Was moderne konventionell industriell geführte Krieg für die Menschen heißen, beschreibt der US-Professor Adam Hochschild in seinem Buch 1914-1918: “Das Ausmaß dieses Blutbades übertraf alles, was Europa bis dahin erlebt hatte. So fielen im Verlauf der nächsten viereinhalb Jahre mehr als 35 Prozent aller deutschen Männer, die bei Ausbruch des Krieges zwischen 19 und 22 Jahre alt waren, und viele weitere wurden verwundet. Frankreich zahlte anteilig einen noch höheren Preis: Die Hälfte aller männlichen Franzosen, die bei Kriegsausbruch zwischen 20 und 32 Jahren waren, erlebte das Kriegsende nicht. Sogar die Sieger waren Verlierer: Großbritannien und Frankreich hatten zusammen mehr als zwei Millionen Tote zu beklagen und waren am Ende des Krieges hochverschuldet. Von Anfang an erkannten Zehntausende Menschen den Krieg als das, was er war: eine Katastrophe. Sie glaubten nicht, dass er den unvermeidlichen Blutzoll lohne; mit tragischer Klarheit sahen sie voraus, dass dieser Alptraum Europa verschlingen werde, und sie erhoben ihre Stimme. Mehr noch, sie taten es zu einer Zeit, als dazu großer Mut erforderlich war, denn glühender Nationalismus beherrschten die Gemüter. Vor allem in Großbritannien gab es eine große Zahl von unerschrockenen Kriegsgegnern. Bei Kriegsende hatten mehr als 20.000 britische Männer im wehrfähigen Alter den Kriegsdienst verweigert. Mehr als 6000 wurden zu Haftstrafen unter härtesten Bedingungen verurteilt. Bevor offenkundig wurde, wie viele Briten sich weigerten, in den Krieg zu ziehen, wurden 50 frühere Verweigerer zwangsweise eingezogen und in Handschellen über den Ärmelkanal nach Frankreich geschafft. Man teilte den Kriegsgegner mit, sie würden, wenn sie bei ihrer Befehlsverweigerung blieben, zum Tode verurteilt. In einem Akt großen, kollektiven Mutes, der es verdient hätte, im Gedächtnis der Nachwelt fortzuleben, wurde keiner der Männer in seinem Entschluss wankend. Mitte 1919 waren alle Wehrdienstverweigerer wieder auf freiem Fuß. Im Laufe der Jahre, als den Menschen immer klarer wurde, welche Opfer der Krieg gekostet hatte, gewannen die Wehrdienstverweigerer und andere, die für ihre Überzeugung ins Gefängnis gegangen waren, den Respekt der Öffentlichkeit, die sei einst verurteilt hatte.

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