“Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben!” Hitlers mörderischer Parole folgend wurden im Zweiten Weltkrieg 20 000 deutsche Soldaten als “Kriegsverräter” hingerichtet. Bis heute gilt die Fahnenflucht als eines der schwersten militärischen Verbrechen – und kann in vielen Armeen der Welt noch immer die standrechtliche Erschießung nach sich ziehen. Dennoch gab und gibt es immer wieder Soldaten, die desertieren. Welche Motive treibt sie an? Wann sollte ein Soldat dem eigenen Gewissen und nicht Befehlen folgen? Und warum gelten manche Deserteure heute als Vorbilder – und andere als Verräter?
ZDF-History zeigt Hintergründe und Folgen militärischen Ungehorsams – mit Beispielen aus Hitlers Wehrmacht, der sowjetischen Armee im Kalten Krieg bis hin zur US-Armee im jüngsten Irak-Krieg.

Das Bonner Deserteur – Denkmal / Das Fehlen eines Menschen …

VEREHRTER PRÄSIDENT
(Nachdichtung Leobald Loewe, 2003)

Verehrter Präsident
seid Ihr vielleicht in Eile
doch leset diese Zeile
mit der mein Brief beginnt
Mir werden da gebracht
die Militärpapiere
dass in den Krieg marschiere
ich noch vor Mittwoch Nacht

Herr Präsident, ich bin
gewiss nicht Mensch geworden
um Menschen zu ermorden
das macht doch keinen Sinn

Ich will nicht provozier’n
wenn ich ganz offen sage:
Der Krieg kommt nicht in Frage
ich werde desertier’n!

All’ meine Brüder sind
gerannt in ihr Verderben
ich sah den Vater sterben
es weinte auch mein Kind
Die Mutter trug so schwer
sie ist mit ihren Sorgen
im Krieg verrückt geworden
sie leidet nun nicht mehr

Als ich gefangen war
sind sie ins Haus gekommen
und haben mir genommen
die meine Liebe war

Wenn früh die Hähne kräh’n
will ich mein Bündel schnüren
ein neues Leben führen
und auf die Straße geh’n

Dann zieh’ ich ohne Ruh’
vom Norden in den Osten
vom Süden in den Westen
und schrei den Leuten zu:
” Verweigert den Befehl
kämpft nicht in ihren Kriegen
traut niemals ihren Lügen
der Frieden wär’ ihr Ziel! ”

Ihr schwört im Parlament
man müsse Blut vergießen
so lasset Eures fließen
verehrter Präsident

Jagt Eure Polizei
mir nach, so lasst sie grüßen
sie könne auf mich schießen
weil ich gefährlich sei!

Le Déserteur Songtext

Monsieur le Président
Je vous fais une lettre
Que vous lirez peut-être
Si vous avez le temps
Je viens de recevoir
Mes papiers militaires
Pour partir à la guerre
Avant mercredi soir
Monsieur le Président
Je ne veux pas la faire
Je ne suis pas sur terre
Pour tuer des pauvres gens

C’est pas pour vous fâcher
Il faut que je vous dise
Ma décision est prise
Je m’en vais déserter

Depuis que je suis né
J’ai vu mourir mon père
J’ai vu partir mes frères
Et pleurer mes enfants
Ma mère a tant souffert
Elle est dedans sa tombe
Et se moque des bombes
Et se moque des vers

Quand j’étais prisonnier
On m’a volé ma femme
On m’a volé mon âme
Et tout mon cher passé
Demain de bon matin
Je fermerai ma porte
Au nez des années mortes
J’irai sur les chemins

Je mendierai ma vie
Sur les routes de France
De Bretagne en Provence
Et je dirai aux gens
Refusez d’obéir
Refusez de la faire
N’allez pas à la guerre
Refusez de partir

S’il faut donner son sang
Allez donner le vôtre
Vous êtes bon apôtre
Monsieur le Président

Si vous me poursuivez
Prévenez vos gendarmes
Que je n’aurai pas d’armes
Et qu’ils pourront tirer