Faires Gold gegen Blut-Diamanten

23. März 2014, 16:24
  • Wer Gold kaufen möchte, kann das jetzt auch "fair" tun.

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    foto: deutsche bundesbank

    Wer Gold kaufen möchte, kann das jetzt auch “fair” tun.

In einem kleinen Ort in Peru wird das Edelmetall neben den herkömmlichen Goldminen nun auch “fair” abgebaut

Relave – Der Name “Relave” scheint Programm: Nichts anderes als “Abraum” bedeutet der spanische Name der Siedlung im südlichen Peru, die sich mit ihren heruntergekommenen Baracken kaum von anderen Bergbau-Städten des südamerikanischen Landes unterscheidet. Das zwischen zwei kahlen Bergrücken eingekeilte Relave ist aber auch der Schauplatz einer Revolution im Gold-Handel: Hier schürft die kleine Firma Aurelsa Edelmetall, das sich Kunden weltweit ohne schlechtes Gewissen als Schmuck umhängen können.

Aurelsa hat als einer der weltweit ersten Minenbetreiber von der Alliance for Responsible Mining (ARM) ein Gütesiegel verliehen bekommen. Die Initiative unterstützt Firmen dabei, ihr Gold mit einem etwa zehnprozentigen Preisaufschlag zum Weltmarktpreis direkt an Juweliere in den USA oder Europa zu verkaufen. Im Gegenzug erhalten diese die Garantie, dass das Edelmetall unter Einhaltung bestimmter Arbeits- und Umweltschutz-Standards gefördert wird und die Bergleute fair entlohnt wurden. Damit verfolgt ARM ähnliche Ziele wie die Stiftung Fairtrade, die vor allem für den fairen Handel mit Früchten, Kaffee und Schokolade bekannt ist.

Vom Tagelöhner zum Firmenchef

“Als wir hier ankamen, hatten wir nichts”, sagt Aurelsa-Chef Juan Coronado. “Jetzt exportieren wir weltweit.” Er verließ den elterlichen Hof im Hochland der Anden Ende der 1980er Jahre, um in Relave sein Glück zu suchen. Zunächst wühlte er sich wie so viele andere durch die Reste einer aufgegebenen Goldmine, mischte den Abraum mit Quecksilber und verkaufte dieses Goldamalgam an Zwischenhändler.

Im Jahr 2000 schloss sich Coronado mit anderen Goldschürfern zusammen und gründete Aurelsa. Die Firma ist ein Exot in dem 4000-Einwohner-Ort. Ihre Stollen sind gut ausgeleuchtet, die inzwischen 45 Angestellten erhalten regelmäßig Gehalt und die Firma zahlt Steuern. Wenige Meter weiter lässt sich der Normalfall beobachten: Hunderte Goldschürfer graben sich illegal und ohne Schutzkleidung durch “La Capitana”. In diesem imposanten Felsbrocken wird den Einheimischen zufolge bereits seit etwa 200 Jahren Edelmetall gefördert. “In alle diese Stollen muss man hineinkriechen und die Sicht dort ist gleich Null”, sagt ein Aurelsa-Ingenieur.

Fairmined

Anfangs hatte seine Firma schwer mit der illegalen Konkurrenz zu kämpfen, die Gold billiger verkaufen kann. 2011 trat dann ARM auf den Plan und im Juni 2013 verkaufte Aurelsa erstmals ein Kilogramm Gold mit dem “Fairmined”-Zertifikat ins Ausland. Neun weitere Kilogramm kamen seither hinzu. Mittelfristig will Aurelsa die gesamte Produktion – zwei bis drei Kilogramm pro Monat – direkt verkaufen.

Die insgesamt drei ARM-zertifizierten südamerikanischen Bergbau-Firmen lieferten im vergangenen Jahr 360 Kilogramm fair gehandeltes Gold an Juweliere in den USA und Europa. Vor dem Hintergrund der Diskussion um sogenannte “Blut-Diamanten”, die von unterbezahlten Tagelöhnern unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden und meist zur Finanzierung von Bürgerkriegen dienen, steigt das Interesse an ethisch unbedenklichen Edelmetallen. Das bisherige Geschäftsgebaren der Branche habe sie frustriert, klagt die Londoner Goldschmiedin Amanda Li Hope. Kein Händler habe ihr zu 100 Prozent garantieren können, dass die Ware aus unbedenklichen Quellen stammt.” Li Hope verkauft seit 2011 Schmuck aus Gold mit den Gütesiegeln “Fairtrade” oder “Fairmined”.

Goldrausch und seine Folgen

Kaum ein anderer Rohstoff hat seit dem Jahrtausendwechsel einen größeren Höhenflug erlebt als Gold. Ein Kilogramm verteuerte sich in diesem Zeitraum auf rund 31.200 von knapp 9000 Euro. Daher strömen auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer Armut Hunderttausende von Peru bis Indonesien in die Berge.

Ohne staatliche Lizenzen und ohne Rücksicht auf die Umwelt oder die eigene Gesundheit lösen sie das Edelmetall meist mit großen Mengen Quecksilber aus dem Gestein. Dabei hantieren sie meist mit bloßen Händen mit dem giftigen Metall oder atmen dessen Dämpfe ein. In den Hochburgen des illegalen Goldabbaus leiden 80 Prozent der Bevölkerung unter Quecksilber-Vergiftungen, fanden Experten der Carnegie Institution for Science heraus. Allein in Peru wurden Regierungsangaben zufolge in den vergangenen Jahren mehr als 3000 Tonnen Quecksilber in die Flüsse gekippt oder sickerten ins Grundwasser.

Exporte höher als Produktion

Das gewonnene Gold verkaufen die Schürfer an Zwischenhändler oder Erzverarbeiter, die es ihrerseits an Edelmetall-Schmelzen im Ausland weitergeben. Dort wird es dann zu Barren gegossen. Die großen Goldhütten beziehen ihren Rohstoff üblicherweise von weltweit operierenden Bergbaukonzernen. Für Endkunden sei es allerdings unmöglich zu erkennen, ob das Gold für den Ehering oder die Halskette aus legalen oder illegalen Quellen stammt, räumen Branchen-Experten ein.

Offiziell förderten peruanische Minen 2013 insgesamt 151 Tonnen Gold – exportiert wurden allerdings rund 20 Prozent mehr. Dem Wirtschaftsexperten Elmer Cuba zufolge ist dies ein Zeichen dafür, dass illegales Gold regelmäßig – zum Beispiel durch das Organisierte Verbrechen – in den regulären Wirtschaftskreislauf geschleust wird.

Perus Kampf

Die Regierung des weltweit sechstgrößten Gold-Lieferanten taxiert die Zahl der illegalen Schürfer im Land auf etwa 100.000. Andere Schätzungen gehen vom Fünffachen aus. 50.000 Hektar peruanischen Amazonas-Urwaldes – das entspricht in etwa der Fläche von 70.000 Fußballfeldern – seien dem modernen Goldrausch bereits zum Opfer gefallen, sagen die Forscher des Carnegie Department of Global Ecology.

Aus diesem Grund hat Peru dem illegalen Bergbau den Kampf angesagt. Befürworter fair gehandelter Edelmetalle argumentieren aber, dass ihr Weg langfristig erfolgversprechender sei als Polizei-Razzien. Schließlich biete die Legalisierung des Geschäfts Vorteile, die sich langsam aber sicher unter den Goldschürfern herumsprächen, betont Rosa Reyes, Managerin der Aurelsa-Mine. “Ohne eine offizielle Firma gibt es keinen Weg, legal an benötigte Waren wie Dynamit oder Zyanid zu kommen oder Kredite zu erhalten.” Dies alles sei notwendig, um in Gold exportfähigen Mengen fördern zu können.

Modell für die Zukunft

Die erste Aurelsa-Lieferung ARM-zertifizierten Goldes ging an Ethical Metalsmiths, ein Konsortium von US-Juwelieren. Nach Aussagen der Chefin Christina Miller dauerte die Transaktion deutlich länger als gedacht. Dennoch wolle sie in Zukunft weiteres fair gehandeltes Gold kaufen.

Aurelsa und andere zertifizierte Goldförderer werden 2015 voraussichtlich mehr als eine Tonne Gold produzieren, wie Kenneth Porter prognostiziert, der bei ARM die Verbindung zu den Unternehmen hält. Das ist im weltweiten Geschäft – 2013 lag der Bedarf nach Angaben des World Gold Council bei mehr als 3700 Tonnen – zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, bedeutet gemessen an aktuellen Preisen aber immerhin ein Verkaufsvolumen von mehr als 31 Millionen Euro.

ARM-Chefin Lina Villa-Cordoba plant schon weiter: Der nächste Schritt sei, die großen Schmuck-Hersteller zum Kauf fair gehandelten Goldes zu bewegen. Vielleicht gelinge es langfristig sogar, ARM-zertifizierte Produkte für Banken und Händler als Anlageobjekt attraktiv zu machen. “Wir müssen einen Weg finden, eine branchenweite Nachfrage zu erzeugen und den Markt zu bewegen.” (Reuters, 23.3.2014)

http://derstandard.at/1395362929522/Fair-gehandeltes-Gold-gegen-Blut-Diamenten