht, gestiftet von der Sowjetunion. Zudem entspricht es der dringenden Aufgabe, ab- statt aufzurüsten, die Gelder der Staaten für das Leben zu verwenden statt für die Produktion von Waffen.
Wer mit uns die beiden Bündnisse für Deutschland und mit Menschen aus der Ukraine und Russlands aufbauen will, ist uns herzlich willkommen. Wir werden uns in den nächsten Wochen wieder an einem Wochenende in Wanfried treffen. Anhand der drei Texte können alle Interessierten sehen, ob sie die Aufgaben wie wir sehen und mit uns dafür zusammenarbeiten wollen.

Hier sind die drei Texte:

Initiative für ein Bündnis: Wir wollen keinen Krieg!

Vorschlag für einen Aufruf an Politik und Bürger, sich jetzt gegen eine weitere Verschärfung der Konflikte zu engagieren, Gewalt und Krieg auszuschließen und friedliche Lösungen voranzubringen.
Wollen wir das Risiko auf uns nehmen, dass es 700 Kilometer von uns entfernt, in der Ukraine, zu einem Krieg kommt, bei dem leicht auch die Nato und deutsche Soldaten beteiligt sein könnten? Wollen wir wirklich mit höheren Gaspreisen und mehr Arbeitslosen für Sanktionen und zerstörte deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen zahlen? Anders als diejenigen, die in den Regierungsetagen solche Beschlüsse fassen, wird das viele Menschen richtig hart treffen!

Sollten die Politiker der Ukraine, Russlands und der Nato-Staaten nicht die seit dem Ende des Kalten Krieges erreichte Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen Russland und dem Westen fördern, statt Feindbilder aufzubauen und Öl ins Feuer zu gießen? Was haben Menschen von Krieg und Gewalt gehabt, als Tod, Leid und Zerstörung?

Sollten wir uns nicht dafür einsetzen, dass alle jetzt aufgekommenen Streifragen nur mit friedlichen Mitteln diplomatisch gelöst werden? Sollten wir nicht alle Staaten auffordern, den Einsatz von Gewalt für sich auszuschließen und keine Vorwände zu organisieren, um Gewalt zu rechtfertigen? Sollten wir den Regierungen nicht ganz deutlich machen, dass wir uns dagegenstellen, wenn sie einen Krieg provozieren?

Fühlen wir uns nicht von den Medien zunehmend falsch informiert, sondern manipuliert. Sollten wir nicht alle angesichts der Risiken anfangen, uns dem entgegenzustellen und uns selbst umfassender zu informieren. Sollten die, die den Frieden sichern wollen, sich jetzt nicht selbst vernetzen und eigene Nachrichtenkanäle schaffen? Können wir nicht der Manipulation der Medien entgegenwirken und unser Wissen Freunden und Kollegen weitergeben? Können wir uns nicht mit Leserbriefen auch in den örtlichen Medien eine Stimme verschaffen? Sollten wir uns jetzt nicht öffentlich Gehör verschaffen, mit anderen Menschen Verbindungen aufbauen und an möglichst vielen Orten öffentliche Mahnwachen organisieren für die Erhaltung des Friedens?

Wollen wir nicht jetzt Bildungsveranstaltungen organisieren, um unser Verständnis als Bürger von der schwierigen Situation und ihren Hintergründen zu vergrößern, da wir wissen, dass wir oft einseitig informiert werden? Wurden nicht schon unsere Väter und Großväter mit falschen Argumenten in Kriege gezwungen. Sollten wir nicht mit den jeweiligen Bundestagsabgeordneten der Wahlkreise ins öffentliche Gespräch kommen, was sie für die Sicherung des Friedens tun wollen? Wir haben als Bürger das Recht, selbst Vorschläge für friedliche Lösungen zu erarbeiten. Wenn möglich auch mit Menschen aus  den betroffenen anderen Ländern, um deren Interessen besser verstehen und berücksichtigen zu können.

In Deutschland leben viele Menschen aus Russland und der Ukraine. Sollten wir nicht mit ihnen den Kontakt suchen oder mit deutsch-russischen oder deutsch-ukrainischen Freundschaftsinitiativen oder Städtepartnerschaften, um gemeinsam an friedlichen Lösungen zu arbeiten und ihre Erfahrungen zu nutzen? Mit ihnen wollen wir Verbindungen aufbauen zu Menschen und Gruppen in Russland, der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern, um Meinungen und Informationen auszutauschen und Vertrauen aufzubauen zwischen den Bürgern selbst.

Wenn Euch unsere  Fragen etwas sagen und ihr mit uns Wege suchen wollt, laden wir euch zur Zusammenarbeit ein! Wir versuchen Euch in Euren Orten zu unterstützen und den bundesweiten Nachrichten- und Meinungsaustausch zu organisieren. Für die, die vor Ort lokale Bündnisse oder Bildungsveranstaltungen organisieren wollen, bemühen wir uns, Seminare und Workshops mit qualifizierten Referenten zu den zentralen Fragen zu organisieren.

Wanfried, den 29.3.2014

Entschuldigung an das russische Volk

Wir Deutschen, die diesen Brief an das russische Volk unterschreiben,

entschuldigen uns beim russischen Volk für den respektlosen Vertrauensbruch der deutschen Regierungen, der US-Regierungen und der Nato-Führer gegenüber Russland:

Unsere Länder hatten 1988-89 Russland zugesichert: Wenn ihr der deutschen Wiedervereinigung zustimmt und auch zustimmt, dass Gesamtdeutschland Mitglied der Nato werden kann, gehen wir mit dem Nato-Militärbündnis keinen Zentimeter über die deutschen Grenzen hinaus nach Osten Richtung russischer Grenze. Russland wollte für die eigene Sicherheit eigentlich einer Wiedervereinigung nur zustimmen, wenn Deutschland ein neutrales, keinem Militärbündnis angehöriges Land wird, hat aber wegen dieser Zusicherung die Nato-Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschlands akzeptiert.

Unsere politischen Führungen  haben dieses Versprechen in den vergangenen Jahren rücksichtslos  gebrochen und ein osteuropäisches Land nach dem anderen in die Nato aufgenommen und Russland militärisch eingekreist.  Sie bauen jetzt sogar an Russlands Grenzen Raketen auf, mit denen sie Russland bedrohen. Das Argument, dass die osteuropäischen Länder in die Nato wollten, um ihre Souveränität zu sichern, hätte nur dazu führen dürfen, ein gemeinsames Sicherheitssystem mit Russland und den Nato-Ländern zu schaffen: Keinesfalls aber hätte die Nato sich nach Osteuropa ausdehnen dürfen, weil das die USA und Deutschland gegenüber Russland ausdrücklich ausgeschlossen hatten. Wir sehen die Aufnahme der Krim durch Russland, die dem Willen der Krimbewohner entspricht, deshalb auch als verständliche Reaktion auf die Einkreisungsstrategie der Nato-Länder.

Die Ausdehnung  der Nato in Richtung der russischen Grenze  entgegen dem Versprechen der westlichen Länder ist ein nicht zu akzeptierendes Vorgehen: Bitte glaubt nicht, dass wir Deutschen alle so wenig zu unserem Wort stehen. Vielen von uns sind diese Vorgänge erst jetzt in der Krise richtig bewusst geworden. Wir haben unsere Verantwortung als Bürger eines demokratischen Staates nicht ausreichend wahrgenommen, das Verhalten unsere Regierungen Euch gegenüber zu kontrollieren. Wir haben nicht unsere demokratische Pflicht erfüllt, einen solch frevelhaften Vertrauensbruch gegenüber ihrem Land zu verhindern.

Wir wollen jetzt alles tun, um das gegenseitige Vertrauen wieder herzustellen und auszubauen. Wir schlagen zudem vor, jetzt das Nato-Bündnis in ein gemeinsames globales Bündnis umzuwandeln, das Russland und China gleichberechtigt einschließt. Damit wollen wir sicher sein, dass alle Konflikte diplomatisch geklärt werden und nicht mit militärischer Gewalt!

Begründung:
Wir wissen,

das russische Volk hat unendlich unter dem Versuch Deutschlands gelitten, es zu erobern, zu unterwerfen, auszuhungern und sein Land als Siedlungsraum für „deutsche Wehrbauern“ zu nutzen, beim erzwungenen Rückzug dann noch die russische Infrastruktur und viele Städte und Dörfer zu zerstören

wir wissen, dass das russische Volk die größten Opfer gebracht hat, um das nationalsozialistische Deutschland zu besiegen und auch den größten Beitrag geleistet hat, Hitlers Armee zu besiegen; es hat damit auch uns Deutsche von diesem Terrorregime befreit.

wir sind dankbar, dass Russland trotz dieser Erfahrungen der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt hat und keine militärische Gewalt eingesetzt hat, um die demokratischen Bewegungen in Deutschland und Osteuropa niederzuwerfen

wir verstehen aufgrund der geschichtlichen Erfahrungen vor allem der deutschen Militär-Interventionen in beiden Weltkriegen, dass Russland sich bei der Wiedervereinigung ausbedungen hat, dass keine andere Großmacht mehr bis zu ihren Grenzen vorrücken darf, um das Land und seine Menschen bedrohen zu können. Das war Russland auch vom US-Präsidenten Roosevelt und den USA in den Konferenzen zur Gestaltung der Welt nach dem Krieg ausdrücklich zugesichert worden.

Erstellt von der Initiative für ein Bündnis: Wir wollen keinen Krieg

 

Bürgerappell von russischen, deutschen, ukrainischen und Bürgern anderer Länder!
Bitte weiter verteilen und unterzeichnen

Wir Bürger Russlands, Deutschlands, der Ukraine und anderer Ländern bauen ein gemeinsames Bürger-Netzwerk für Frieden auf und wollen damit dazu beitragen, dass unsere Regierungen nicht zu den Mitteln von Sanktionen, Gewalt und Krieg greifen, um die bestehenden Konflikte zu lösen. Wir verpflichten uns, zuerst unsere jeweils eigene Regierung zu kontrollieren, dass sie fair und moralisch handelt in dem Sinne andere Länder so zu behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Wir wissen, dass unsere Regierungen häufig bei den anderen Ländern nur das Negative erwähnen, uns einseitig informieren und so das Vertrauen der Völker untergraben. Wir wollen mit dem Netzwerk dazu beitragen, der Schaffung von Gegnerschaft und Feindschaft zwischen den Völkern entgegenzuwirken und Vertrauen zwischen den Menschen aufzubauen. Wir versuchen die Kompetenz von uns Bürgern selbst zu heben, damit mehr Menschen die internationalen Beziehungen durchschauen, die unsere Regierungen häufig einseitig dargestellt werden. Wir wollen so besser in der Lage sein, selbst mit um faire internationale Beziehungen zu ringen.

Unsere Väter und Großväter haben sich in zwei Weltkriegen unendliches Leid zufügen müssen. Im Kalten Krieg sind wir mehrfach nur mit Glück einem atomaren Desaster entgangen. Der Kalte Krieg hat zudem unendlich viele Mittel verschlungen, die wir für den Aufbau unserer Welt hätten nutzen können. Wir wollen keine neue Aufrüstung, sondern Abrüstung.  Wir wollen den Aufbau eines gemeinsamen internationalen Sicherheitssystems, dass Krieg und Gewalt endgültig von der Erde verbannt und nur noch friedliche Konfliktlösungen erlaubt.

Wir ermutigen alle, jetzt in der Gefahr eines Neuen Kalten Krieges und vielleicht sogar der Gefahr eines Atomkrieges aktiv zu werden und sich für den Aufbau von vertrauensvollen, fairen Beziehungen unter unseren Völkern zu engagieren.

Initiative für ein Bündnis: Wir wollen keinen Krieg