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US-Professor Jeffrey, der die russische Regierung nach dem Ende des Staatssozialismus beriet, macht die neokonservative Strömung in den USA für die gescheiterte Demokratisierung in Russland verantwortlich. In seinem Buch das „Ende der Armut“ hat er seinem Engagement in Russland ein eigenes Kapitel gewidmet. Darin beschreibt er, dass  diese in den USA dominierende Strömung, nie ein Interesse gehabt habe, Russland zu helfen, ein gleichberechtigtes, demokratisches und marktwirtschaftliches Land zu werden. Die von ihm mitentwickelten Programme, die den Übergang zur Marktwirtschaft mit einem Stabilisierungsprogramm für die russische Währung und einem sozialen Sicherheitsnetz für die schwachen Gruppen verbinden sollten, seien in Washington auf Ablehnung gestoßen. Der von ihm geforderte dafür nötige internationale Kredit hätte aber nur einen kleinen Teil der Summe betragen, die durch die Senkung der Rüstungsausgaben am Ende des Kalten Krieges möglich gewesen seien. Das Denken hätte die von Cheney und Wolfowitz erarbeitete Verteidigungsplanung bestimmt, „die darauf zielte, die militärische Dominanz der USA über alle ihre Rivalen einschließlich Russlands sicherzustellen. Ich selbst hatte Russland nicht anders als Polen betrachtet. (..) Polen war (aber) in den Augen der US-Strategen die östliche Flanke des westlichen Bündnisses. Mit der Unterstützung Polens diente man daher eindeutig den Interessen des Westens. Russland (dagegen) sollte nicht in die Europäische Gemeinschaft oder die Europäische Union integriert werden. Russland war auf keinen Fall ein Kandidat für die Nato. In dem Land schlummerten immer noch 20000 Kernwaffen. Angesichts des Nullsummendenkens von Cheney und Wolfowitz erscheint es mir heute wahrscheinlich, dass alle Maßnahmen, die zu einer schnellen wirtschaftlichen Erholung Russlands beigetragen hätten, vom Weißen Haus unter George H.W. Bush und dem Pentagon als den US-Interessen abträglich angesehen wurden.  Der Umgang der G7-Staaten mit Russlands Schuleden war ein ähnliches Debakel.  Das Beharren der G7-Staaten auf Rückzahlung der Schulden war rücksichtslos und kurzsichtig. Auf diese Weise würde Russland innerhalb kürzester Zeit seiner letzten Devisenreserven beraubt  werden. Im Februar 1992 war es dann so weit. Letzen Endes erwies sich das Jahr 1992 als ein trostloses Jahr für die  Reformer in Russland.
Auch Clintons Team hatte sich gegen ein umfassendes Programm für Russland entschieden.

Die mangelnde Hilfsbereitschaft des Westens kam Russland teuer zu stehen. Bis Ende der neunziger Jahre war jeglicher Optimismus verflogen, tiefe Hoffnungslosigkeit hatte sich breit gemacht. Hatte die Demokratie in den frühen neunziger Jahren mit den neuen Institutionen der Meinungsfreiheit und unabhängigen Medien noch eine echte Chance gehabt, hielten die Russen nun wieder Ausschau nach einem starken Führer, der die Macht in seinen Händen bündelte. Als den Reformern die Hilfe verweigert wurde, die sie gebraucht hätten, wurden sie durch farblose Apparatschiks und korrupte Beutejäger ersetzt.

Die Privatisierung artete in schamlose kriminelle Machenschaften aus. Letztlich lief es darauf hinaus, dass eine korrupte Gruppe so genannter Geschäftsleute, die sich später als die neuen Oligarchen einen Namen machten, natürliche Ressourcen im Wert von zig Milliarden Dollar in ihren Besitz bekommen konnte, in der Hauptsache die Erdöl- und Erdgarvorkommen des russischen Staates. Den genauesten Schätzungen zufolge wurden Erdöl, Erdgas und andere wertvolle Rohstoffe im Wert von 100 Milliarden Dollar Privatleuten überlassen, die dafür vermutlich nicht mehr als eine Milliarde Dollar an das Finanzministerium zahlten. (..) Statt mit den Einkünfte aus der Erdöl- und Erdgasförderung beispielsweise die Rentner zu unterstützen, werde das im Energiesektor eingenommene Geld nunmehr direkt in private Taschen wandern.

Der Westen ließ das ohne Murren geschehen. In der Regierung Clinton hielten angeblich viele den Tausch von Aktien gegen Kredite für ein cleveres Geschäft. Jelzin gab das Staatsvermögen her, um sich von seinen Spießgesellen – den neuen Oligarchen – die Wiederwahl finanzieren zu lassen. (..) Aus der Staatskasse verschwanden vermutlich zig Milliarden Dollar; zurück kamen lediglich einige Hundert Millionen Dollar für Jelzins Wahlkampf.

Sachs schreibt, dass ein Harvard-Kollege aus den USA, der die russische Führung im Auftrag der US-Regierung bei der Privatisierung beriet, selbst private Investitionen in Russland tätigte.

Aus Ende der Armut, Kapitel 7: Den Sturm ernten: Russlands Kampf um Normalität!

Für Zusammenstellung der Auszüge und Zusammenfassung verantwortlich: Wolfgang Lieberknecht

Jeffrey D. Sachs (* 5. November 1954 in Detroit) ist ein US-amerikanischer Ökonom und seit 2002 Sonderberater der Millennium Development Goals.